Roland Treinzen verlässt für immer die Brücke

Er rettete mit der „Minden“ mehr als 12.000 Menschenleben

Wilhelmshaven – Nur wenige Menschen kennen Roland Treinzen und wissen, was er möglich machte. 2016 brachte er zusammen mit Freiwilligen den ehemaligen Rettungskreuzer „Minden“ ins zentrale Mittelmeer. Roland überzeugte die Eignergemeinschaft der „Minden“, das Schiff für diesen Zweck schnell zur Verfügung zu stellen. Das Lifeboat „Minden“ rettete mehr als 12.000 Menschenleben in nur einem Jahr. Roland gab keine Interviews, suchte keine Kameras oder Microphone. Er wollte wirksam helfen und das tat er.

Es gibt nur eine Hand voll Europäer, die so sind wie Roland Treinzen. Als tausende Menschen im Mittelmeer ertranken, suchte er Verbündete, Helferinnen und Helfer. Mit den Eignern des ehemaligen Rettungskreuzers „Minden“ war er eng verbunden und fuhr selbst oft mit dem Schiff auf der Nordsee. Er sagte mir mal, dass er einfach keine Ausflüge mehr auf der Nordsee auf diesem Rettungsschiff machen konnte, während auf dem Mittelmeer Menschen zu Tausenden starben. Das Schiff wurde schließlich für diesen Zweck gebaut. Er verbündete sich mit Menschen, die zu diesem Zweck ausgebildet worden waren und startete zusammen mit Ihnen das Projekt „Lifeboat-Minden“.

Roland und ich haben uns im November 2016 auf der Minden kennengelernt. Es lag in Valletta. Ich wurde auf meinen ersten Rettungseinsatz vorbereitet und es hieß: „diesmal fährt Roland mit“. „Er sei nicht einfach,“ hieß es weiter. Was das wohl für ein Mensch ist, der so sein Schiff besorgt und eigene Mittel einsetzt, um Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten? Ich kenne bis heute nur Wenige, die dazu fähig und willens waren. Er war nicht einfach nur einer von uns seenotrettenden Anwälten, Metzgermeistern und Versicherungskaufleuten. Er war einer von ihnen. Einer von diesen Verrückten, die nicht nur richtig, schnell und klar denken konnten, sondern auch so handelten.

Wir verbrachten gemeinsam schwere Stunden auf der „Minden“. Wenn wir nicht gerade Menschen aus dem Wasser zogen und sie auf dem Schiff versorgten, dann redeten wir. Über das, was wir gerade gemeinsam erlebten aber eben auch über ihn. Er erzählte mir von seinem Leben. Wie er allein mit einem selbst gebauten Boot über den Atlantik segelte und anschließend seinen sicheren Job als Lehrer kündigte. Wie er Versicherungen verkaufte und dann seinen Versicherungsbetrieb. Wie er tatsächlich eine leibhaftige Sau durchs Dorf trieb, weil er Landwirt werden wollte. Wie er schließlich Krankenhäuser und Pflegeheime baute und warum er die „Minden“ in den Einsatz brachte. Er liebte dieses Schiff und das was es tat. Tatsächlich bewunderte er Sea-Eye und die Menschen, die sich dort engagierten. Nachdem Ende des Lifeboat-Projekt’s fuhr Roland als Skipper bei Sea-Eye. Es stimmt. Einfach war er nicht. Aber was bedeutet das schon?

Er war besonders mutig, weil er ein lebensrettendes Projekt selbst startete und selbst etwas riskierte. Er stieg auf nichts ein, er verursachte etwas und ließ sein eigenes Geld und das seiner Familie nicht auf der Sparkasse liegen. Er ermöglichte es Anderen, sich zu engagieren und etwas zu bewegen. Zu diesen Menschen gehörte auch ich.

Er hat mich inspiriert und sein Tod hat mich schwer getroffen. Hätte ich doch etwas mehr Zeit mit diesem Querdenker verbracht, er hatte noch so viele Ideen und wollte so viel bewegen. Lasst uns besser zuhören und Menschen wie Roland besser unterstützen, wann immer solche Persönlichkeiten aus der Menge hervortreten und etwas bewegen wollen.

Tschüss, mein lieber Freund
dein Gorden


 


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