Eine Nacht wie keine andere: 320 Menschen in höchster Not

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Bericht der Crew von Mission 14
über den Mammuteinsatz in der Nacht zum Dienstag

 

24. Oktober: Turbulenter Tag: Um 7.30 Uhr haben uns „Fischer“ die Richtung von drei Schlauchbooten gezeigt, welche wir kurz vor 8.00 Uhr erreicht haben.
Insgesamt rund 320 Personen, davon etwa 30 Frauen (zwei Schwangere) und ein Kind. An alle wurden Rettungswesten verteilt.
Da trotz ruhiger See Wasser in die Boote lief und da niemand in der
Nähe war, um die Leute an Bord zu nehmen, haben wir uns entschlossen, zwei
60-er Rettungsinseln aufzublasen, um die Boote entlasten zu können.
Zwischenzeitlich wurde eine bewusstlose Frau auf die Sea-Eye gebracht und dort von Moritz, unserem Doktor, versorgt.

Beide Inseln wurden an die Sea-Eye gebunden, da sie scheller abtreiben
als Schlauchboote, bzw. die Sea-Eye. Wir haben dann insgesamt 105 Personen,
darunter alle Frauen und das Kind, auf die Inseln gebracht.
Plötzlich setzten bei einer der zwei Schwangeren in einer Rettungsinsel die
Wehen ein. Diese Frau musste nun schnell aufs Schiff.

Aufgrund dieser Vorkommnisse war es mittlerweile ca. 15.00 Uhr.
Und immer noch kein Schiff in Sicht, das die Flüchtlinge aufnehmen konnte.
Dann noch zwischenzeitlich mit zwei Inseln und drei treibenden Schlauchbooten
kurz vor den libyschen Hohheitsgewässer getrieben (ca. 0,3 Seemeilen entfernt)…
Mit der Sea-Eye und den zwei vertäuten Inseln mit ganz kleiner Fahrt wieder
nach Norden gefahren. Unser Schlauchboot hat mit Hilfe von zwei
„Fischerbooten“ die Flüchtlingsschlauchboote nach Norden geschleppt.

Die „Minden“ traf zwischenzeitlich ein, mit bereits rund 70 Personen an Bord.
Wir haben uns dann ca. 16.45 Uhr entschlossen, ein Schauchboot mit noch 85
Personen zu leeren, und die Leute an Deck der Sea-Eye zu schaffen.
Weiterhin haben wir, da wir wieder nahezu manövrierunfähig an die
libysche Grenze getrieben wurden, beschlossen, die 105 Personen auf den Inseln
ebenfalls an Deck zu nehmen. Die Minden hat 131 Personen in den restlichen zwei
Schlauchbooten geborgen.

Nach dem Markieren und Abstechen der 3 Schlauchboote und der 2 Inseln
sind die Minden und wir gen Norden gefahren, da es zwischenzeitlich
dunkel geworden war.

Bis 0.30 Uhr haben wir via MRCC Rom und auch direkt im Kontakt mit anderen
Schiffen versucht, den Flüchtlingen ein Shuttleschiff zu organisieren,
da der Wind auf Windstärke 4 aufgefrischt hatte und wir rund einen Meter Welle hatten.
Um 0.45 Uhr dann die Erlösung: die italienische Marine bringt die Leute nach Sizilien.