Sea-Eye in Aktion: 960 Menschen gerettet

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Die Original-Einsatzberichte vom Sonntag und Montag:

26.06.2016 – Sonntag

02:15 Anruf MRCC Rom
Schlauchboot mit 130 Personen besetzt auf Position 33-05N 012-17E,
Engine is working, Boot auf Kurs 360 mit 4-5 knoten.

Wecken Skipper und Maschinist durch Wachführer

02:35 Maschine an und Kurs auf Position unter Berücksichtigung des
Kurses und Geschwindigkeit des Schlauchbootes

03:20 Funkspruch mit Dignity1 – neue Position des Schlauchbootes

04:10 Funkspruch mit span. Kriegsschiff – erneut neue Pos.des Schlauchbootes – nun auf 33-05N 012-22E
05:40 MRCC Rom – EventNr. 699 neue Pos. Schlauchboot – neuer Kurs 146

Langsam wundern wir uns über die vielen Positionsänderungen.
Sicht ist sehr schlecht – Sonne geht auf und es ist extrem diesig. Seit
2 Stunden ist Ausguck mit drei Personen permament besetzt

05:51 Sichtung Schlauchboot an Steuerbord

Charlotti (das Beiboot von Sea-Eye – d. Red.) wird zu Wasser gelassen und ein BigPack Schwimmwesten aufgeladen

06:00 MRCC Rom verständigt – Bergung durch italienischs Kriegsschiff
zugesagt

Auf Schlauchboot sind auch 2 Kinder, keine Verletzten
Boot wird weiter mit Schwimmwesten versorgt

An Deck werden BigPacks aus Laderaum an Deck gebracht

06:25 SICHTUNG 2. Boot

Noch war auf der Brücke noch nicht klar, dass die kleinen Echos auf dem
Radar, alles Schlauchboote waren und was an diesem Tag noch auf uns
zukommen sollte.

Das erste Boot war versorgt. Es folgte nun das Austeilen der
Rettungswesten an Boot 2.

Zusätzlich wurde Trinkwasser ausgegeben.

Sichtung Boot 3!

Weitere Hilfe war nicht vor Ort.

Auch dieses Boot wurde versorgt. Es hatte in einem Schlauch viel Luft
verloren.
Durch Charlotti wurde eine Rettingsinsel an das Schlauchboot gebracht,
um das Boot zu entlasten.
Die Rettungsinsel bekamen wir durch die Marine zurück.

Inzwischen war die ital. Marine vor Ort und konnte die Boote 1 und 2
abbergen.

Sichtung Boot 4!

Wir funken die Marine an und bitten um Rückgabe der Schwimmwesten um
Boot 4 versorgen zu können.

Sichtung Boot 5 und 6 !

Italienische Marine und Sea-Eye arbeiten Hand in Hand. Schwimmwesten
werden schnell zurückgebracht und sofort durch Sea-Eye an die Boote 5
und 6 ausgeben.

Um 12:35 Uhr – also 10 Stunden nach Alarmierung durch MRCC Rom ist die
Aktion für M6 beendet. Nun beginnt das große Aufräumen.

Schwimmwesten werden nach und nach zurückgebracht. Die Italienischen
Soldaten sind sehr kooperativ und guter Laune (vielleicht auch weil Tobi
ihnen statt der erbetenen 3 Zigaretten eine ganze Schachtel geschenkt
hat 🙂

Stimmung auf der Sea-Eye ist gut, wenngleich alle sehr müde sind.

Als wir unsere letzten Schwimmwesten zurück bekommen, nehmen wir sofort
Kurs auf Nord, um die 12nm Zone der libyschen Küste zu verlassen. In
diese wurden wir während der Aktion getrieben. Dank der Marine aber kein
Problem.

Wir verabreden uns mit der Sea-Watch, die in der Nähe ebenfalls eine
Rettungsaktion durchgeführt hat. Es gibt kurze Visiten auf den jeweils
anderen Booten. Stimmung ist sehr gut. Schiff an Schiff geht es Richtung
24nm-Zone

Um 20:00 werden schließlich die Maschinen gestoppt.

Fazit: Die Sea-Eye Mission 6 hat an ihrem ersten Einsatztag 6 
Schlauchboote versorgt und dabei 700 Menschen gerettet! 

Montag, 27.6.2016

Um 2.43 Funkspruch von SeaWatch2 – sollen parallel zu ihm fahren – Kurs
150 – Skipper geweckt

Maschine an – Fahrt aufgenommen

5:30 SeaWatch2 sichtet Holzboot mit ca 370 Personen; daneben ein
Schlauchboot.

Zusammenarbeit klappt hervorragend. SeaWatch2 versorgt Holzboot und
bittet uns, das Schlauchboot vom Holzboot fernzuhalten, da Personen
versuchen überzusteigen. Es kommt dabei zu brenzliger Situation.

Crew von Charlotti gelingt es das Schlauchboot vom Holzboot
wegzuschieben und mit Rettungswesten zu versorgen.

Sichtung weiteres Schlauchboot durch Brücke am Horizont. Inzwischen ist
ein irisches Marineschiff und die Coastguard vor Ort und beginnt mit der
Abbergung der Boote.

Sea-Eye nimmt Kurs auf 2. Schlauchboot am Horizont. Charlotti fährt vor.

Das Schlauchboot hat noch Fahrt. Crew von Charlotti dirigiert das Boot
in Richtung Sea-Eye. Das funktioniert sehr gut. Als der Abstand
ausreichend war, wurde der Motor des Schlauchbootes gestoppt und mit der
Übergabe der Schwimmwesten konnte begonnen werden. Das Boot war schnell
versorgt. Alles verlief reibungslos.

Fazit:

Heute in Zusammenarbeit mit Sea-Watch2 850 Menschen gerettet. 

Davon alleine durch die Sea-Eye ca. 230.

Zusammen mit den 700 vom Vortag war die M6 somit an den ersten beiden 
Einsatztagen an der Rettung von 930 Menschenleben maßgeblich beteiligt. 

Kapitän Markus Neumann and Crew