Dringender Appell an das MRCC

In einem Schreiben an das MRCC in Rom appelliert der Vorsitzende von Sea-Eye, Prof. Dr. Tilman Mischkowsky, die Grundsätze der humanitären Nothilfe einzuhalten und kritisiert das zögerliche Verhalten der italienischen Behörde in den letzten dramatischen Tagen:

Mr. Vice Admiral Giovanni Pettorino, Mr. Cpt Andrea Tassaro; Dear Sirs of MRCC!

In meinem heutigen Schreiben an Sie beziehe ich mich auf mein Schreiben an Sie vom 14. 05.18. 

Ich hatte Sie in dem zitierten Schreiben ausführlich und präzise über die Möglichkeiten informiert, die wir bei der Flüchtlingsrettung mit unseren Schiffen und unserer Crews haben. Ich hatte in dem Schreiben ebenfalls erwähnt, dass wir auf eine erfolgreiche Kooperation hoffen und dass auch Sie sich der Verantwortung auch gegenüber uns und unserem Schiff bewusst sind. Die Ereignisse der letzten Tage lassen erhebliche Zweifel an Ihrer Bereitschaft aufkommen, uns in einer immens schwierigen Situation zu helfen und uns zu unterstützen.

Die katastrophale Überladung unseres Schiffes mit zunächst 138 Personen, dann immer noch mit 114 Flüchtlingen war eine völlig unzumutbare Belastung für alle Beteiligten. Die Gefährdung für unsere Crew und für die Flüchtlinge war immanent, bei dem angekündigten Wetterwechsel wäre der Totalverlust des Schiffes und aller Menschen an Bord zu befürchten. Die Abbergung  von 24 Personen durch die Italienische Coastgard war eine kleine Hilfe, das eigentliche Problem bestand jedoch unvermindert weiter. Wir haben in dieser Phase in Sichtweite zwei große Schiffe sehen können, die offensichtlich von Ihnen nicht aufgefordert waren, uns zu unterstützen. Alle diese Vorgänge in der kritischen Phase sind selbstverständlich minutiös dokumentiert.

Ich unterstelle nicht, dass Sie unser Leben und das der Flüchtlinge bewusst gefährden. Aber ich konstatiere, dass Sie meine Feststellung in meinem Schreiben vom 14.5.2018 offensichtlich nicht ernst genommen haben. Dadurch ist es vermutlich bedingt, dass Sie die Gefahr für unser Leib und Leben offensichtlich nicht realistisch eingeschätzt haben und die notwendige Unterstützung ausblieb.

Es besteht dringlicher Gesprächsbedarf, wir bitten Sie um einen Termin in allernächster Zeit, zu dem wir Sie in Rom sprechen können. Die Zeit drängt, unsere nächste Mission wird in zwei Tagen in Valletta starten.


 


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