Was geschah mit der „Speedy“?

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Am Freitag, 9. September befand sich unserer Schnellboot „Speedy“ auf Patrouillenfahrt vor der libyschen Küste, als sich plötzlich ein Boot mit bewaffneter Besatzung mit hoher Geschwindigkeit näherte. Es sollte sich später als Boot der libyschen Küstenwache herausstellen.

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Letzte übermittelte Position der „Speedy“

Die Libyer zwangen unsere beiden Mitglieder Dittmar Kania und Michael Herbke zum Beidrehen. Die beiden wurden voneinander getrennt und die „Speedy“ gezwungen, zusammen mit dem Militärboot den Hafen von az-Zawiyya anzulaufen. Von dort stammt auch das letzte Funksignal, das wir von dem Schiff erhalten haben.

Die libyschen Behörden erklärten gegenüber der einheimischen Presse, dass „Speedy“ die libyschen Hoheitsgewässer ohne Erlaubnis befahren habe.

Die beiden Sea-Eye-Männer – erfahrene Seeleute – widersprechen dem energisch. Sie befanden sich außerhalb der 12-Meilen-Zone. Dies wird auch von den Besatzungen anderer europäischer Rettungsorganisationen, die sich in Sichtweite des Geschehens befanden, bestätigt. Schließlich wurden unsere Männer mit Waffengewalt gezwungen, die libysche Küste anzufahren.

Gegenüber den Medien behauptete die libysche Küstenwache später, unsere beiden Mitarbeiter hätten zugegeben, an Bord der „Speedy“ eingeschlafen zu sein. Das ist nicht nur grundfalsch, sondern steht auch im krassen Widerspruch zur ursprünglichen Behauptung der Libyer, „Speedy“ habe zu fliehen versucht. Schlafend zu flüchten, ist schlechterdings nicht möglich…

Es handelt sich eindeutig um eine widerrechtliche Kaperung unseres Rettungsbootes und seiner Besatzung!

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Dr. Christian Buck, Deutschlands Botschafter in Libyen

Nach dem Bekanntwerden der Entführung der „Speedy“ richteten sich unsere gesamten Anstrengungen darauf, die beiden Männer schnellstmöglich frei zu bekommen. Dazu gehörte auch, dass wir darauf verzichteten, uns zu den Berichten in der libyschen Presse zu äußern. Nichts sollte die Bemühungen zur Freilassung unserer beiden Mitstreiter gefährden. Der Verbleib des Bootes erschien uns zu diesem Zeitpunkt zweitrangig. Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Libyen (z.Z. mit Sitz in Tunesien) kümmerten sich fast rund um die Uhr um die beiden Sea-Eye-Mitarbeiter. Insbesondere dem unermüdlichen Einsatz des deutschen Botschafters Dr. Christian Buck ist es zu verdanken, dass unsere Leute schließlich am Montagabend frei kamen.

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Der Tender „Werra“ der Bundesmarine

Dank gebührt auch der Bundesmarine, die dafür sorgte, dass der Tender „Werra“  sich vor der libyschen Küste bereit hielt, um Dittmar Kania und Michael Herbke zu evakuieren. Die „Werra“ brachte unsere beiden Männer schließlich zum Mutterschiff Sea-Eye. Ende einer Odyssee!

Unsere Bemühungen richten sich jetzt auf die schnelle Rückführung der „Speedy“. Der Verlust dieses Bootes ist nicht nur ein herber finanzieller Rückschlag (rund 110.000 Euro) für den Sea-Eye e.V.,  sondern auch eine massive Einschränkung unserer Rettungsarbeiten. Letztlich schadet die Beschlagnahme auch den Flüchtenden, denen so die dringend benötige Hilfe bei der Seenotrettung entzogen wird.