Seefuchs: Mission 10 rettet fünf Männer aus kleinem Holzboot

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30.9.2017: Seefuchs-Crew rettet fünf Männer aus Holzboot

Aus dem Logbuch der Seefuchs:

Heute erhielten wir – vor den Gewässern Tunesiens treibend – über MRCC Rom gegen 12:30 Uhr die Information, dass sich ca. 20 Seemeilen entfernt, nordostwärtig von unserer Position (und somit in der sog. SAR Zone Libyens) ein Holzschiff befinde. Vor Ort sei bereits das Schiff VOS THALASSA (ein Versorger für Ölplattformen), welches offensichtlich jedoch Unterstützung bedürfe. Genaue Angaben über die Situation vor Ort, die Größe des Holzbootes, Anzahl der Personen an Bord, Staatsangehörigen oder Herkunft wurden uns nicht übermittelt.

Sofort wurden die Maschine gestartet und Kurs auf die übermittelten Koordinaten genommen.

Aufgrund der Entfernung mussten wir von einer Anreisezeit bis zum Erreichen der angegeben Position von ca. 2,5 Stunden ausgehen. Diese wurde genutzt, um uns und das Equipment für den Einsatz vorzubereiten.

Nach einigem Hin und Her bezüglich des Befahrens einer Sperrzone für eine Ölplattform bekamen wir dann gegen 16:55 Uhr aus Rom die Anweisung, weiter in die Sperrzone einzufahren. Am Horizont konnten wir bereits einige Boote erkennen, wobei wir eines als Marineschiff identifizierten. Während der Weiterfahrt erspähte unser „Holzauge“ dann ein Holzboot, welches mit recht hoher Geschwindigkeit auf die VOS THALASSA zufuhr. Bevor wir diese jedoch erreichen konnten, näherte sich auch das Militärschiff, welches sich als ein sehr schnelles Patrouillenboot der tunesischen Marine herausstellte, unserer Position. Nunmehr stellte es sich wie folgt dar: Innerhalb eines Kreises von ca. 0.5 Seemeilen befanden sich ein Holzboot mit elf männlichen Personen, die VOS THALASSA, das tunesiche Navy-Schiff und wir. Zusätzlich funkte uns das MRCC Rom an, und teilte uns mit, das es noch weitere Sichtungen von Booten gebe.

In dieser Situation war es schließlich die tunesische Navy, die am nächsten an das Holzboot fuhr und Kontakt zu den Insassen aufnahm. Diese machten zwar durch Gesten deutlich, dass sie lieber mit uns fahren wollten, trotzdem bedeutete uns die Marine, das diese die Bergung übernähme.

So konnten/mussten wir nach den von MRCC angesprochenen weiteren Booten Ausschau halten und verließen den recht „vollen“ Platz weisungsgemäß Richtung Norden.

Noch während der Abfahrt kam zusätzlich noch ein italienischer Militärhubschrauber hinzu, der uns über Funk über die Position zweier weiterer offensichtlich leerer Holzboote informierte und mitteilte, dass sich dahinter ein weiteres, mit einigen Personen besetztes, Holzboot befände.

Tatsächlich passierten wir nur wenige Minuten später zwei leere Boote, um dann – nach mehreren Positionspräzisierungen durch den Hubschrauber – nach ca. 45 Minuten tatsächlich ein Holzboot zu erkennen, welches mit laufendem Motor vor uns kreuzte.

Bei Annäherung erkannten wir, dass sich fünf männliche Personen darauf befanden, die uns zuwinkten und offensichtlich gerettet werde wollten. Die Entfernung zur Küste (tunesisch/libysches Grenzgebiet) betrug hier 50 Seemeilen.

Nunmehr mussten die trainierten Handgiffe sitzen: das Beiboot musste ausgekrant werden, Rettungswesten bereit liegen, die Funkgeräte aufeinander abgestimmt werden und die verschiedenen Stellen (MRCC und der Hubschrauber) informiert werden.

Wie sich herausstellte, waren es fünf Libyer, die seit 22 Stunden im Boot Richtung Europa waren, die wir zunächst mit Schwimmwesten versorgten.

Inzwischen erhielten wir aus Rom auch den Auftrag, die Menschen nicht nur – wie eigentlich unsere Verfahrensweise ist – zu versorgen und zu beobachten, sondern diese auch an Bord der Seefuchs zu nehmen. Hintergrund sei, dass morgen ein Boot käme, um diese zu übernehmen und in der Nacht mit weiteren Holzbooten zu rechnen sei.

So bargen wir die fünf Männer sowie ihr Gepäck und brachten sie zu uns an Bord. Hier wurden sie von unseren Ärzten empfangen und mit Wasser versorgt. Wie sich herausstellte, waren die fünf jungen Männer technisch ganz gut ausgerüstet (Pässe, Handys, GPS, Satellitentelefon, Wasser, Essen, Kleidung…) und freuten sich, von uns gerettet worden zu sein.

Ihr Boot wurde den Normen entsprechend von uns gekennzeichnet und dem Meer überlassen.

Im Anschluss galt es, unsere Gäste für die Nacht zu versorgen, unsere Ausrüstung wieder für den nächsten Einsatz vorzubereiten und ein intensives Debriefing unseres ersten Einsatztages durchzuführen. Morgen geht’s weiter: unsere Gäste werden dann an ein anderes Schiff übergeben, so zumindest der Plan und das Versprechen aus Rom. Wir werden noch ein wenig nach Westen fahren, um wieder vor der tunesischen Küste driften zu können.

Unser Resumee: insgesamt vier Boote gefunden, fünf Menschen gerettet: Feuertaufe des tatsächlichen Einsatzes bestanden.

Zurückgelegte Strecke seit Fahrtbeginn am Dienstag: ca. 330 Seemeilen.

Die Frauen und Männer von der Seefuchs.