Fragen & Antworten zur Seenotrettung

Die wichtigsten Fragen zur Seenotrettung

Nimmt die Sea-Eye nur syrische Flüchtlinge auf?
Wir betreiben Seenotrettung. Menschen in Not haben weder Nation, noch Geschlecht, noch Konfession. Sie haben nur Not. Unsere Antwort auf Not ist Hilfe.

Arbeitet Ihr direkt oder indirekt mit den Schleppern zusammen?
Sea-Eye lehnt jeglichen Kontakt zu den Schleppern ab. Schlepper sind Mörder. Aus reiner Geldgier setzen sie Leben willkürlich aufs Spiel.

Was sagt Ihr zu dem Vorwurf, wissentlich oder unwissentlich Helfershelfer der Schlepper zu sein?
Auch wenn Schlepper mit Menschlichkeit rechnen und Menschen in größte Not bringen, um deren Rettung zu erzwingen, so kann es doch keine Antwort an die Schlepper sein, diese Menschen ertrinken zu lassen.
Die Polizei erschießt bei einer Geiselnahme auch nicht das Opfer, um dem Täter das Spiel zu vermiesen.
Und die Feuerwehr ist kein Trinkkumpan, nur weil sie betrunkene Unfallopfer aus ihren Autos schneidet.

Trägt die Aktion dazu bei, noch mehr Menschen Hoffnung auf eine geglückte Flucht zu machen?
Das ist nicht einzuschätzen. Die Mortalitätsrate bei Überfahrt dieser Route liegt bei etwa 1: 53. Wenn das für die Flüchtenden eine „gute Aussicht“ ist, muss die Situation vorher  noch aussichtsloser  gewesen sein. Dann reicht geringste Hoffnung, um sich in Bewegung zu setzen. Oder aber, die Menschen kennen das Risiko gar nicht und setzen sich – gleichgültig, ob wir da sind oder nicht – in Bewegung.

Macht die Sea-Eye auf hoher See bewusst auf sich aufmerksam?
Wir versuchen vor Ort Schiffe ausfindig zu machen.
Auf uns machen wir dabei nicht aufmerksam.

Warum bringt Ihr die Geretteten nicht nach Afrika zurück?
Das internationale Seerecht regelt, dass Schiffbrüchige nur auf dem Boden abzusetzen sind, auf dem ihnen keine unmittelbare Gefahr droht. Nach den Interpretationen aller Kräfte vor Ort, also auch dem Militär und Frontex, ist dies in Afrika nicht gegeben.
Mit Stand März 2016 werden alle Geretteten aus diesem Seegebiet nach Italien gebracht.

Davon abgesehen: Sea-Eye transportiert keine Migranten. Dafür sind unsere Schiffe zu klein, und wir konzentrieren uns ausschließlich auf die Abwendung der unmittelbaren Lebensgefahr.

Wie könnt Ihr Schwerverletzten helfen?
Wir haben nach Möglichkeit immer einen Mediziner an Bord. Eine Art Lazarett mit einfacher Ausstattung und Notfallmedizin befindet sich ebenfalls an Bord.

Was muss die Politik tun, um das menschliche Drama im Mittelmeer zu verhindern?
Politik ist nicht unser Themenfeld, aber alle Beteiligten, in deren Macht es steht, haben die Pflicht, das aktuelle Drama zu beenden und die Seenotrettung professionell und konsequent aufzunehmen. Langfristig müssen aber die Ursachen der Flucht bekämpft werden.

Arbeitet Ihr mit Frontex und anderen militärischen oder polizeilichen Einrichtungen zusammen?
Wir arbeiten vorbehaltlos mit jedem zusammen, der sich vor Ort um die Rettung einsetzt.
Der Einsatz von Frontex im Mittelmeer hat nicht die Seenotrettung zum Zweck.
Allerdings ist im Seenotfall jedes Schiff zur gleichen Hilfeleistung verpflichtet.
Auch grenzschützende und militärische Einrichtungen. In diesen Fällen arbeiten wir dann natürlich zusammen – wenn man so will.

Stimmt es, dass Flüchtlinge ihre Schlauchboote bewusst zerschneiden, um aus Seenot gerettet zu werden?
Das ist in anderen Regionen sicher möglich. In diesem Seegebiet ist uns das nicht bekannt.
Auch wenn so etwas schwer zu verstehen ist: Es macht für den Helfenden keinen Unterschied, wodurch jemand in eine missliche Lage gekommen ist.
Nehmen Sie einen Arzt, der einen Alkoholiker oder Fettleibigen behandelt, oder denken Sie an Menschen mit der Absicht zum Suizid. Haben die keine Hilfe verdient?

Wie finanziert sich Sea-Eye?
Wir betreiben die Seenotrettung fast ausschließlich durch Spenden und die freiwillige unentgeltliche Mitarbeit von rund 700 Freiwilligen (Stand April 2017). Im Jahr 2016 benötigte Sea-Eye rund 250.000 Euro für insgesamt 16 Missionen. Im Jahr 2017 wird es rund eine halbe Million Euro sein, weil wir jetzt zwei Schiffe im Einsatz haben.

Für was wird das gespendete Geld verwendet?
Für den Schiffsbetrieb, Diesel, Lebensmittel, Logistik und Kommunikation.
Bisher gibt es kaum Verwaltungskosten.

Ist die Sea-Eye überhaupt für die Seenotrettung ausgerüstet?
Sea-Eye und Seefuchs sind nicht wesentlich besser gerüstet, als vorbeifahrende Frachter und Tanker, welche auch die Aufgabe der Seenotrettung übernehmen müssen, wenn sie in die Verlegenheit kommen.
Aber wir haben ein gutes Konzept und grundsätzlich alles Notwendige, um unsere Arbeit sinnvoll beginnen zu können.

Habt Ihr überhaupt genügend Fachleute für Seenotrettung an Bord?
Wir sind leider keine Fachleute für Seenotrettung. Aber fahren wir ja deshalb dorthin, weil von eben diesen Fachleuten niemand hinfährt.

Sind die Schiffe von Sea-Eye hochseetüchtig?
Sea-Eye und Seefuchs wurden geplant und gebaut für die hohe See.
Die Einsatzdauer der Schiffe ist mit 19 Tagen für uns sehr gut ausreichend.
Sea-Eye und Seefuchs haben 48 Schwesterschiffe, von denen seit 1957 keins in der See geblieben ist.
Beide Schiffe haben sich auch in schwerem Wetter sehr gut bewährt.


Zu der Kampagne gegen NGOs („Helfershelfer der Schlepper“) gibt es viele gute Presseartikel, besonders empfohlen ist hier der Beitrag aus der „Zeit“ vom 3. April 2017:

Flüchtlinge: Rettungsboote sind keine Magneten

In den vergangenen Tagen haben europäische Hilfsorganisationen wieder Tausende von schiffbrüchigen Flüchtlingen im Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht. Ohne die Helfer wären diese Menschen, die meisten von ihnen aus Ländern südlich der Sahara, ertrunken. Doch einige Regierungen und Beamte der Europäischen Union werfen den Nichtregierungsorganisationen (NGOs) inzwischen öffentlich vor, mit ihren Rettungsaktionen das verbrecherische Geschäft der Schlepper zu befördern.