“Alan Kurdi” sucht einen sicheren Hafen

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Der 6 Jahre alte Manuel in den Armen seiner Mutter auf der Krankenstation der “Alan Kurdi”. Die Familie hat eine zweimonatige Fluchtgeschichte und stammt aus dem Benin. (Foto: Fabian Heinz/sea-eye.org)

64 Geretteten und 17 Crewmitglieder droht Odyssee auf dem Mittelmeer

  • 64 Menschen, darunter 12 Frauen, ein Kind und ein Baby wurden in den internationalen Gewässern vor Libyen gerettet
  • Libysche Küstenwache reagiert weder auf Emails, noch auf Anrufe
  • “Alan Kurdi” auf der Suche nach einem sicheren Hafen
  • Malta verweist auf die Verantwortung näher gelegener Hafenstädte
  • Geretteten und Besatzung der Alan Kurdi droht Odyssee auf dem Mittelmeer

Regensburg, Berlin, Tripolis, Rom, Valletta – Am Mittwoch rettete die Crew der “Alan Kurdi” 64 Menschen aus einem manövrierunfähigen Schlauchboot. Der Notruf wurde von “Watch the Med – Alarmphone” an die Libysche Küstenwache und die “Alan Kurdi” weitergeleitet. Zu diesem Zeitpunkt suchte das deutsche Schiff nach einem Schlauchboot mit 51 Personen, die bereits seit Montag vermisst werden. Im Moment des Notrufes war das Sea-Eye-Schiff nur eine Stunde von den von Alarmphone mitgeteilten Koordinaten entfernt. Entsprechend der internationalen Gesetze setzte der Hamburger Kapitän Werner Czerwinski sofort einen Kurs auf die ihm genannten Koordinaten. “Aus eigener Kraft hätte das Schlauchboot keinen sicheren Ort mehr erreichen können, daher entschieden wir es unverzüglich zu evakuieren.” Sagt Jan Ribbeck, Einsatzleiter für Sea-Eye e.V. An Bord der Alan Kurdi befinden sich nun 64 Gerettete, darunter 12 Frauen und zwei Kinder. Eine Frau ist schwanger. “Diesen Menschen drohte das gleiche Schicksal, wie jenen 50 Menschen, nach denen wir seit Montag erfolglos suchten. Denn hier in der SAR Zone sucht scheinbar niemand mehr aktiv nach Menschen in Seenot.” so Ribbeck weiter. Sie stammen aus sechs verschiedenen Ländern, größtenteils aus Nigeria.

Sea-Eye wurde bereits im Januar rechtskonformes Handeln durch die Bundesregierung attestiert. So haben Schiff und Einsatzleitung die Libysche Küstenwache, als auch alle anderen Rettungsleitstellen in Rom, Valletta und Bremen laufend über den Einsatzverlauf informiert. Aus Tripolis erhielt die “Alan Kurdi” jedoch bis heute keine Antwort. So fragte der Kapitän des Schiffes wiederholt nach einem sicheren Hafen. Telefonisch war in Tripolis niemand zu erreichen. Der seerechtlichen Verantwortung diesen Seenotfall zu koordinieren, kam die Libysche Küstenwache nicht nach. “Manche Politiker beschreiben uns Hilfsorganisationen gern als diejenigen, die nicht mit den Behörden kooperieren würden. Fakt ist aber, dass in Tripolis niemand unter acht verschiedenen Telefonnummern erreichbar war und das Emails nicht beantwortet wurden. Wie soll man mit jemandem kooperieren, der nicht kommuniziert?” fragt Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye e.V.

Die “Alan Kurdi” wurde deshalb von der Einsatzleitung angewiesen einen nördlichen Kurs zu setzen. Die Anfragen nach einem sicheren Hafen wurden bisher direkt nur von Malta abschlägig beantwortet. So seien andere Häfen vorrangig anzulaufen. Eine Antwort Italiens steht aus. Mittwochmittag setzte die “Alan Kurdi” daher einen Kurs in die Richtung der italienischen Insel Lampedusa. Die Einsatz- und Vereinsleitung ist seit der Rettung in engem Austausch mit dem Auswärtigen Amt. “Es ist leider so, dass unser Problem nur politisch gelöst werden kann. Grundsätzlich dürfte man über die Frage, wer, wann, wie und wo Menschenleben rettet garnicht diskutiert werden dürfte.” sagt Gorden Isler. Statt die Emailanfragen der Einsatzleitung zu beantworten, kommentierte lediglich der italienische Innenminister die missliche Situation der “Alan Kurdi”. “Wir haben sowohl bei den maltesischen, als auch bei den italienischen Behörden klargestellt, dass wir ihre territorialen Gewässer nicht ohne Erlaubnis befahren werden. Gleichwohl haben wir aber auch auf das bevorstehende Unwetter und den Verbrauch unserer begrenzten Vorräte hingewiesen.” sagt Isler weiter.

Der “Alan Kurdi” steht eine Odyssee unbekannter Dauer bevor. “Europa ist im Wahlkampf. Wir befürchten, dass unsere missliche Lage von einzelnen Entscheidungsträgern politisch instrumentalisiert werden könnte. Die Europäische Union muss eine Lösung finden, wie die Seenotrettung unabhängig von der politischen Stimmung in einzelnen Mitgliedsstaaten, verantwortungsbewusst und völkerrechtskonform weitergeführt werden kann. Eine der Lösungsmöglichkeiten könnte sein, die Arbeit der Hilfsorganisationen anzuerkennen zu fördern und deren Arbeit weder zu diffamieren, noch zu behindern.” sagt Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye e.V.

Sea-Eye unterstützt deshalb den offenen Brief von über 250 Organisationen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, vom 3. April 2019. Dem Tag, an dem ein deutsches Schiff, dass den Namen des ertrunkenen, syrischen Jungen Alan Kurdi trägt, insgesamt 64 Menschenleben rettete.


 


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