Sea-Eye rettet 17 Menschenleben auf Hoher See

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Regensburg, Berlin, Valletta – Sea-Eye hat das ehemalige deutsche Forschungsschiff „Professor Albrecht Penck“ am 21. Dezember in seinen ersten Einsatz vor die libyschen Küsten entsandt. Am Samstagmorgen sichtete die Crew der „Professor“ ein überladenes Fischerboot auf Hoher See.

  • 17 Menschen, darunter eine Frau wurden am Samstagmorgen in internationalen Gewässern vor Libyen gerettet
  • zum Zeitpunkt der Rettung waren keine weiteren Einsatzkräfte vor Ort
  • Sea-Eye informierte die zuständigen Rettungsleitstellen
  • Libysche Küstenwache eskortierte die „Professor“ mehrere Stunden Richtung Norden und bedankte sich über Funk für die Rettung.

Am Samstagmorgen entdeckte die Wachcrew der „Professor“ ein überladenes Fischerboot mit 17 Personen. Umgehend wurden die italienische Seenotleitstelle in Rom und die deutsche Seenotleitstelle in Bremen informiert. Beide Leitstellen verwiesen auf die Zuständigkeit der Libyschen Navy Coast Guard, die daraufhin ebenfalls von der Sea-Eye-Crew informiert worden war.

„Die Übergabe der Geretteten an die Libysche Navy Coast Guard haben wir am Vormittag klar abgelehnt. Sie wäre nach den Genfer Flüchtlingskonventionen ein Verstoß gegen internationales Recht. Wir sind irritiert und enttäuscht, dass die Seenotleitstelle in Bremen weder mündlich noch schriftlich klarstellte, dass sie diese Auffassung teilt und uns stattdessen schlicht anwies den Aufforderungen der Libyer zu folgen.“

Jan Ribbeck – Head of Mission von Sea-Eye e.V.

Zeitgleich versorgten die Crews der Rettungsboote die Menschen auf dem zunehmend instabilen Holzboot mit Rettungswesten. Der gesundheitliche Zustand von zwei Personen war zu diesem Zeitpunkt bereits kritisch und die Stimmung an Bord des überbesetzten Bootes zunehmend unruhiger. Aus eigener Kraft hätte das Boot keinen sicheren Ort erreichen können. Weitere Hilfe war nicht in Sicht. Daher wurde das Boot evakuiert, um ein Unglück zu vermeiden. An Bord der „Professor“ wurden die Menschen medizinisch versorgt, erhielten Nahrung und Trinkwasser. Die Libysche Küstenwache benötigte schließlich mehr als 4 Stunden um am Einsatzort anzukommen. Über Funk erkundigte sich die libysche Küstenwache schließlich, ob die „Professor“ heute oder an den vergangenen Tagen weitere Sichtungen gemacht hätte. Zu diesem Zeitpunkt werden noch immer 72 Personen vermisst, die laut IMRCC Rom vor zwei Tagen östlich von Tripolis aufbrachen. Im Laufe des Samstag wird bekannt, dass auch von dort aus erneut zwei Gummiboote aufgebrochen seien. Zum Verbleib dieser Menschen gibt es aktuell keine Informationen.

Die Geretteten stammen aus sieben afrikanischen Nationen. Sie stammen aus Mali, Nigeria, Kamerun, dem Sudan, Sierra Leone, Elfenbeinküste und Guinea. Sie berichten der Crew von Folter, Menschenhandel und willkürlicher Gewalt. Der jüngste von ihnen ist gerade einmal 17 Jahre alt. Die 24 Jahre alte Nigerianerin Mercy muss auf der Krankenstation von der Bordärztin Nicole Grimske behandelt werden. Sie leidet unter schweren Erschöpfungserscheinungen und schläft genau wie die anderen Geretteten schnell ein.

Die „Professor“ fährt nun einen nordöstlichen Kurs, während die Sea-Watch 3 aus dem Norden her süd-westlich fährt. Es besteht die Hoffnung, die vom IMRCC Rom gemeldeten Schlauchboote zu finden. Inzwischen ist Sea-Eye auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Nach internationalem Recht muss das ein Ort sein, an dem den Geretteten keine weiteren Repressalien drohen und an dem sie Nahrung, Trinkwasser, medizinische Versorgung und ein Obdach erhalten.

„Bei der Suche nach einem sicheren Hafen setzen wir auf die Unterstützung des Auswärtigen Amtes. Unsere wiederholte Bitte an Tripolis, uns einen sicheren Hafen zu organisieren, blieb bisher unbeantwortet. Das wundert uns kaum. Zwar ist Libyen für diese SAR Zone von der internationalen Gemeinschaft verantwortlich gemacht worden, aber einen sicheren Hafen vermag die Behörde in Tripolis jedoch regelmäßig nicht zu benennen.“

Gorden Isler Sprecher von Sea-Eye e.V.


 


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