52 Menschen aus Seenot gerettet: Die SEA-EYE 5 im Einsatz
Zwei Rettungseinsätze, 52 gerettete Menschen undgleichzeitig wird sehr deutlich: Zivile Seenotrettung ist im zentralen Mittelmeer weiterhin unverzichtbar. Am vergangenen Wochenende konnte die Crew der SEA-EYE 5 insgesamt 52 Menschen aus Seenot retten und sicher an Land bringen. Gleichzeitig zeigte ein weiterer Seenotfall, wie schnell Menschen auf der Flucht der Gefahr eines Pullbacks nach Libyen ausgesetzt werden.
Es ist Samstag, als die SEA-EYE 5 einen Mayday-Ruf aus der libyschen Such- und Rettungszone (SAR-Zone) erreicht. Mit Unterstützung aus der Luft durch die Albatross von SOS MEDITERRANEE macht sich die Crew auf die Suche.
Schließlich entdeckt sie ein seeuntüchtiges Schlauchboot. An Bord: 20 Menschen, darunter fünf Frauen, eine von ihnen schwanger. Die Menschen sind bereits seit zwei Tagen auf dem Meer. Sie sind erschöpft und dehydriert.
Innerhalb einer Stunde gelingt es der Crew, alle 20 Menschen sicher an Bord der SEA-EYE 5 zu bringen. Unmittelbar danach beginnt die medizinische Versorgung.
Während des Einsatzes werden aus der Luft in der Nähe zwei Schiffe unbekannter libyscher Akteure gesichtet. Die Unterstützung aus der Luft durch die Albatross ist daher besonders wichtig, um die Situation im Einsatzgebiet beobachten zu können. Im zentralen Mittelmeer kommt es immer wieder zu gewaltsamen Rückführungen von Menschen auf der Flucht und zu gefährlichen Zwischenfällen mit zivilen Rettungsschiffen durch libysche Akteure.
Ein weiterer Notruf – und ein Boot, das nicht mehr erreicht werden kann
Kurz nach der ersten Rettung geht ein weiterer Notruf ein. Die zivile Rettungshotline Alarm Phone meldet ein Boot in Seenot, und die SEA-EYE 5 ändert ihren Kurs.
Doch als die Crew die gemeldete Position erreicht, ist das Boot bereits verschwunden. Unbekannte libysche Akteure haben die Menschen abgefangen und nach Libyen zurückgebracht.
Ein solcher Pullback ist keine Rettung. Menschen, die nach Libyen zurückgebracht werden, sind dort schwerer Gewalt, Misshandlungen und der Inhaftierung in Haftlagern ausgesetzt. Die Menschenrechtsverletzungen in Libyen sind vielfach dokumentiert.
Nur kurze Zeit später folgt ein weiterer Notruf. Gemeinsam mit der AMA der Organisation Sailidarity sucht die Crew die ganze Nacht nach dem gemeldeten Boot. Doch trotz der intensiven Suche kann es nicht gefunden werden. Schließlich muss der Einsatz abgebrochen werden.
Eine weitere Rettung: 32 Menschen sicher an Bord
Am Sonntag ist die SEA-EYE 5 auf dem Weg in den zugewiesenen sicheren Hafen Vibo Valentia, als die Crew ein weiteres weiteres seeuntüchtiges Schlauchboot mit 32 Menschen entdeckt.
Die Rettung beginnt am Sonntagmittag und innerhalb einer Stunde sind alle 32 Menschen sicher an Bord der SEA-EYE 5.
In der Nacht von Montag auf Dienstag können schließlich alle 52 Menschen in Vibo Valentia an Land gehen.
13 Jahre nach Lampedusa
Der erste Einsatz der SEA-EYE 5 an diesem Wochenende fand am 13. Jahrestag des Bootsunglücks vor Lampedusa statt. Am 3. Oktober 2013 starben dort 366 Menschen.
Dass zivile Rettungsschiffe auch 13 Jahre später noch auslaufen müssen, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren, zeigt, wie wenig sich an der grundlegenden Situation verändert hat.
Während die SEA-EYE 5 an diesem Wochenende 52 Menschen retten konnte, wurde ein anders Boot nach Libyen zurückgeführt. Für die Menschen an Bord bedeutet das die Rückkehr in eine Situation, in der ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.
„13 Jahre nach dem Bootsunglück vor Lampedusa müssen zivile Rettungsschiffe noch immer auslaufen, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Dieses Wochenende konnten 52 Menschen sicher an Bord gebracht werden. Gleichzeitig zeigt der gescheiterte Rettungseinsatz erneut, welche Folgen das europäische Versagen bei der Seenotrettung und die Zusammenarbeit mit der sogenannten libyschen Küstenwache haben.“
Anna di Bari, geschäftsführende Vorständin von Sea-Eye e. V.
Für die medizinische Versorgung der geretteten Menschen an Bord kooperiert Sea-Eye seit Mitte 2021 mit den German Doctors. Die aktuelle Rotation der SEA-EYE 5 wird durch unseren Bündnispartner United4Rescue unterstützt.
