Die Zukunft der MS Sea-Eye

Foto: Erik Marquardt

Der Vorstand von Sea-Eye e.V. hatte vor etwa drei Wochen beschlossen, dass wir uns – wirklich schweren Herzens – entschlossen haben, nur noch ein Schiff zur Seenotrettung einzusetzen. Die Begründung war einfach und zwingend, – wir hatten weder genug Geld noch genug Personal, um weiter zwei Schiffe zu betreiben. Besonders entscheidend war die nicht ausreichende Zahl von Kapitänen und Maschinisten.

Beschlossen wurde, allein die Seefuchs weiter zu betreiben, da sie in jeder Hinsicht das geeignetere Schiff ist. Seit dieser Beschlussfassung bemühen wir uns, für die Sea-Eye eine Unterbringung zu finden, die mehreren Bedingungen möglichst vollständig genügt:

  • die Sea-Eye sollte ein echtes Backup-Schiff bleiben, sollte also sowohl technisch als auch von der allgemeinen Einsatzbereitschaft erhalten bleiben
  • die Einsatzbereitschaft sollte im Ernstfall sehr kurzfristig wiederhergestellt sein
  • sie sollte möglichst nicht in Italien stationiert sein, um politische Willkür möglichst auszuschließen
  • schließlich sollte der Liegeplatz bezahlbar sein, die Liegeplatzgebühr in Valletta beträgt 175 € pro Tag

Erste Wahl war natürlich Gozo, dort ist es uns jedoch – trotz allen Bemühens – nicht gelungen, einen Liegeplatz während der Sommersaison zu bekommen. Wir, und daran waren viele beteiligt, haben dann rund ums Mittelmeer nach einem geeigneten Liegeplatz gesucht, zunächst leider völlig vergeblich. Dann bekamen wir durch die Vermittlung von Frank Scholz Kontakt zu einer großen Marina in Hammamet in Tunesien, mit der wir schließlich erfolgreich einen Liegeplatz zu einem akzeptablen Preis verhandeln konnten. Um die Einreise in Tunesien zu ermöglichen, musste zum Beispiel die gesamte medizinische Ausstattung von Bord genommen werden. Das ist aber natürlich leicht reversibel. Am 15. und 16. Mai wurde dann die Sea-Eye mit kleinster Besatzung (u.a. Markus Neumann und Frank Scholz) in die tunesische Marina verlegt. Einzelheiten der dortigen Versorgung werden im Detail noch ausgehandelt.

Zusammenfassend: Die Sea-Eye wird aus den oben genannten Gründen temporär aus dem Verkehr gezogen. Sie ist, sollten sich die wirtschaftlichen und personellen Möglichkeiten verbessern, jederzeit und in kurzer Zeit reaktivierbar. Bis dahin gilt sie als Reserveschiff für die Seefuchs, falls diese aus irgendwelchen technischen oder politischen Gründen für die Rettung ausfallen sollte. Ich danke allen sehr, die an diesem letztlich dann doch erfolgreichen Unternehmen beteiligt waren.


 


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