Ein Grund zu feiern – aber warum?

Wie ist die Genfer Flüchtlingskonvention entstanden?

Während der zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert gab es zwar unzählige Flüchtlinge, aber keine völkerrechtlich verbindliche Regelung zu ihrem Schutz. Die Notwendigkeit, Flüchtlinge auf internationaler Ebene zu schützen, wurde in diesen Zeiten jedoch allzu deutlich. Der Durchbruch wurde am 28. Juli 1951 auf einer UN-Sonderkonferenz in Genf erreicht, als die Genfer Flüchtlingskonvention – das zentrale Rechtsdokument zum Schutz von Flüchtlingen – verabschiedet wurde.

Was ist der Inhalt der Genfer Flüchtlingskonvention?

Die Begriffe Flüchtlinge, Flüchtende, Geflüchtete und Migrant*innen werden häufig synonym verwendet. Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert jedoch, wann ein Mensch als „Flüchtling“ gilt. Außerdem legt sie die Rechte und Pflichten von Flüchtlingen fest.

Warum ist die Genfer Flüchtlingskonvention für die Seenotrettung wichtig?

Besondere Bedeutung besitzt das Verbot der Ausweisung und Zurückweisung. Dies besagt, dass Staaten keinen Flüchtling in ein Land ausweisen dürfen, in dem sein Leben oder seine Freiheit bedroht sind. Deshalb müssen flüchtende Menschen, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden, in einen sicheren Hafen in der Europäischen Union gebracht werden. Da die EU-Staaten selbst keine Flüchtlinge zurückweisen dürfen, beauftragt die EU die sogenannte libysche Küstenwache, die flüchtenden Menschen auf See abzufangen und in das Bürgerkriegsland zu verschleppen. Diese Praxis ist ein massiver Angriff auf die Genfer Flüchtlingskonvention.

Wie ist die aktuelle Situation?

Die Rechte von Flüchtlingen sind weltweit bedroht. Auf dem Mittelmeer gibt es keine staatliche europäische Seenotrettung für Flüchtlinge. Stattdessen arbeitet die EU mit der sogenannten libyschen Küstenwache zusammen, die für zahlreiche gewalttätige Angriffe auf flüchtende Menschen verantwortlich ist, bei denen Menschen gestorben sind. In Libyen geraten die Menschen in Detention Camps in denen sie Folter, Vergewaltigung und weiteren schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind.

70 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention sind nicht nur ein Grund zu feiern, sondern auch zur Empörung. Es ist unsere gesetzliche und moralische Pflicht, Menschen in Not Schutz zu bieten. Die EU tritt die Rechte von geflüchteten Menschen an ihren Grenzen mit Füßen. Wenn wir diese Menschen und ihre Rechte nicht schützen, verlieren wir die Genfer Flüchtlingskonvention. So ist dieses Jubiläum auch eine Mahnung zu schützen, was nicht verloren gehen darf, wenn wir uns eine humane Welt wünschen.“
– Sophie Weidenhiller, Pressesprecherin von Sea-Eye e. V. –


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    Sea-Eye trennt sich schweren Herzens von seinem Rettungsschiff ALAN KURDI. Die häufigen Festsetzungen der Rettungsschiffe zwangen Sea-Eye dazu, das Rettungsschiff aus finanziellen Gründen an die italienische Seenotrettungsorganisation ResQ für 400.000 € zu verkaufen. Das Schiff wird nun unter dem Namen ResQ PEOPLE eingesetzt. Zukünftig wird Sea-Eye ausschließlich die SEA-EYE 4 betreiben.
ALAN KURDI

Italienische Seenotrettungsorganisation ResQ startet mit neuem Schiffsnamen „ResQ PEOPLE“ in neue Einsätze

Sea-Eye trennt sich schweren Herzens von ihrem Rettungsschiff ALAN KURDI. Die häufigen Festsetzungen der Rettungsschiffe zwangen Sea-Eye dazu, das Rettungsschiff aus finanziellen Gründen an die italienische Seenotrettungsorganisation ResQ für 400.000 € zu verkaufen. Das Schiff wird nun unter dem Namen ResQ PEOPLE eingesetzt. Zukünftig wird Sea-Eye ausschließlich die SEA-EYE 4 betreiben.

Die Blockade von zivilen Rettungsschiffen unter deutscher Flagge durch die italienischen Behörden belastet Sea-Eye finanziell schwer. Die italienische Küstenwache setzte die ALAN KURDI insgesamt zweimal unter fadenscheinigen Gründen fest. Sea-Eye gelang es, beide Male nach langwierigen Gesprächen und mit juristischen Mitteln das Schiff zu befreien. Die Festsetzung der Rettungsschiffe hindert Sea-Eye nicht nur an seiner Arbeit, sondern kostet auch enorme Summen für Hafengebühren und Rechtsvertretungen.

Für Sea-Eye war es eine schwere, aber gleichermaßen vernunftgetriebene Entscheidung.  Den Verkaufserlös benötigt Sea-Eye dringend für den Betrieb der SEA-EYE 4.

Wir sind dankbar, dass dieses besondere Schiff im Einsatz bleibt. Wenn es Organisationen gibt, die zwei Schiffe und wenig Ressourcen haben, dann muss man sich mit Freund*innen zusammensetzen, die Ressourcen haben, und nach einem Schiff suchen. Wir leben europäische Zusammenarbeit, so wie wir sie auch von den EU-Staaten fordern“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die ALAN KURDI war das erste Rettungsschiff unter deutscher Flagge und wurde erstmalig im Dezember 2018 eingesetzt. Insgesamt entsendete Sea-Eye die ALAN KURDI auf zwölf Rettungsmissionen und rettete so 927 Menschenleben. Rund 240 Crew-Mitglieder taten Dienst auf diesem Schiff.

Sea-Eye ist allen Partnern und Spender*innen dankbar, die dieses Schiff mehr als zwei Jahre gemeinsam mit uns in den Einsatz geschickt haben. Besonders bedanken möchte sich Sea-Eye bei der Familie Kurdi. Abdullah und Tima Kurdi, Vater und Tante des ertrunkenen syrischen Jungen Alan Kurdi, tauften das Schiff im Februar 2019 auf seinen Namen. Es war für die Familie nicht einfach, die Hassreden zu ertragen, die in Online-Kommentarspalten zu lesen waren. Aber die ALAN KURDI war zwei Jahre lang ein wichtiges Symbol und ein Appell an Europa. Auch in Zukunft wird Sea-Eye mit der Familie Kurdi tief verbunden bleiben.


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Abschottung um jeden Preis

Seit über vier Jahren unterhält die Europäische Union ein Abkommen mit der sogenannten libyschen Küstenwache, in dessen Rahmen Italien schon zahlreiche Schiffe an Libyen verschenkt hat. Dabei unterstützte die EU die sogenannte libysche Küstenwache mit hohen Millionenbeträgen und bildete sie im Rahmen der Frontex-Missionen Sophia und Irini aus, um Flüchtende auf dem Mittelmeer abzufangen. Die weitere Unterstützung der Mission Irini wurde vor Kurzem erst vom deutschen Bundestag beschlossen.[1]

Allein am 16. und 17. Mai als Sea-Eye über 400 Menschen aus Seenot rettete, wurden über 600 Menschen illegal zurück nach Libyen verschleppt. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits mindestens 11.000 Menschen[2] zwangsweise zurück nach Libyen gebracht. Auch an anderen EU-Außengrenzen wie Griechenland, Spanien und Kroatien ist es gängige Praxis, dass die EU-Staaten flüchtende Menschen gewaltvoll zurücktreiben. Insgesamt haben sich EU-Staaten schon an Pushbacks gegenüber 40.000 Flüchtenden beteiligt, wobei mindestens 2.000 Menschen ums Leben kamen, wie der Guardian vor Kurzem enthüllte.[3]

Gerettetes Kind auf der SEA-EYE 4

Die Situation im Mittelmeer ist seit Jahren erschreckend und alarmierend. Wir erwarten von europäischen Politiker*innen einen umgehenden Wechsel zu einer Migrationspolitik, die die Menschenrechte achtet, statt das Recht auf Asyl und das Recht auf Leben mit Füßen zu treten. Insbesondere die Bundesregierung und die deutsche Kommissionspräsidentin von der Leyen müssen sich dringend für Menschenrechte im Mittelmeer einsetzen“, sagt Kai Echelmeyer, Sprecher von Sea-Eye e. V.

Libysche Küstenwache

Sea-Eye fordert:

  • Diese unmenschliche Politik muss sofort beendet werden. Kein Mensch darf gegen seinen Willen und gegen internationales Recht in das Bürgerkriegsland Libyen zurückverschleppt werden.
  • Die libysche Küstenwache darf nicht länger für illegale Rückführungen benutzt werden.
  • Es muss ein europäisches Seenotrettungsprogramm geschaffen werden.
  • Die Aktivitäten von Frontex müssen genauestens auf Menschenrechtsverletzungen untersucht werden.
  • Die zivilen Seenotrettungsorganisationen müssen in ihrer Arbeit unterstützt statt behindert werden.

Sea-Eye begrüßt die Bildung eines Untersuchungsausschusses im EU-Parlament im Februar 2021[4]. Mit Erik Marquardt ist ein Sea-Eye Mitglied Teil des Untersuchungsausschusses, das als Mitglied des Europäischen Parlaments vor Kurzem mit der Sea-Eye Lokalgruppe München in einem Workshop über Frontex diskutierte.

Quellen:
[1] https://www.bmvg.de/de/aktuelles/parlament-verlaengert-beteiligung-atalanta-irini-5058624
[2] https://twitter.com/msehlisafa/status/1403365140465176584?s=19
[3] https://www.theguardian.com/global-development/2021/may/05/revealed-2000-refugee-deaths-linked-to-eu-pushbacks
[4] https://de.euronews.com/2021/02/23/eu-parlament-bildet-frontex-untersuchungsausschuss


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Schutz von Menschenrechten nicht in Sicht

Auf der vergangenen Mission der SEA-EYE 4 wurde die Crew zweimal Zeuge davon, dass Frontex scheinbar bewusst nicht mit Seenotrettungsorganisationen kooperiert, sondern mit der sogenannten libyschen Küstenwache zusammenarbeitet, die Menschen illegal zurück nach Libyen verschleppt.

Am Freitag, 14. Mai, wurde die Crew von Alarmphone über ein Boot in Seenot informiert. Als die SEA-EYE 4 das Boot erreichte, war dieses bereits leer und der Motor abmontiert. Alles deutet daraufhin, dass diese Menschen gegen internationales Recht zurück nach Libyen gebracht wurden. Das Seerecht schreibt vor, dass Gerettete an einen sicheren Ort gebracht werden müssen. Das Bürgerkriegsland Libyen kann nach all den Berichten von Folter, Versklavung, Vergewaltigung und Mord diese Bedingung nicht erfüllen.

Boot und SEA-EYE 4

Über dem leeren Boot kreiste ein Frontex-Flugzeug, was zeigt, dass Frontex offensichtlich über den Seenotfall informiert war. Allerdings wurde die SEA-EYE 4 nicht in die Rettung eingebunden, obwohl sie in der Nähe war. Entweder kam Frontex der Verpflichtung, die Rettung zu koordinieren, nicht nach oder aber die Agentur informierte die sogenannte libysche Küstenwache, damit diese die Menschen zurück nach Libyen verschleppen konnte. So oder so setzte das Frontex-Flugzeug ganz bewusst Menschenleben aufs Spiel – ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte.

Nachdem die SEA-EYE 4 bereits mehrere Rettungen durchgeführt hatte, entdeckte die Crew am Sonntag, 16. Mai, ein weiteres Frontex-Flugzeug, das für längere Zeit über einer Stelle im Meer kreiste. Als das Rettungsschiff sich der Stelle näherte, entdeckte die Crew ein weiteres Boot in Seenot und konnte die 50 Menschen aus dem überfüllten Boot in Sicherheit bringen. Wieder hatte Frontex die SEA-EYE 4 nicht über den Seenotfall informiert. Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier die sogenannte libysche Küstenwache involviert werden sollte.

Boot und SEA-EYE 4

Die EU-Agentur Frontex scheint es zu bevorzugen, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken oder zurück nach Libyen verschleppt werden, wo ihnen schlimmste Menschenrechtsverletzungen drohen, statt sie in Europa in Sicherheit zu bringen. Diese menschenverachtende Praxis der EU-Agentur und der gesamten Politik der Europäischen Union muss sofort aufhören!“ so Kai Echelmeyer, Sprecher von Sea-Eye e. V.


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SEA-EYE 4

Italienische Küstenwache setzt SEA-EYE 4 in Palermo fest

Zu viele Menschen gerettet: Die SEA-EYE 4 wurde von den italienischen Behörden nach einer 12-stündigen Hafenstaatkontrolle in Palermo festgesetzt. Zur selben Zeit ehrte Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando, die Crew der SEA-EYE 4.

SEA-EYE 4: Gerettete

Die Vernichtung von Flucht nach Europa

Die Angriffe der EU-Staaten auf Menschen, die nach Europa flüchten, werden immer brutaler. Die jüngsten Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta sind nur ein weiteres Glied in einer langen Kette der Eskalation von staatlicher Gewalt.

Bürgermeister von Palermo ernennt Sea-Eye-Crew zu Ehrenbürger*innen

Während Bürgermeister, Leoluca Orlando, die Crew der SEA-EYE 4 am Freitagabend zu Ehrenbürger*innen der Stadt Palermo ernannte, wurde das neue Rettungsschiff der Regensburger Seenotretter*innen von zwei Inspekteur*innen der italienischen Küstenwache festgesetzt.

Wie bereits bei anderen zivilen Rettungsschiffen werden nun auch bei der SEA-EYE 4 die gleichen technischen Gründe angeführt, um weitere Einsätze des Schiffes zu stoppen.

Im Prinzip geht es immer wieder darum, dass argumentiert wird, die deutschen Rettungsschiffe würden regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retten und für diesen humanitären Zweck falsch zertifiziert sein“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ehrenbürgerschaft für die Crew der SEA-EYE 4 in Palermo

So heißt es im Bericht der italienischen Küstenwache: „Die große Anzahl der geborgenen Personen, die über die durch das genannte Zertifikat erlaubte Anzahl hinausgeht, stellt eine ernste Gefahr für das Schiff und die Besatzung dar.“ Insgesamt führten die Inspekteur*innen während einer 12-stündigen Hafenstaatkontrolle 10 Gründe für die Festsetzung an. Grotesk erscheint indes der Grund, dass der Kapitän der SEA-EYE 4 gegen Artikel 98 des Seerechtsübereinkommens verstoßen haben soll, indem er zu viele Menschen gerettet habe. Artikel 98 beschreibt jedoch die explizite Pflicht der Flaggenstaaten seine Kapitän*innen zur Seenotrettung zu verpflichten.

Unser Kapitän ist der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen. Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt. Daran können sich die EU-Staaten ein Beispiel nehmen“, sagt Isler weiter.

Inzwischen sind vier Rettungsschiffe unter deutscher Flagge von Italien festgesetzt worden: die ALAN KURDI, die SEA-WATCH 3, die SEA-WATCH 4 und nun auch die SEA-EYE 4.

SEA-EYE 4: Rettungsring

Die SEA-EYE 4 führte im Mai ihre erste Rettungsmission durch und rettete 408 Menschenleben, darunter 150 Kinder. Die geretteten Menschen durften, nachdem die SEA-EYE 4 mehrere Tage einen sicheren Hafen gesucht hatte, am 21. und 22.05.2021 in Pozzallo auf Sizilien an Land gehen. Die italienischen Behörden behinderten und schikanierten das Rettungsschiff und die Geretteten auf der Suche nach einem sicheren Hafen und bei der Ausschiffung. Zum Bericht.

Kinderrettungswesten und Stofftiere für die Kleinsten

Die SEA-EYE 4 hat ihre erste Rettungsmission durchgeführt und mit an Bord war die Unterstützung von BILD hilft e. V. „Ein Herz für Kinder“. Bei der Ausrüstung der SEA-EYE 4 zum Rettungsschiff hat „Ein Herz für Kinder“ mit Rettungsausstattung für Kinder geholfen.

Mit 100 Kinderrettungswesten spendet „Ein Herz für Kinder“ wichtiges Rettungsequipment für die Einsätze der SEA-EYE 4. Die Rettungswesten sind im Einsatzfall das erste Mittel, um Kinder vor dem Ertrinken zu bewahren und eine sichere Evakuierung der seeuntauglichen Boote zu gewährleisten.

Zusätzlich unterstützt „Ein Herz für Kinder“ die SEA-EYE 4 mit Stofftieren, um Kindern in dieser traumatischen Zeit eine kleine Freude zu bereiten. Der Wunsch nach Stofftieren wurde von der Sea-Eye Seecrew geäußert, da schon ein Stofftier eine große Wirkung für Kinder haben kann.

SEA-EYE 4: Rettung eines Kindes

In der Vergangenheit hat Sea-Eye viele Familien und Kinder aus Seenot gerettet. Bei der letzten Rettungsmission der SEA-EYE 4 war das jüngste Kind an Bord gerade einmal acht Monate alt.

Wir danken BILD hilft e. V. ‚Ein Herz für Kinder‘ sehr herzlich für diese Unterstützung. Tausende Kinder flohen in den letzten Jahren über das Mittelmeer. Rettungsequipment für die Kleinsten ist daher ein essenzieller Bestandteil unserer Ausrüstung,“ sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

SEA-EYE 4: Teddy

Kritik an Italiens Vorgehen gegen Flüchtende

Gestern konnte sich die Crew von den letzten der über 400 geretteten Menschen, unter ihnen waren 150 Kinder, im Hafen von Pozzallo verabschieden und die erste Rettungsmission mit unserem neuen Schiff SEA-EYE 4 erfolgreich zu Ende führen.

Während der Suche nach einem sicheren Hafen und bei der Ausschiffung der Geretteten zeigten die italienischen Behörden ihren tiefen Unwillen gegen uns und die Schutzsuchenden. So antwortete Italien erst zwei Tage nachdem wir einen sicheren Hafen angefragt hatten und wies uns daraufhin einen weit entfernten Hafen zu, der den geschwächten und teils traumatisierten Menschen eine weitere zweitägige Seereise auferlegte.

SEA-EYE 4: Gerettete

Als die SEA-EYE 4 im Hafen von Pozzallo angekommen war, begann ein menschenunwürdiges Trauerspiel mit den italienischen Einsatzkräften in der Hauptrolle. Ein Mitarbeiter der Hafenbehörde weigerte sich zuerst, an Bord zu kommen, weil er Angst habe, dass die „Migrant*innen“ Krankheiten übertragen würden. Flüchtende Menschen mit Krankheiten zu assoziieren, ist ein weit verbreitetes, rassistisches Stereotyp, mit dem Zweck, Menschen abzuwerten. Dieser Vorfall ist nicht nur beschämend, sondern ein Sinnbild für die gesamte rassistische Abschottungs- und Abschreckungspolitik der EU-Mitgliedsstaaten.

SEA-EYE 4: Gerettete

Der Tiefpunkt war die gewaltsame medizinische Untersuchung von Kleinkindern.

Dr. Jan Ribbeck Einsatzleiter auf der SEA-EYE 4 berichtete: „Das medizinische Personal vor Ort führte an Kleinkindern auf brutalste Art und Weise Zwangs-PCR-Tests durch die Nase durch. Sie haben vor Schmerzen geschrien. Als Arzt kann ich nicht verstehen, wie man kleine Kinder auf diese Weise behandeln kann. Es macht auch medizinisch keinen Sinn, Kindern in einem so jungen Alter solche Tests aufzuzwingen.

SEA-EYE 4: Gerettete

Am Freitagabend erklärten die italienischen Behörden, dass die SEA-EYE 4 mit den verbliebenen 141 geretteten Menschen wieder auf See hinausfahren solle, um dort die Nacht zu verbringen. Der Kapitän der SEA-EYE 4 befürchtete, dass sich die verbliebenen Menschen aus Verzweiflung ins Wasser stürzen könnten. Dank seines couragierten Protests konnte diese realitätsferne und gefährliche Anweisung abgewendet werden.

Nach zwei Tagen ging der letzte Gerettete von Bord der SEA-EYE 4. Italien hat sich wieder einmal von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Wir fragen uns, was Italien mit diesem menschenunwürdigen und teils brutalen Vorgehen bezwecken möchte. Denkt es, damit die EU-Staaten zu einer schnelleren Verteilung der Geflüchteten zu bewegen? Oder meint es, dass wir unsere Arbeit einstellen würden? Warum diese Schikanen und diese Gewalt gegen Schutzsuchende? Warum kämpfen die EU-Mitgliedstaaten gegen Geflüchtete, statt endlich etwas gegen Fluchtursachen zu unternehmen? Wie viele Menschen müssen diese Politik noch mit dem Leben bezahlen, bis man in den europäischen Hauptstädten bemerkt, dass diese Politik der Abschreckung und Abschottung menschenverachtend ist?

SEA-EYE 4: Gerettete

Die erste Rettungsmission der SEA-EYE 4 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wir haben die Ereignisse dieser besonderen Mission in einem Video zusammengefasst und wir haben eine Bitte.

Kritik an Italiens Wahl des Ausschiffungshafens

Am Freitag, 21.05.2021, lief das Rettungsschiff SEA-EYE 4 in den Hafen von Pozzallo ein. Kurz darauf durften die ersten der 400 geretteten Menschen, darunter 150 Kinder, das Schiff verlassen. Die Ausschiffung wird begleitet von rassistischen Kommentaren der behördlichen Einsatzkräfte vor Ort.

Einsatzleiter Jan Ribbeck kommentiert die Zustände: „Hier werden keine verhältnismäßigen und menschenwürdigen Maßnahmen ergriffen. Einem 8 Monate alten Baby und Kleinkindern wurden unter Schreien Nasenabstriche abgenommen.

Die Crew hatte bereits am Montag um einen sicheren Hafen gebeten. Erst zwei Tage später am Mittwochabend reagierten die italienischen Behörden und wiesen der SEA-EYE 4 Pozzallo auf Sizilien zu. Zu der Zeit befand sich die SEA-EYE 4 etliche Seemeilen entfernt auf der anderen Seite der Mittelmeerinsel direkt vor dem Hafen von Palermo. Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando, hatte zuvor eine Einladung an die geretteten Menschen und die Crew ausgesprochen, in seinem Hafen an Land zu gehen.

SEA-EYE 4: Gerettete

Durch die Wahl des Ausschiffungshafens Pozzallo mussten sehr viele Menschen zwei weitere Nächte auf den Stahlböden der SEA-EYE 4 schlafen. Die EU-Staaten behandeln Schutzsuchende zunehmend brutaler und schikanieren jene, die ihnen helfen wollen. Es ist einfach entsetzlich, dass spanische Soldaten Geflüchtete zurück ins Wasser prügeln und italienische Abgeordnete das im Kontext unserer Situation feiern, um den gleichen Umgang mit unseren Geretteten vorzuschlagen! Statt Fluchtursachen zu bekämpfen, greifen staatliche Akteure selbst flüchtende Menschen an. Wenn die EU weiter in diese Richtung kippt, dann können wir die Genfer Flüchtlingskonvention endgültig abschreiben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Gerettete an Bord der SEA-EYE 4

Die Zuweisung des sicheren Hafens erfolgte wenige Stunden nachdem ein junger Mann aufgrund eines schweren Herzleidens durch die italienische Küstenwache von der SEA-EYE 4 evakuiert werden musste. Malta hatte bereits am Dienstag abgelehnt, den geretteten Menschen einen sicheren Hafen zu bieten und ihr Leiden auf See zeitnah zu beenden. Die Menschen brauchen nun ein sicheres Umfeld und Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die letzten sieben Tage unserer Rettungsmission haben wieder einmal ganz deutlich das Versagen der EU-Staaten gezeigt. Regelmäßig ertrinken Menschen auf ihrer Flucht und Tausende werden in die Bürgerkriegshölle Libyens zwangsweise zurückgeführt. An die Einhaltung der Menschenrechte scheint in den Regierungen Europas niemand mehr zu denken“, sagt Isler zum Abschluss der Rettungsmission.

SEA-EYE 4: Gerettete

Wir freuen uns, dass die erste Rettungsmission unseres neuen Bündnisschiffes so erfolgreich zu Ende gegangen ist. Während die EU-Staaten flüchtende Menschen im Stich lassen und ihren Tod billigend in Kauf nehmen, hat sich hinter uns die Zivilbevölkerung zusammengeschlossen und rettet so viele Menschen, wie es möglich ist“, sagt Michael Schwickart, stellv. Vorsitzender von United4Rescue.

Wir sind froh, dass die medizinische Versorgung an Bord der Sea-Eye 4 erfolgreich war und sogar ein Notfall beizeiten evakuiert werden konnte. Unser Dank gilt unserem Einsatzarzt Stefan Mees sowie der gesamten Besatzung der Sea-Eye 4 und unseren Partnern von United4Rescue für die erfolgreiche Rettung der über 400 Menschen. Nun, da die Flüchtlinge an Land gehen durften, appellieren wir an die italienischen Behörden, dass sie ihnen Zugang zur weiteren medizinischen und psychologischen Betreuung ermöglichen. Das ist unerlässlich, denn viele der Männer, Frauen und Kinder sind traumatisiert und gesundheitlich stark angegriffen“, sagt Dr. Christine Winkelmann, Vorständin German Doctors e. V.

SEA-EYE 4: Medizinische Evakuierung

Die SEA-EYE 4 hatte vom 14.05. bis 17.05.2021 in sechs Rettungseinsätzen über 400 Menschen aus hochseeuntauglichen Booten gerettet. Der UNHCR berichtete, dass die sogenannte libysche Küstenwache währenddessen insgesamt 650 Menschen davon abgehalten hat, das Bürgerkriegsland Libyen zu verlassen. Frühere Medienberichte zeigen, dass die EU-Staaten diese Zwangsrückführungen durch eigene Einsatzkräfte wie Frontex unterstützen. Die Crew der SEA-EYE 4 hat darauf selbst Hinweise gesammelt. Am 14.05. erreichte die Crew ein verlassenes Boot ohne Menschen, sichtete aber während des Einsatzes ein Frontex-Flugzeug. Und am 17.05. wurde die Crew nur auf ein Boot aufmerksam, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren.

Leeres Boot

Ich danke all unseren Partnern, besonders United4Rescue und German Doctors, die diese Rettungsmission möglich gemacht und uns unterstützt haben, über 400 Menschen vor dem Ertrinken zu retten“, so Isler.

Hilfsorganisationen müssen ohne staatliche Unterstützung operieren

Die Crew des neuen Bündnisschiffs SEA-EYE 4 rettete im Laufe des Sonntags und Montags, 16. und 17.05.2021, in sechs Rettungseinsätzen über 400 Menschen aus hochseeuntauglichen Booten. Alle Menschen wurden an Bord der SEA-EYE 4 gebracht und medizinisch untersucht. Unter den Geretteten sind viele Kinder, ein 8 Monate junges Baby und mehrere Schwangere.

Die EU-Staaten haben auf dem zentralen Mittelmeer die fortwährende humanitäre Krise immer weiter eskaliert. Die Flucht wird immer gefährlicher, weil sich die Menschen nicht einmal mehr trauen, um Hilfe zu rufen, denn die europäischen Rettungsleitstellen schicken ihnen nur noch die sogenannte libysche Küstenwache“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Einsatzcrew der SEA-EYE 4

Die SEA-EYE 4 hat zum ersten Mal Leben gerettet – was für großartige Nachrichten! Wir sind sehr glücklich und stolz, dass unser zweites Bündnisschiff über 400 Menschen in Sicherheit bringen konnte. Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht – auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, sagt Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue.

Zum ersten Mal unterstützt German Doctors einen Rettungseinsatz von Sea-Eye operativ. An Bord hat der Einsatzarzt, Stefan Mees, die Geretteten untersucht: „25 Menschen mussten wir im Bordhospital länger behandeln. Darunter befanden sich 3 Schwangere – eine davon ist im 8. Monat. 3 kleine Kinder waren ebenfalls in einem schlechten Zustand; wir konnten sie aber inzwischen stabilisieren. Bei einem Mann haben wir eine Lungenentzündung diagnostiziert. Zur Sicherheit haben wir bei ihm einen Corona-Test durchgeführt, der glücklicherweise negativ ausfiel. Die häufigsten Diagnosen waren: Unterkühlung, Austrocknung, Unterernährung sowie Seekrankheit und Ohnmacht.

SEA-EYE 4: Krankenstation

Sogenannte libysche Küstenwache verschleppt hunderte Menschen in das Bürgerkriegsland

In den letzten 48 Stunden hat die sogenannte libysche Küstenwache hunderte Menschen in das Bürgerkriegsland zurückverschleppt. Damit drohen ihnen Internierung und schwerste Menschenrechtsverletzungen. Wie frühere Medienberichte zeigen, arbeitet Frontex mit der sogenannten libyschen Küstenwache zusammen. Auch die Crew der SEA-EYE 4 hat dies bereits beobachtet. So wurde der Crew am Freitag ein Notruf von ca. 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot von Alarm Phone weitergeleitet. Als die Crew das Boot fand, fehlte von den Menschen jede Spur. Während des Einsatzes sichtete die SEA-EYE 4 ein Frontex-Flugzeug.

Leeres Boot

Da Frontex der sogenannten libyschen Küstenwache die Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden direkt oder indirekt mitteilt, müssen wir annehmen, dass diese Menschen auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, so Isler.

Bei der dritten Rettung am gestrigen Tag wurde die Crew auf ein Boot aufmerksam, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren. Auf dem Boot befanden sich weitere 50 Menschen.

Die EU-Staaten benutzen die libysche Küstenwache, um Menschen in einen über zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg zu verschleppen. Allen ist klar, was gerade passiert. Die EU-Staaten wollen diese Menschen lieber tot oder in Libyen sehen, als für sie Verantwortung zu übernehmen“, betont Isler.