Seefuchs: Notfahrt nach Lampedusa

 

Bericht von Kapitän Hans Ries

Samstag 20.05.2017: Nachdem wir 168 Geflüchtete von dem Holzboot und Schlauchboot aufgenommen hatten, wurde das Schlauchboot markiert und zerstört. Das Holzboot konnte wegen des starken Seegangs und der starken Drift nicht mehr zerstört werden. Nach Abschluss der Aktion, haben wir die Sun Discover entlassen, die uns während der Rettung Windschutz gegeben hat. Nach Anweisung von MRCC Rom sollten wir einen Treffpunkt ansteuern, um die Flüchtlinge an die Küstenwache zu übergeben. Nach Anweisung von MRCC Rom wurde dies jedoch storniert und uns der Tanker Signal Puma entgegengeschickt. Um 20:00 Uhr beginnt die Evakuierung auf die Signal Puma. Dafür musste die Seefuchs längsseit gehen. Es konnten 61 Flüchtlinge über die Jakobsleiter evakuiert werden. Wegen des zunehmenden Seegangs wurde die Aktion vorzeitig abgebrochen. Es entstand auf der Seefuchs erheblicher Blechschaden auf dem Steuerbord-Vorschiff.

Anschließend nahmen wir im Windschatten des Tanker Kurs auf Lampedusa. Wir hatten an den noch an Bord befindlichen Personen zwei Schwerkranke, die ärztlicher Hilfe bedurften.

21.05.2017, 00:03 Uhr. Von einem italienischen Kriegsschiff kommt ein Ärzteteam an Bord und evakuiert die zwei Personen auf das Kriegsschiff

Die verblieben über 100 Flüchtlinge an Bord wurden von uns mit Wärmedecken, Tee und Nahrung (Reis) versorgt. Es gestaltete sich äußerst schwierig, bei Windstärke 7 – 8 und schweren Seegang die Flüchtenden vor Unterkühlung und Nässe zu schützten. Bei Ankunft um 18:40 Uhr in Lampedusa war die Verfassung der an Bord genommen Menschen äußerst schlecht.