“Alan Kurdi” setzt Kurs auf libysche Rettungszone

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Die “Alan Kurdi” ist derzeit das einzig verbliebene Schiff einer Hilfsorganisation (Foto: Fabian Heinz/sea-eye.org).

Erneutes Schiffsunglück verdeutlicht die Notwendigkeit der Seenotrettung – Europäische Mission EUNAVFOR MED Operation SOPHIA endet

Regensburg, Palma de Mallorca – Am Donnerstagnachmittag hat die “Alan Kurdi” den Hafen von Palma de Mallorca verlassen. Der Hamburger Kapitän Werner Czerwinski (59) führt das Schiff in seinen dritten Einsatz. “Richtige Seeleute interessiert weder die Hautfarbe noch die Religion. Ich will einfach helfen. Wenn im Hamburger Hauptbahnhof jemand am Boden liegt, reiche ich ihm ja auch die Hand.“ sagt Werner Czerwinski. Ziel des Sea-Eye-Schiffes sind die internationalen Gewässer vor den libyschen Küsten, die sogenannte libysche Rettungszone. An Bord des Schiffes befinden sich Crewmitglieder der Organisationen Sea-Eye e.V. und Proem Aid.

Die “Alan Kurdi” ist derzeit das einzige Schiff in diesem Gebiet des Mittelmeers, dass den eindeutigen Auftrag hat, auch die Menschenrechte jener Menschen zu schützen, die keinen europäischen Pass bei sich tragen. Wie wichtig das ist zeigt ein Schiffsunglück am Dienstag. Neben einem Baby, dass nur noch leblos aus dem Wasser geborgen werden konnte, ertranken weitere 28 Menschen oder werden bis heute vermisst. Zwar gelang es dem italienischen Rettungsschiff “Mare Jonio” noch am Montag 49 Menschen vor dem Ertrinken zu retten, doch die italienische Regierung ordnete unmittelbar nach dem Eintreffen des Schiffes auf Lampedusa die Beschlagnahmung an. “Wir haben keine Angst vor einer Beschlagnahmung unseres Schiffes, denn die Alan Kurdi trägt die Bundesflagge. Wir vertrauen weiter auf die Unterstützung unseres Flaggenstaates, bei politisch ausgerichteten Auseinandersetzungen mit uns, so wie es auch im Dezember der Fall war.” sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V. Das Auswärtige Amt unterstützte die Organisation im Januar, als Malta sich weigerte 17 Geretteten einen sicheren Hafen zu bieten. “Wir werden die deutschen Behörden, genau wie die Öffentlichkeit, aktiv über jedes Ereignis im Einsatzgebiet informieren”, so Isler weiter.

Mit dem voraussichtlichen Ende der EUNAVFOR MED Operation SOPHIA am 31.03.2019 ist die “Alan Kurdi” das letzte europäische Schiff in diesem Gebiet des Mittelmeeres, auf dem sich trainierte Rettungskräfte befinden. Europäische Handelsschiffe meiden das Seegebiet zunehmend, da auch sie bereits von Italien blockiert worden sind. Das Sea-Eye-Schiff wird das Einsatzgebiet voraussichtlich am Dienstag erreichen und seine Beobachtungsmission starten. Dazu befindet sich auch ein Menschenrechtsbeobachter an Bord, der seine Arbeit anschließend auswerten und veröffentlichen wird.

Ob die “Alan Kurdi” tatsächlich Menschen helfen können wird ist ungewiß. Zu groß ist das Einsatzgebiet, dass zu Zeiten der italienischen Marineoperation “Mare Nostrum” regelmäßig von 6 Schiffen abgesucht worden ist. Zu diesem Zeitpunkt wurden von Italien 26 Schiffe eingesetzt, um möglichst viele Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Doch “Mare Nostrum” folgten ausschließlich europäische Marine Operationen mit dem Mandat des Grenzschutzes und der Bekämpfung des Menschenhandels.  Gerettet wurde trotzdem. Doch auch damit ist nun Schluss. Italien entsendete die SOPHIA-Schiffe zuletzt in die entlegensten Mittelmeerwinkel. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nahm diese destruktive, italienische Politik zum Anlass die deutsche Fregatte “Augsburg” abzuziehen. Die deutschen Soldaten seien dort seit Monaten “ohne eine sinnvolle Aufgabe” gewesen. Dort gab es keine Schleuser zu bekämpfen, keine zu rettenden Menschen aber wenigstens gibt es nun dichte, blaue Außengrenzen. Unterdessen fanden allein in diesem Jahr mehr als 300 Menschen den Tod, oder werden noch vermisst.

“Der Preis für diese bizarre Politik wird genau von jenen Menschen mit dem Leben bezahlt, gegen die sie sich unmittelbar richtet. Gestorben wird auf dem Mittelmeer, in libyschen Internierungslagern oder in der Wüste, denn Europa hat den flüchtenden Menschen selbst zu Fluchtursache erklärt und seine Politiker halten nun Wort mit dessen direkter Bekämpfung.” sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V.


 


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