Sea-Eye-Schiff ‚Alan Kurdi‘ erreicht die libysche Rettungszone

Letztes Schiff einer Hilfsorganisation im Einsatz

Am Donnerstag erreichte die Alan Kurdi das Einsatzgebiet, die sogenannte Rettungszone in den internationalen Gewässern Libyen

  • Letztes Schiff einer Hilfsorganisation erreicht die libysche Rettungszone
  • Tunesische Küstenwache hält am Mittwoch Informationen über einen Seenotfall zurück
  • Italienischer Innenminister Matteo Salvini droht der ‚Alan Kurdi‘ in Sozialen Netzwerken und lobt am Mittwoch einen erfolgreichen „Push-Back“ der Libyschen Navy Coast Guard mit 120 Menschen
  • Erstmalige Zusammenarbeit mit spanischer Hilfsorganisation ProeM Aid

Regensburg, Palma de Mallorca – Am Donnerstag erreichte das letzte verbliebene Schiff einer Hilfsorganisation die libysche Rettungszone. Es ist der zweite Einsatz des neuen Sea-Eye-Schiffes unter deutscher Flagge, doch der erste Einsatz mit dem neuen Namen Alan Kurdi. Das Schiff verließ am Wochenende den Hafen von Palma de Mallorca. Die lange Anfahrt war alternativlos, weil Malta dem Schiff im Dezember die Einfahrt in den Hafen verweigerte.

Schon am Mittwoch passierte die Alan Kurdi die Insel Lampedusa und konnte dem Funkverkehr eines Flugzeugs mit der tunesischen Küstenwache folgen. Die Rede war eindeutig von einem Seenotfall. So sei nach einem „Rubberboat in Distress“ gesucht worden. Die Crew der Alan Kurdi bot Hilfe an, doch erhielt keine weiteren Informationen von der tunesischen Küstenwache. „Wir haben immer wieder versucht, Kontakt aufzunehmen. Man interessierte sich aber mehr für unsere Registrierung, unser Schiff und die Art unseres Einsatzes. Wir erhielten keine Informationen und konnten deshalb nicht helfen.“ sagt Dominik Reisinger, Einsatzleiter der Alan Kurdi.

Am gleichen Tag lobte der italienische Innenminister Matteo Salvini den erfolgreichen ‚Push-Back‘ von 120 geretteten Menschen, die von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht worden sind. „Es ist unwahrscheinlich, dass es sich um den gleichen Fall handelt, denn die tunesische Küstenwache operiert nicht so weit im Osten. Wir müssen in den kommenden Tagen versuchen herauszubekommen, was mit den Menschen geschehen ist, nach denen hier im Osten von Tripolis gesucht worden ist.“ so Reisinger weiter.

Unterdessen drohte der italienische Innenminister der Alan Kurdi offen in sozialen Netzwerken. „Diese Leute sollten wissen, daß sie mit ihrer Ladung illegaler Einwanderer nie ankommen werden.“ zwitschert Salvini am Dienstag. „Solch menschenverachtende Nebengeräusche skrupelloser Dauerwahlkämpfer haben auf unseren Einsatz keine Auswirkungen. Der italienische Innenminister ist weit weg, satt, warm und sicher an seinem Schreibtisch und schreibt davon, dass Menschen niemals ankommen werden. Das ist nur noch schwer zu unterbieten, aber er wird uns sicher überraschen“, sagt Gorden Isler, Pressesprecher von Sea-Eye e.V.

Die Besatzung der Alan Kurdi stammt insgesamt aus fünf Nationen. Die Einsatzkräfte werden erstmalig von zwei Hilfsorganisationen gestellt. Die spanische Hilfsorganisation stellt ingesamt vier professionelle Rettungskräfte. „Die Spanier ergänzen unser Team perfekt. Wir sind sehr glücklich über diese Zusammenarbeit und können noch viel voneinander lernen“, Dominik Reisinger.

Der Wetterbericht sagt der Crew des Schiffes schwere Tage voraus. Die Alan Kurdi ist auf sich allein gestellt. Es gibt keine staatlichen Kräfte vor Ort, die mit Hilfsorganisationen kooperieren. Alle anderen Schiffe ziviler Hilfsorganisationen werden grundlos in Häfen blockiert oder unter fadenscheinigen Gründen festgehalten. „Es ist die Suche nach der buchstäblichen Nadel im Heuhaufen. Wir hoffen dass sich bei den aktuellen Wetterprognosen keine Menschen auf Gummibooten in der libyschen SAR Zone befinden. Es wäre für solche Seelen reines Glück, wenn wir sie vorher finden würden.“ sagt Reisinger weiter.


 


Hier können Sie unsere Datenschutzerklärung lesen. Hier geht es zum Impressum