Osterdrama im Mittelmeer: 210 Flüchtende auf der Sea-Eye ohne Hilfe

 

Ostersonntag: Die Sea-Eye und Iuventa im Einsatz. Foto: Reuters

Das Osterwochenende endete für unzählige Flüchtende im Mittelmeer tödlich. Die privaten Rettungsorganisationen – darunter auch die Sea-Eye – kämpften Tag und Nacht und am Rande ihrer Kapazitäten um die Rettung der Schiffbrüchigen und konnten schätzungsweise 1200 in Sicherheit bringen. Für etwa zehn Menschen kam jede Hilfe zu spät.

Aber immer noch – seit mehr als 24 Stunden – befinden sich rund 210 Flüchtende dicht an dicht gedrängt an Bord der Sea-Eye, schutzlos dem Wind, den Wellen und der Kälte ausgesetzt. Die Mission 3 von Sea-Eyemusste die Menschen an Bord nehmen, weil ihre Boote schwimmunfähig waren und teilweise gekentert waren. Auch aufgrund des hohen Wellengangs blieb keine andere Möglichkeit, die Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Am heutigen Ostermontag morgen hat die Crew schließlich ein „Mayday“* abgesetzt, nachdem nach einer zweifach missglückten Verabredung zur Evakuierung die humanitäre Situation an Bord der Sea-Eye zu eskalieren drohte.

Mittlerweile befindet sich die Sea-Eye im Geleit des Tankers „La Donna“ sowie des Küstenwachenschiffs CP 920. In deren Windschatten soll im Laufe des Nachmittags die Bergung der Migranten stattfinden. Zwei kleinere Schiffe der italienischen Küstenwache sind aus Lampedusa zugesagt, um die Menschen aufzunehmen.

Anmerkung: Einige Agenturen verbreiteten am Ostersonntag die Meldung, die Sea-Eye sei wegen eines Maschinenschadens manövrierunfähig. Diese Information stammt nicht von uns und ist nicht korrekt. Das Schiff ist einsatzfähig. Die prekäre Situation ist aufgrund der humanitären Zustände an Bord entstanden.

*Das Sprechfunk-Notzeichen MAYDAY zeigt einen Seenotfall an, und leitet die Seenotmeldung ein. Seenotfall bedeutet, dass ein Wasserfahrzeug auf See in Not oder eine Person in Lebensgefahr ist und sofortige Hilfe benötigt.