Kapitänin Franziska Hansen: Einsatz vom 18. August – 60 Menschen gerettet

M9_Einsatz_1ß0ß_1

Seit 06.45 Uhr auf der 24-Meilen-Linie westlich von Tripolis Richtung Osten
mit der Astral (spanisches Rettungsschiff) östlich von uns nahebei. 08.05 Uhr Sichtung eines schnellen
Schlauchbootes von achtern. Da wir befürchten, es könnte sich um ähnlichen Fall wie den gestrigen handeln (Die Bourbon Argos, ein Schiff von Ärzte ohne Grenzen, war von einem Schnellboot angegriffen und beschossen worden. Niemand wurde verletzt), drehen wir um 180 Grad nach Norden und raten der Astral ähnliches.

Um 08.15 Uhr Sichtung eines Holzbootes nordöstlich von uns, kurz darauf ein weiteres. Nach Rücksprache mit Astral bereiten wir das Beiboot vor und behalten das schnelle Schlauchboot im Auge.

Im Wasser bewegen wir uns mit Charlotti  (Schlauchbot der Sea-Eye) zum zweiten Holzboot. Wir sprechen mit der Besatzung und das verfolgende Schlauchboot stellt sich als Fischerboot heraus, das auf ein im Sinken begriffenes drittes Boot ca. zehn Seemeilen zurück aufmerksam machen wollte. Um das kümmert sich eines der Boote der Astral, wir versorgen das erste Holzboot mit Westen und beginnen zusammen mit dem zweiten Beiboot der Astral, die Leute von den Booten auf die Astral zu bringen. insgesamt ca. 60 Leute auf zwei Booten,
Bangladeshi, Afrikaner, Syrer. Alles Männer, bis auf eine Frau mit zwei kleinen Kindern.

Die Sea-Eye macht sich derweil auf den Weg zum sinkenden Boot um gegebenenfalls den Astral-Leuten zu helfen Wir bleiben nach Abbergung in Funknähe der Astral. Das gesunkene Boot wird von dem Rib der Astral gefunden und etwa 20 Flüchtlinge schwimmend abgeborgen und gerettet.

Mittlerweile nähern sich ca. vier Seemeilen entfernt die Topaz Responder der MOAS (maltesische Retter)
und zwei der Kriegsschiffe, die uns am Abend zuvor begleitet hatten. Nach Klärung der Übernahme der Leute von der Astral holen wir unsere Westen zurück und sind um 11:15 Uhr wieder mit allem an Bord.

Im Verlaufe unserer Rettungsaktion werden von den in das Gebiet hinzukommenden Schiffen (anfänglich nur Sea-Eye und Astral vor Ort) weitere Holzboote und auch Schlauchboote ausfindig gemacht und gesichert.

Auf Nachfrage bei den beteiligten Schiffen, insbesondere Kriegsschiffe und SAR-Airplane, wurde weitere Hilfeleistung der Sea-Eye nicht erforderlich (zumal Einsatzgebiet deutlich süd-westlich von unserer
Position).