Brief an die Freunde von Sea-Eye

Liebe Mitglieder, liebe Freunde, Spender und Unterstützer!

Prof. Dr. Tilmann Mischkowsky, Vorsitzender von Sea-Eye e.V.

Der Jahreswechsel ist ein angemessener Anlass, sich über Grundsätzliches unseren Handelns Gedanken zu machen. Ich halte mich ja bekanntermaßen mit öffentlichen Stellungnahmen zurück, will aber jetzt eine Ausnahme machen. Im Folgenden wird klar werden, dass es sich nicht um einen klassischen Newsletter handelt, sondern eher um einen Oldsletter.

Wir alle sind leidenschaftliche Europäer. Die europäischen Grundüberzeugungen prägen uns,  sie basieren auf zum Teil uralten Wertüberzeugungen die das christlich abendländische Selbstverständnis ausmachen. Die Bergpredigt, das römische Rechtsverständnis, die Französische Revolution, die Paulskirche in Frankfurt 1848, die Bismarck‘sche Sozialgesetzgebung sind nur einige wenige der Pfeiler zu unserem heutigen Verständnis von Europa. Zwei verheerende Weltkriege und deren Folgen haben besonders uns Deutsche motiviert, fest an die europäische Zukunft zu glauben und dafür zu arbeiten. Wir und unsere Eltern haben am Holocaust erleben müssen, was in der Welt geschehen kann, wenn Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit versagen.

Nun erleben wir, dass – nur 80 Jahre nach dem Holocaust – wieder etwas Entsetzliches geschieht, – und das gerade vor unserer eigenen Haustür. Und wir erleben mit Schrecken, dass der weltpolitische, auch der europäische politische  Aufschrei ausbleibt. Das politische Europa bleibt stumm, duckt sich weg und verrät damit ganz offensichtlich die eigenen Werte. Europa tritt sich selbst mit Füßen. Das wollen und dürfen wir nicht ertragen, dem müssen wir widerstehen.

Wir, die NGOs müssen einspringen für politische europäische Defizite, die ebenso offensichtlich, wie unerträglich sind. Es geht nicht nur um die Missachtung nationaler und internationaler Gesetze und Verpflichtungen, sondern besonders um die grobe Missachtung europäischer Grundwerte. Das ist der Ansatz, aus dem wir gehandelt haben und dem wir uns auch für die Zukunft verpflichtet fühlen. Wir versuchen in unserem humanitären Einsatz schwerwiegende politische Fehler – jedenfalls zum Teil – zu kompensieren. Das ist eine große Aufgabe, die uns zum Teil bis an die Grenzen unserer Belastbarkeit fordert. Aber sie ist jedes Opfer wert!

Lassen Sie uns mit Mut, Entschlossenheit und hoffentlich Fortune diesen Weg weitergehen. Wir haben in den letzten Wochen zum Glück erfahren, dass wir in Ämtern, auch im Auswärtigen Amt und in anderen offiziellen Stellen durchaus Unterstützung erfahren, – wir sind  nicht allein. 

Mit Ihrer Aller Hilfe werden wir den beschrittenen Weg fortsetzen, – es ist unsere Pflicht als Christen und als Europäer. Sie Alle haben uns in den letzten Jahren mit  Ihrem Wohlwollen,  Ihrer Opferbereitschaft, Ihrer Mitarbeit und auch mit Ihrem Geld geholfen, unsere Arbeit erfolgreich fortzusetzen. Wir hoffen inständig auf weitere Unterstützung, – die kommenden Monate werden mit der Betreibung unserer beiden neuen Schiffe wirtschaftlich extrem schwierig.

Wir lassen uns nicht unterkriegen! 

Ich wünsche uns allen ein gesegnetes neues Jahr und Erfolg bei unserer überaus schwierigen Aufgabe, die wir Europa schulden! Unsere Werteskala muss sichtbar bleiben!

Mit herzlichem und freundlichem Gruß!
Ihr / Euer Prof. Dr. Tilman Mischkowsky     


 


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