Italienisches Versorgungsschiff verweigert die Rettung von 82 Menschen

  • ALAN KURDI rettet 68 Menschen am Montagvormittag
  • Libysche Miliz gefährdet Rettung und gibt Schüsse ab
  • weitere Rettung von 82 Menschen am Montagnachmittag
  • italienischer Offshore-Versorger ASSO VENTINOVE verweigert die Rettung
  • Bundesinnenministerium bittet Seenotrettungsorganisationen darum, die Arbeit einzustellen

Am Montagmorgen rettete die Crew der ALAN KURDI 68 Menschen aus einem überfüllten Holzboot in den internationalen Gewässern vor Libyen. Der Notruf wurde von Alarm Phone gemeldet und von Sea-Eye-Kapitänin Bärbel Beuse sofort an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Während der Rettung gefährdete ein libysch beflaggtes Schnellboot die Arbeit der Sea-Eye-Rettungskräfte. Nach Schüssen in die Luft sprang rund die Hälfte der Flüchtenden ohne Rettungsweste panisch ins Meer, um zur ALAN KURDI zu schwimmen. Unsere Rettungskräfte brachten alle vorhandenen Rettungsmittel ins Wasser und setzten ein sogenanntes CentiFloat ein, um die Personen vor dem Ertrinken zu retten.

„Als ich die Schüsse der Libyer hörte, hatte ich große Sorge um meine Mannschaft und die Flüchtenden“, sagt Stefan Schütz, Einsatzleiter an Bord der ALAN KURDI.

Nachdem sich die Lage beruhigte und die Libyer sich zurücknahmen, konnten alle Personen mit Schwimmwesten versorgt und gerettet werden.

Schon während der ersten Rettung meldete das Alarm Phone einen weiteren Seenotfall nördlich der Position der ALAN KURDI. Der italienische Offshore-Versorger ASSO VENTINOVE erreichte diesen zweiten Notfall zwar mehrere Stunden vor der ALAN KURDI, leitete jedoch keine Rettungsversuche ein. Aufgrund der Größe wäre das italienische Versorgungsschiff deutlich besser geeignet gewesen, die 82 Personen, darunter auch Kinder, auf dem Holzboot zu retten. Mit der Begründung, dass man für die Bohrinseln bereit bleiben müsse, um dort zu helfen, wenn es zu einem Unglück käme, verweigerte ASSO VENTINOVE die Rettung und lehnte die Zuständigkeit für die Koordinierung ab. Die ALAN KURDI evakuierte deshalb auch das zweite Boot und sucht nun mit insgesamt 150 Geretteten an Bord nach einem sicheren Hafen.

Italienische und maltesische Ministerien hatten nach dem Ablegen der ALAN KURDI gegenüber dem Auswärtigen Amt mit einer Verbalnote klargestellt, dass man einer Ausschiffung von geretteten Personen auch dann nicht zustimmen würde, wenn die Verteilung der Geretteten geregelt worden sei. Als Begründung gaben die beiden Küstenstaaten den gesundheitlichen Notstand im eigenen Land an. Während die zweite Rettung anlief, meldete sich das Bundesinnenministerium bei Sea-Eye und anderen Rettungsorganisationen mit folgender Bitte:

„Angesichts der aktuellen schwierigen Lage appellieren wir deshalb an Sie, derzeit keine Fahrten aufzunehmen und bereits in See gegangene Schiffe zurückzurufen.“

Zu diesem Zeitpunkt war die ALAN KURDI bereits 7 Tage im Einsatz und evakuierte das zweite überfüllte Holzboot.

Jedes Menschenleben ist wertvoll. Wir vertrauen darauf, dass es dem Bundesaußenminister gelingt, für 150 Menschenleben zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Denn Deutschland ist schließlich unser Flaggenstaat. In den vergangenen Tagen hat die Bundesregierung mehr als 200.000 Menschen in einem unglaublichen Kraftakt aus dem Ausland heimgeholt. Es muss doch vorstellbar und menschenmöglich sein, eine Maschine für 150 Schutzsuchende nach Südeuropa zu senden, um die Menschen unverzüglich zu evakuieren. In Deutschland gibt es rund 150 Städte im Bündnis Sicherer Häfen, die ihre Bereitschaft zu Aufnahme von Geflüchteten erklärt haben, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Erschöpfte Geflüchtete an Bord der ALAN KURDI

Sea-Eye-Rettungsschiff rettet 68 Menschen in internationalen Gewässern vor Libyen

  • ALAN KURDI rettete 68 Menschen
  • Libysche Miliz behinderte Rettung und gibt Schüsse ab
  • Menschen sprangen verzweifelt ins Wasser
  • ALAN KURDI auf dem Weg zu einem zweiten Seenotfall

Am Montagmorgen erhielt die Crew der ALAN KURDI einen Notruf über Alarmphone. Die Kapitänin Bärbel Beuse informierte die zuständigen Behörden und setzte Kurs auf die von Alarmphone übermittelten Koordinaten. Nur eine Stunde später erreichte die ALAN KURDI die Position. Dort fand die Crew ein Holzboot mit insgesamt 68 Menschen vor. Keiner der Personen verfügte über eine Rettungsweste.

Während die Crew der ALAN KURDI das erste Rettungsboot zu Wasser ließ, näherte sich ein libysch beflaggtes Schnellboot mit hoher Geschwindigkeit. Die Schüsse und riskanten Manöver der Libyer führten schnell zu einer lebensgefährdenden Eskalation der Situation. Von dem überfüllten Holzboot sprang rund die Hälfte der Menschen ins Wasser und versuchte die ALAN KURDI aus eigener Kraft zu erreichen.

„Als ich die Schüsse der Libyer hörte, hatte ich große Sorge um meine Mannschaft und die Flüchtenden“, sagt Stefan Schütz, Einsatzleiter an Bord der ALAN KURDI.

Die Besatzungen der Rettungsboote brachten zügig Rettungsmittel zu Wasser, um zu verhindern, dass die Menschen im Wasser ertrinken.

Die Kapitänin informierte die deutschen Behörden über die Bedrohung durch die Libyer. Nach kurzer Zeit entspannte sich die Situation und die Libyer ließen die Rettung der Menschen im Wasser, die Versorgung der Menschen mit Rettungswesten auf dem Holzboot und die anschließende Evakuierung der im Holzboot verbliebenen Flüchtenden schließlich zu. Alle 68 Menschen konnten gerettet werden. Die Libyer entwendeten umgehend das Holzboot und verschwanden. Einige der Geretteten stehen unter Schock, sind unterkühlt und werden deshalb medizinisch versorgt. Der überwiegende Teil der Geretteten teilte mit, aus Bangladesch zu stammen. Wenige stammen aus Syrien, dem Tschad oder dem Sudan. 20 Personen geben an, minderjährig zu sein.

„Die Libyer haben mit ihrem Verhalten das Ertrinken vieler Menschen riskiert. Während die EU-Mitgliedsstaaten Geld an sogenannte libysche Küstenwächter zahlen, wird unsere Crew erneut beim Retten von Menschenleben behindert und bedroht“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Der ALAN KURDI wurde ein weiterer Seenotfall gemeldet. Sie ist in diesem Moment auf dem Weg dorthin.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen im Falle eines Corona-Ausbruchs an Bord

  • Sea-Eye-Rettungsschiff nach mehrwöchiger Werftpause einsatzbereit
  • ALAN KURDI wird einziges Rettungsschiff im Einsatzgebiet sein
  • Crew der „Sea-Watch 4“ führt abschließende Reparaturen durch
  • neue Sicherheitsvorkehrungen für den Fall eines Corona-Ausbruchs

Nach achtwöchiger Pause kehrt das deutsche Rettungsschiff ALAN KURDI nun zurück in den Einsatz. Mehr als 60 ehrenamtliche Helfer*innen bereiteten die ALAN KURDI auf das Einsatzjahr 2020 vor. Am Montagnachmittag erteilten die spanischen Behörden grünes Licht zum Ablegen. Inzwischen hat die Crew um die deutsche Kapitänin Bärbel Beuse die internationalen Gewässer erreicht.

„Meine Crew ist trotz aller Schwierigkeiten angetreten, trainiert und einsatzbereit. Wie könnten wir jetzt im Hafen bleiben, während kein einziges Rettungsschiff im Einsatz ist? Als Menschen ist es unsere Pflicht, alles Vernünftige dafür zu tun, um anderen Menschen das Leben zu retten“, sagt Bärbel Beuse, Kapitänin der ALAN KURDI.

Beuse führt die ALAN KURDI zum zweiten Mal in den lebensrettenden Einsatz.

„Sea-Eye wurde gegründet, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Jedes Leben besitzt einen unschätzbaren Wert. Kein Menschenleben ist entbehrlich oder weniger wertvoll. Deshalb ist die ALAN KURDI auf dem Weg in den Einsatz“, begründet Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V., den Einsatz während der Corona-Krise.

Die Seenotretter*innen rechnen mit großen Schwierigkeiten, einen sicheren Hafen zugeteilt zu bekommen, falls es tatsächlich zu einer Rettung kommt.

„Wir verlassen uns auch in dieser Krise auf die Verantwortung und ein beherztes politisches Handeln unseres Flaggenstaates. Wir stehen in engem Austausch mit den deutschen Behörden“, sagt Isler weiter.

Aufgrund der Corona-Krise hat die Einsatzleitung des Vereins weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen und einen „Outbreak Management Plan“ etabliert.

„Deutsche Hochseeschiffe haben ohnehin höchste Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus haben wir ausreichende, persönliche Schutzausrüstung für unsere Crew an Bord“, sagt Jan Ribbeck, Einsatzleiter der Mission.

Die ALAN KURDI wird die libysche Such- und Rettungszone voraussichtlich am Wochenende erreichen.

Seit Wochen gelang es aufgrund der Corona-Krise keiner Hilfsorganisation mehr, ein Rettungsschiff in den Einsatz zu entsenden, denn Crewmitglieder können nicht ohne Weiteres reisen, um die Schiffe zu erreichen oder heimzukehren. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen berichtete zuletzt von hunderten Geflüchteten, die durch die sogenannte libysche Küstenwache von der Flucht aus dem Bürgerkriegsland abgehalten worden sind. Wie viele Menschen in den vergangenen Wochen unbemerkt auf dem Meer verschwanden ist unbekannt.

„Es grenzt an ein Wunder, dass wir eine Crew zusammenstellen, trainieren und auf die besonderen Umstände vorbereiten konnten“, sagt Isler.

Aufgrund der Corona-Krise konnten Reparaturen an der ALAN KURDI nicht nach Plan abgeschlossen werden. Viele Werftarbeiter*innen mussten vorzeitig zu ihren Familien zurückkehren. Zuletzt halfen deshalb die Crewmitglieder des neuen Rettungsschiffes „Sea-Watch 4“ dabei, die Reparaturen abzuschließen. Die „Sea-Watch 4“ wird ebenfalls in Burriana auf ihren ersten Rettungseinsatz vorbereitet. Die ALAN KURDI ist damit das einzige Rettungsschiff, das sich auf dem Weg in die libysche Such-und Rettungszone befindet.

Der Hamburger Sänger Stefan Stoppok setzt sich auch während der Corona-Krise dafür ein, dass weitergeholfen und gerettet wird. 

  • Stoppok gibt online-Solikonzert für Sea-Eye
  • Corona-Pandemie bedroht Flüchtende weltweit

Die Corona-Pandemie stellt gerade für Flüchtende und Migrant*innen eine ungeahnte existenzielle Gefahr dar. Auch Sea-Eye spürt die Folgen der Corona-Krise täglich. Deshalb gibt der Liedermacher Stefan Stoppok am 26. März 2020 um 14 Uhr live aus seinem Wohnzimmer ein Soli-Konzert für Sea-Eye. Die fünfzehnminütige Show wird über die Facebook-Kanäle von Stoppok und Sea-Eye und auf der Sea-Eye-Website zu sehen sein.

Bei der Corona-Pandemie handelt es sich um eine weltweite Krise, die Menschen überall bedroht. Hierunter sind auch viele Menschen, die weitaus schutzloser und verletzlicher sind als andere. Besonders Flüchtende sind von der Corona-Krise bedroht. Denn sie verfügen über keine Wohnung und häufig nicht einmal über ein Zelt. In überfüllten Lagern können sich Flüchtende nicht von anderen Menschen separieren. Gleichzeitig mangelt es ihnen an hygienischen Mitteln wie sauberem Wasser, Seife oder Toiletten. Zudem haben die meisten Flüchtende keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und sind im Krankheitsfall völlig schutzlos.

„Lasst uns deshalb in dieser schwierigen Zeit für uns alle nicht die Verwundbarsten vergessen und allen weiterhelfen“, sagt Stoppok.

Die Lage der Flüchtenden verschlimmert sich dadurch, dass Hilfsorganisationen in ihrer Arbeit eingeschränkt sind. Auch Sea-Eye muss sich in seiner Arbeit an die neuen Bedingungen anpassen, ist aber grundsätzlich einsatzbereit. Seit Anfang März muss der Verein mit einem Spendeneinbruch kämpfen, der im schlimmsten Fall auch die Existenz des Vereins bedrohen könnte. Deshalb ist Sea-Eye auch gerade in der Corona-Krise auf Spenden angewiesen, um denjenigen zu helfen, die sich derzeit absolut schutzlos auf der Suche nach Sicherheit befinden.

Das Soli-Konzert wird unter #weiterhelfen auf der facebook-Seite des Künstlers und der Website von Sea-Eye verbreitet:
https://www.facebook.com/Stoppok.de/
www.sea-eye.org/stoppok/
www.stoppok.com

Kindergerechter Beitrag der ARD zur Seenotrettung

Robert, Reporter von neuneinhalb, hat uns auf der ALAN KURDI besucht und mit Joshua, unserem 1. Offizier, über die Seenotrettung im Mittelmeer gesprochen. Joshua hat Robert unser Schiff gezeigt und wo wir Geflüchtete nach der Rettung an Bord unterbringen. Robert wollte es ganz genau wissen, also haben wir ihn mit aufs Meer genommen und ihm gezeigt, wie eine Rettung abläuft.

Schauen Sie sich den Beitrag von neuneinhalb an, er ist nicht nur für Kinder geeignet.

  • Sea-Eye fordert EU-Mitgliedsstaaten auf, Seenotrettung zu betreiben
  • neue Marine-Operation braucht humanitäres Mandat

Am 17. Februar hat Josep Borrell, Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Pläne für eine neue Militär-Mission „Operation EU Active Surveillance“ im Mittelmeer vorgestellt. Ziel der Mission ist es, das beschlossene Waffenembargo für Libyen militärisch zu überwachen. Darauf hatten sich die EU-Außenminister*innen geeinigt.

Sea-Eye kritisiert die Rahmenbedingungen der „Operation EU Active Surveillance“ scharf.

  • Die Schiffe sollen sich nur maximal auf 100 Kilometer der libyschen Küste nähern, um während der Einsätze nicht in die internationale seerechtliche Verpflichtung zu kommen, in Seenot geratene Flüchtende retten zu müssen.
  • Das Einsatzgebiet soll sich ausschließlich im östlichen Mittelmeer befinden. Dort sind so gut wie keine Menschen in Seenot. Nur wenige Stunden westlich müssen hingegen täglich Menschen um ihr Leben fürchten.
  • Falls die Schiffe der Marine zu viele Menschen aus Seenot retten, soll die Mission wieder eingestellt werden.

Die Intention ist eindeutig: Unter keinen Umständen sollen Menschen aus Seenot gerettet werden. Staatliche Seenotrettung ist unerwünscht.

Derweil fliehen weiterhin Menschen aus dem Bürgerkriegsland Libyen und riskieren auf der Suche nach Sicherheit ihr Leben auf dem Mittelmeer.

Forderungen an die Außenminister*innen der EU

Wir fordern deshalb die Außenminister*innen der EU-Mitgliedsstaaten, speziell Außenminister Heiko Maas und seinen österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg, dazu auf, die Schiffe mit einem ausdrücklichen Mandat zur Suche und Rettung auszustatten und aktiv Menschen aus Seenot zu retten. Die Schiffe müssen zwingend in der libyschen Such- und Rettungszone eingesetzt werden und internationalen Gesetzen Rechnung tragen. Wenn europäische Marineeinheiten im Mittelmeer operieren, müssen diese Schiffe unbedingt zur Seenotrettung eingesetzt werden.

Petition gestartet

Um dieser Forderung zur Einhaltung fundamentaler Menschenrechte auf See Nachdruck zu verleihen, hat Sea-Eye eine Petition gestartet. Damit fordern wir die europäische Gesellschaft dazu auf, sich unserem Appell an die Außenminister*innen der EU-Mitgliedsstaaten anzuschließen.

„Seit Jahren verlassen sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf, dass zivile Retter*innen Menschen in Seenot finden und versorgen. Diese zivilen Organisationen gibt es aber nur, weil die EU-Mitgliedsstaaten bis heute keine Schiffe geschickt haben, um dort Seenotrettung zu betreiben. Wir versuchen eine immer größer werdende Lücke zu füllen“, sagt Julian Pahlke, Sprecher der Organisation Sea-Eye e. V.

„Wenn nun zur Durchsetzung des Waffenembargos wieder staatliche EU-Schiffe in das Seegebiet vor Libyen zurückkehren, müssen diese auch einen klaren humanitären Auftrag bekommen. Und dies bedeutet, Menschen in Seenot aktiv zu suchen, zu retten und in Sicherheit zu bringen. Wegschauen ist eine Missachtung der Menschenrechte“ , sagt Lena Meurer, Mitglied des Vorstandes von Sea-Eye e. V.

Sea-Eye errichtet Seenotrettungsstützpunkt auf Sizilien

Am Samstag empfing Bürgermeister Leoluca Orlando die Sea-Eye-Vorstände Jan Ribbeck und Gorden Isler im Rathaus von Palermo. Orlando ist in Italien der wohl lauteste politische Unterstützer der zivilen Seenotretter*innen und der Menschenrechte, für die sie eintreten. In der Zeit von Salvinis „geschlossenen Häfen“ machte er immer wieder deutlich, dass Palermos Häfen für aus Seenot gerettete Menschen offen blieben. Orlando unterstützt auch das Bündnis United4Rescue, ernannte verschiedene Seenotretter*innen zu Ehrenbürger*innen von Palermo und nutzte seinen politischen Einfluss, um die Arbeit der Hilfsorganisationen zu erleichtern.

Sea-Eye Ehrenmitglied Leoluca Orlando

Deshalb hat Sea-Eye nun Leoluca Orlando die Ehrenmitgliedschaft im Verein von Sea-Eye angeboten, um sein unersetzbares Engagement höchstmöglich zu würdigen. Mit den Worten „es ist mir eine große Ehre“ willigte er sichtlich gerührt ein und nahm eine Urkunde der Regensburger Seenotretter*innen entgegen.

„Orlandos Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte ist sehr viel älter als Sea-Eye. Ihn auf diese Weise wertschätzen zu dürfen, ist auch eine besondere Ehre für uns“, betonte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ribbeck und Isler informierten Orlando über die weiteren Pläne der Organisation. So beabsichtige Sea-Eye, zukünftig mit der ALAN KURDI von Sizilien aus in Rettungseinsätze zu starten und einen Seenotrettungsstützpunkt in Palermo zu errichten.

„Durch die kürzeren Anfahrten schonen wir unsere Ressourcen und erhöhen unsere Anwesenheitszeiten in der libyschen Such- und Rettungszone. Wir erhoffen uns so vor allem, mehr Menschenleben retten zu können“, sagte Jan Ribbeck, stellvertretender Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ehrenmitgliedschaft für Leoluca Orlando

Aufgrund der rigiden Innenpolitik unter Matteo Salvini musste die ALAN KURDI in 2019 immer wieder von Spanien starten. Die Crews und Geretteten erlebten zahlreiche unwürdige Blockaden. Leoluca Orlando sicherte seine weitere Unterstützung für die Zukunft zu und bat Sea-Eye wiederum, immer offen über die Bedarfe der Rettungskräfte zu sprechen.

„Wir sind unendlich dankbar für einen Verbündeten wie Leoluca Orlando, denn im Vergleich zu den größeren Organisationen bleiben unsere Möglichkeiten sehr limitiert. Dass wir Hilfe brauchen, ist kein Geheimnis“, so Ribbeck weiter.

Die ALAN KURDI soll Mitte März die spanische Werft verlassen und in die libysche Such- und Rettungszone zurückkehren.

Mitglieder würdigen besondere Verdienste von Gründer Michael Buschheuer

  • Sea-Eye-Mitgliederversammlung wählt neuen Vereinsvorstand
  • Herausforderungen durch weiteren Professionalisierungsbedarf
  • Besondere Würdigung des Vereinsgründers Michael Buschheuer
  • ALAN KURDI absolviert Werftaufenthalt in Spanien

Am Samstag trafen sich mehr als 60 der insgesamt 500 Vereinsmitglieder von Sea-Eye zur jährlichen Mitgliederversammlung in Regensburg. In einer achtstündigen Sitzung stellte sich das höchste Vereinsgremium den aktuellen Fragestellungen.

So wählte die Mitgliederversammlung den Hamburger Gorden Isler erneut zum Vereinsvorsitzenden. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Jan Ribbeck aus Kempten im Amt bestätigt. Ebenfalls in der Verantwortung blieben der Regensburger Günther Schmidt und der Weidener Dominik Reisinger. Neu im Vorstand ist Lena Meurer. Der Vorstand von Sea-Eye arbeitet nach wie vor ehrenamtlich.

In einer offenen Aussprache ging es insbesondere um die Zukunft der Regensburger Seenotretter*innen. So war man sich darin einig, dass die internationale Staatengemeinschaft derzeit erfolgreicher darin ist, neue Fluchtursachen zu schaffen als sie zu beseitigen. Nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Staatliche Akteure haben die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer gänzlich eingestellt und überlassen die dortigen Seenotfälle der sogenannten libyschen Küstenwache. An zivile Seenotrettungsorganisationen werden zunehmend höhere Anforderungen gestellt. Viele mussten aufgeben. Sea-Eye ist mit der ALAN KURDI weiter einsatzfähig. Die Mitglieder wollen mit ihrem Schiff weiter Menschenleben retten, weil es einfach notwendig bleibt. Der Verein wird seine Professionalisierungsstrategie daher weiter fortsetzen und durch Gründung einer Sea-Eye-Akademie noch mehr Menschen dazu befähigen, ehrenamtliche Seenotretter*innen zu werden.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung des Regensburgers Michael Buschheuer. Der Verein wurde vor 4 Jahren auf seine Initiative hin gegründet. Michael Buschheuer selbst war zur „Young Security Conference“ im Kontext der parallel stattfindenden Münchener Sicherheitskonferenz als Referent eingeladen worden und konnte deshalb nicht an der Versammlung teilnehmen. Die Mitglieder beschlossen seine besondere Bedeutung und würdigten seine beispielhafte Courage und seinen unermüdlichen Einsatz für Sea-Eye e. V.

„Als Gründer ist Michael Buschheuer in besonderer und wiederholender Weise zu würdigen. Wir sehen in Michael einen sehr wichtigen und unglaublich engagierten Repräsentanten“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Das Sea-Eye-Schiff ALAN KURDI absolviert derweil einen Werftaufenthalt in der spanischen Stadt Burriana. Mehr als 60 ehrenamtliche Helfer*innen bereiten das Schiff auf das Einsatzjahr 2020 vor. Nach Absolvierung der Werft soll die ALAN KURDI für den Rest des Jahres wieder einsatzfähig sein.

Sea-Eye-Schiff vor planmäßiger Wartung in spanischer Werft

  • maltesiche Army evakuiert 78 Gerettete
  • Lage in Libyen laut UNHCR außer Kontrolle
  • Gerettete berichten von traumatischen Erlebnissen auf See
  • Sea-Eye sammelt Spenden für Wartungsarbeiten

Am vergangenen Samstag rettete die zehnte Crew des deutschen Rettungsschiffes ALAN KURDI insgesamt 78 Menschenleben von zwei hochseeuntauglichen Booten. Vier Tage später evakuierte die maltesische Army die Geretteten auf See. Noch am Sonntag lehnten die maltesischen Behörden die Ausschiffung der Geretteten ab. So sei Malta weder zuständig, noch habe man weitere Kapazitäten, um aus Seenot gerettete Schutzsuchende aufzunehmen. Es gäbe eine Einigung mit anderen EU-Mitgliedsstaaten. Deshalb solle sich das Schiff an den nächsten Küstenstaat wenden.

Trotz des schlechten Wetters und der gefährlichen Fluchtbedingungen fliehen in diesen Tagen besonders viele Menschen aus Libyen. Hilfsorganisationen wie Sea-Eye retteten in den vergangenen Tagen rund 800 Menschen. Der UNHCR erklärte schon vor einer Woche, dass die Lage in Libyen „außer Kontrolle“ geraten sei und dass man nicht einmal mehr „minimale Sicherheitsstandards für Flüchtlinge“ zu garantieren vermöge. Der Versuch die europäische Marinemission „Sophia“ wiederzubeleben scheiterte an den Regierungen von Österreich und Italien.

Auf der ALAN KURDI mussten 78 Gerettete aus 20 unterschiedlichen Herkunftsländern auf die Zuweisung eines sicheren Ausschiffungshafens warten. Einige der Geretteten berichteten, drei Tage unterwegs gewesen zu sein und das Bouri Oilfield durchquert zu haben. Dabei hätte auch ein Frachtschiff ihren Kurs gekreuzt und sei ihnen ausgewichen. Die Geretteten des zweiten Bootes berichteten dem Sea-Eye-Menschenrechtsbeobachter Todesangst gehabt zu haben, als ihr Boot von mehreren Haien umkreist worden sei.

Als Einsatzleiterin Johanna Pohl die Geretteten am Dienstagabend informierte, dass die Menschen von einem maltesischen Militärschiff abgeholt werden würden, um nach Malta übernommen zu werden, äußerten viele Schutzsuchende große Ängste, zurück nach Libyen gebracht zu werden. Nur mit großer Anstrengung konnte die Crew die Menschen beruhigen und glaubhaft vermitteln, dass dies nicht der Grund dafür sei, dass Malta die ALAN KURDI nicht anlegen lässt.

Die ALAN KURDI hat nun Kurs auf den spanischen Hafen von Burriana gesetzt. Dort wird das 70 Jahre alte Rettungsschiff einer planmäßigen Wartung unterzogen. Zuletzt war die ALAN KURDI im Mai im Trockendock. Seither absolvierte das Schiff sieben weitere Missionen. Keine einzige Mission verlief ohne eine oder mehrere Rettungen.

„Diese vielen, schweren Stunden werden wir nie vergessen. Nun muss es uns gelingen, bis zu 120.000 € für die Wartungen und den Austausch von zwei Generatoren zu sammeln. Wir hoffen, dass wir Mitte März in die elfte Mission starten können“, sagt Gorden Isler – Vorsitzender, von Sea-Eye e. V.

Die Regensburger Seenotretter sind dann für den Rest des Jahres einsatzfähig.

Rettungsschiff ALAN KURDI rettet 78 Menschenleben

Am Samstagmorgen wurde das deutsche Rettungsschiff ALAN KURDI des Regensburger Vereins Sea-Eye e. V. über einen Seenotfall informiert. Die Organisation Watch the Med – Alarmphone erhielt von den Menschen an Bord des Schlauchbootes einen Notruf und leitete diesen an das Rettungsschiff und die zuständigen Behörden weiter.

Nach mehreren Stunden wurde das Boot gegen 9:00 Uhr gefunden. Zu dem Zeitpunkt drang bereits Wasser in das Schlauchboot ein, dessen Hülle aus dünnem Material, ähnlich einer LKW-Plane, bestand. Unter den 62 Geretteten befinden sich 8 Frauen und 7 Kinder, das jüngste Kind ist gerade einmal sechs Monate alt.

Kurze Zeit nach der Rettung war ebenfalls ein Schiff der sogenannten libyschen Küstenwache vor Ort und wies die ALAN KURDI an, die libysche Such- und Rettungszone zu verlassen.

„Die sogenannte libysche Küstenwache behandelt eine Such- und Rettungszone wie ein Territorialgewässer, bedrängt wiederholt zivile Rettungskräfte und erteilt unrechtmäßige Anweisungen. Diese Kompetenz steht ihnen überhaupt nicht zu und die von der EU unterstützten Milizen nehmen damit bewusst die Gefährdung von Menschenleben in Kauf“, sagt die Einsatzleiterin Johanna Pohl von Bord des Schiffes.

Wenige Minuten nach der Rettung erreichte die ALAN KURDI der Hilferuf eines Frachtschiffes, das ein Boot in Seenot gesichtet hatte. Die ALAN KURDI erreichte das mit 16 Personen besetzte Boot am frühen Nachmittag und evakuierte das seeuntüchtige Boot ebenfalls. Drei der Geretteten waren stark dehydriert und wurden an Bord sofort medizinisch behandelt.

Auch wenn sich die Zuweisung eines Hafens für Rettungsschiffe in den letzten Wochen gebessert hat, ist es noch zu früh, von einer Normalisierung der Seenotrettung nach völkerrechtlichen Standards zu sprechen.

„Es ist eine seerechtliche Pflicht, die Menschen schnell an einen sicheren Ort zu bringen. Auch wenn wir Ansätze eines Verteilungsmechanismus sehen, muss der Schutz der Menschen an oberster Stelle stehen. Die EU und alle ihre Mitgliedstaaten müssen Italien dabei unterstützen und sich im europäischen Sinne solidarisch verhalten. Das Mittelmeer darf kein schutzloser Raum bleiben“, sagt der Sprecher von Sea-Eye, Julian Pahlke.

Nach einer längeren Phase mit schlechtem Wetter und hohem Seegang machte sich die ALAN KURDI am 17. Januar auf den Weg ins Such- und Einsatzgebiet. In den letzten Tagen patrouillierte das Schiff im zentralen Mittelmeer. Die deutsch-spanische Crew wird von Rettungskräften von Sea-Eye und der spanischen Hilfsorganisation Proem Aid gestellt.