Sea-Eye-Crew in Tunesien: Trauer um die Toten

Die Crew vor dem Hügelgrab für unbekannte Flüchtende bei Zarzis

Bericht der Crew von Mission 11:

Zarzis (Tunesien) – Aufgrund schlechten Wetters hat die Crew der M 11 in der Nacht zum 12.8. beschlossen, den sicheren Hafen in Zarzis anzulaufen, um das schlechte Wetter an Land „auszusitzen“. Im Anschluss an das übliche Prozedere beim Einlaufen in einen neuen Hafen, begab sich die Crew an Land, um die Altstadt zu erkunden.

Am Vormittag des 13.8. erhielt die Crew Besuch von zwei arabischen Journalisten, welche von „James Dean“, einem lokalen Fischer, der unter anderem Initiator der Blockade der C Star in Zarzis vergangene Woche und bereits 2016 als Agent für die Speedy für Sea-Eye tätig war, von den Aktivitäten der Sea-Eye erfahren hatten. Beide verfolgen das Ziel, die humanitäre Arbeit der Sea-Eye im Mittelmeer im arabischen Raum bekannter zu machen. Es folgte ein Interview mit dem Kapitän, sowie ein sich anschließendes Fotoshooting und Filmdreh.

„James Dean“ bot uns im Anschluss an, den Flüchtlingsfriedhof in Zarzis zu besuchen. Diesen errichtete er in ehrenamtlicher Tätigkeit über die letzten zwölf Jahre. Alleine im Jahr 2017 konnte er bereits 70 auf See verstorbenen Menschen die letzte Würde erweisen. Unter den 70 angespülten Wasserleichen befanden sich viele Frauen und auch zwei Kinder im Alter von ca. 5 und 7 Jahren. Der Friedhof befindet sich auf Gemeindegebiet der Stadt, direkt neben einer öffentlichen Müllhalde. Das Material zum Abdecken der Gräber musste er mit dem eigenen PKW heranfahren, da der Boden für Gräber ungeeignet ist. Die Gräber bestehen nur aus diesen aufgeschütteten Hügeln, welche nur zum Teil mit Steinen ohne Beschriftung geschmückt sind.

„James Dean“, dessen Name für europäische Zungen schwer auszusprechen ist (Chamesddine), gab sich den bekannten Namen selbst, weil er ähnlich klingt. Er wünscht sich für die Zukunft eine Einfriedung der Gräber, Schatten spendende Bäume und eine kleine Gedenktafel oder -halle, damit dieser Friedhof mehr Würde erhält. Seine Motivation ist die reine Menschlichkeit. Er möchte für die Toten die Familie sein, die ihre Lieben auf dem Friedhof besuchen kommt, weil außer ihm niemand da ist.