Erfolgreicher Einsatz der Sea-Eye rettet 164 Menschen das Leben

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Bereits um 05.00 Uhr morgens lässt der Meßkircher Schiffsführer Thomas Nuding die Motoren starten. Er steuert einen 60 Jahre alten Fischkutter, den der Regensburger Verein Sea-Eye e.V. in 2016 zu einem Rettungsschiff umgerüstet hat. Sein Schiff befindet sich auf hoher See im Zentralen Mittelmeer. Er beginnt seine Suchfahrt ca. 30 nautische Meilen von der libyschen Küste entfernt. Es ist nicht der erste Einsatz des Unternehmers, der sich in 2017 bereits an der Rettung von vielen hundert Menschen beteiligte.

Um 09.15 Uhr klingelt das Telefon auf der Brücke. Die italienische Rettungsleitstelle MRCC Rom kontaktiert die Sea-Eye und bittet um Unterstützung bei der Suche eines Schlauchbootes, das zuvor von einem Suchflugzeug der europäischen Marine-Operation Sophia gesichtet worden ist. Die Italiener melden dem Skipper die letzte bekannte Position. Thomas Nuding weiß, dass es jetzt um jede Stunde geht. Das Gummiboot soll mehr als 150 Menschen beherbergen und befindet sich schutzlos in der denkbar lebensfeindlichsten Umgebung. Nuding nimmt Kurs auf die letzte bekannte Position und macht seine Crew einsatzbereit. Das Gummiboot soll sich mit 4 KN nördlich bewegen. Abhängig von Wind und Wetter macht das die Suche schwieriger, denn die See ist an diesem Tag rau, und das Suchgebiet kann sich von Stunde zu Stunde vergrößern.

Um 10:30 Uhr dann teilt das Suchflugzeug aktuelle Koordinaten mit. Der Suchradius verkleinert sich, so dass die Crew um 11 Uhr zum ersten Mal Sichtkontakt zum Gummiboot hat. Zunächst versucht das Gummiboot zu flüchten, denn die Sea-Eye nährt sich von Süden. Die Menschen befürchten, dass es sich bei dem sich nähernden Schiff um die libysche Küstenwache handelt. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Das Rettungsboot wird ausgekrant, Rettungswesten werden in großen Paketen bereitgestellt, Trinkwasser wird herangeschleppt. Die dreiköpfige Crew des Rettungsbootes macht sich auf dem Weg zu den Menschen, die sich in aktuer Lebensgefahr befinden. Der Skipper hält Distanz zu dem Flüchtlingsboot. Er will nicht riskieren, dass Panik auf dem eng besetzten Boot ausbricht und hält den Funkkontakt mit seinem Rettungsboot Charlotti 2. Die Crew des Rettungsbootes nimmt den ersten Kontakt mit den fliehenden Menschen auf. Zunächst wird der Motor ausgeschaltet, um das Gefahrenpotential zu senken. Den Menschen werden Rettungswesten übergeben. So kann niemand mehr ertrinken, der ins Wasser fällt. Viele können nicht schwimmen. An Bord sind Frauen, Männer und Kinder. Sogar zwei Kleinkinder wurden hier von den libyschen Schleppern aufs offene Meer entsandt. Niemand ist verletzt, niemand muss an Bord der Sea-Eye genommen werden, um medizinisch versorgt zu werden.

Der Schiffsführer teilt der Crew des Rettungsbootes mit, dass die Italiener die Aquarius von SOS Mediterranee schicken, um die Flüchtlinge an Bord zu nehmen, um sie an einen sicheren Ort zu bringen. Denn so schreibt es das Gesetz vor.

Ein Marine-Hubschrauber trifft ein und beobachtet die Rettungsaktion. Der Pilot des Hubschraubers bestimmt Skipper Thomas Nuding zum sogenannten OSC (On Scene Coordinator). Damit trägt der Skipper die Verantwortung für 164 Menschen, von denen 53 Menschen minderjährig sind, wie es später die deutsch-französische NGO SOS Mediterranee mitteilt.

Von den Menschen auf dem Gummiboot erfährt die Crew, dass sie morgens, allein gegen 4.30 Uhr in der Nähe der Hauptstadt Tripolis gestartet seien. Um 13 Uhr trifft schließlich die Aquarius ein und beginnt mit der Bergung der Menschen. Zwei Stunden später wird das leere Gummiboot zerstört, um nicht erneut zu einem lebensgefährlichen Einsatz verwendet zu werden.

Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler: „Unsere Crew ist erleichtert und glücklich, so vielen Menschen geholfen zu haben. Uns zeigt es, dass es richtig und notwendig ist vor Ort zu sein und unsere Rettungsschiffe vorzuhalten. Was uns jedoch fehlt sind noch mehr Menschen, die unser Anliegen zu ihrer Angelegenheit erklären. So ist das Interesse an der Situation der Betroffenen deutlich zurückgegangen. Einige NGOs mussten ihre lebensrettenden Missionen einstellen und auch wir müssen um jede Spende ringen, uns erklären und kriminalisierende Argumente entkräften. Wir sind alle am Limit, doch wir kämpfen weiter für unsere Einstellung, dass wir auch für nur einen einzigen Menschen da rausfahren würden, der sich in Lebensgefahr befindet, ganz gleich aus welchem Grund er sich in Lebensgefahr begeben hat. Denn um ein Anspruch auf Rettung zu haben, reicht es aus Mensch zu sein.“


 


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