Liebe Freund*innen von Sea-Eye,

in den letzten Wochen verloren über 500 Menschen ihr Leben auf dem Mittelmeer, weil ihnen niemand zur Hilfe kam.

Solche Nachrichten machen mich umso wütender, wenn gleichzeitig unser Rettungsschiff ALAN KURDI in Italien festgehalten wird. Was müssen wir tun, um die Situation zu verändern? Wir brauchen ein zusätzliches Rettungsschiff!

Wir stellen uns der Herausforderung eines größeren Schiffes, weil wir keine anderen Optionen haben. Wir gehen erst vor Anker, wenn kein Mensch mehr ertrinken muss.

Ein neues Schiff bedeutet einen enormen Arbeitsaufwand. Mit Hilfe von unseren vielen Ehrenamtlichen werden wir diese Aufgabe bewältigen. Ein neues Schiff bedeutet aber auch, dass wir Sie brauchen!

Die Kosten für die SEA-EYE 4 belaufen sich auf rund eine Million Euro. Damit finanzieren wir den Kauf, die Zertifizierung zum Rettungsschiff und den ersten Einsatz. Mit Hilfe von United4Rescue und der UNO-Flüchtlingshilfe haben wir bereits einen Großteil geschafft.

Ich bitte Sie heute deshalb, uns bei dieser riesigen Herausforderung auch Rückenwind zu geben. Mit Ihrer Hilfe schaffen wir es, die SEA-EYE 4 schnell auszurüsten und schon bald in den ersten Einsatz zu schicken!

Hoffnungsvoll

Ihr Günther Schmidt
– Schatzmeister von Sea-Eye e. V.

Günther Schmidt, Schatzmeister von Sea-Eye

Neues Bündnisschiff: SEA-EYE 4

Das Bündnis für Seenotrettung United4Rescue, dem mittlerweile mehr als 660 Bündnispartner angehören, will den Kauf und maßgeblich auch den Umbau des neuen Rettungsschiffes SEA-EYE 4 finanzieren.

Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972, 55 m lang, 11 m breit) wird aktuell zum Rettungsschiff umgebaut und durch die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye e. V. betrieben. Die SEA-EYE 4 ist deutlich größer als die ALAN KURDI, das derzeitige Rettungsschiff der Organisation. Sea-Eye hat seit Anfang 2016 rund 15.000 Menschen im Mittelmeer das Leben gerettet.

SEA-EYE 4: Werftarbeiten

Wir sind United4Rescue sehr dankbar. Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so großen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

„Seit unserer ersten Aktion für Sea-Watch bekommen wir enorm viel Unterstützung, sodass wir beschlossen haben: Wir schicken noch ein Schiff!“ sagt Sandra Bils, Gründungsmitglied von United4Rescue. „Fast täglich erreichen uns schreckliche Nachrichten von unbeantworteten Notrufen und Schiffsunglücken im Mittelmeer. Es kann nicht angehen, dass nicht ausreichend Rettungsschiffe zur Verfügung stehen.“

Keine sicheren Fluchtwege

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ignorieren ihre Pflicht zur Seenotrettung. Sie weigern sich, ihrer staatlichen, humanitären Aufgabe im Mittelmeer nachzukommen. Weil es zudem kaum sichere legale Fluchtwege gibt, wagen weiterhin viele Menschen die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Das Einsatzgebiet ist sehr groß und es gibt nur eine Handvoll Rettungsschiffe – ein weiteres ziviles Rettungsschiff ist daher dringend notwendig.

SEA-EYE 4: Werftarbeiten

Zudem wird die zivile Seenotrettung immer wieder aus politischen Gründen und mit bürokratischen Schikanen blockiert. United4Rescue unterstützt Rettungsorganisationen auch dabei, neue technische Auflagen zu erfüllen oder die festgesetzten Schiffe mit gerichtlichen Mitteln freizubekommen.

Aufgrund ihrer Größe und Ausstattung wird die SEA-EYE 4 in der Lage sein, mehr Menschen aufzunehmen und zu versorgen als die bisherigen Sea-Eye-Schiffe. Bis das vierte Schiff der Regensburger Seenotretter*innen einsatzfähig ist, sind umfassende Werftarbeiten notwendig.

United4Rescue finanziert Kauf und Umbau der SEA-EYE 4

United4Rescue will neben dem Kaufpreis auch maßgeblich den Umbau des Rettungsschiffes finanzieren. Insgesamt will sich das Bündnis mit 434.000,00 € am Projekt beteiligen. Um die SEA-EYE 4 möglichst schnell in den Einsatz schicken zu können, hat United4Rescue eine Spendenkampagne auf der Website www.wirschickennocheinschiff.de gestartet.

SEA-EYE 4: Werftarbeiten

Gemeinsam mit Partner*innen wie United4Rescue sind wir auf einem guten Weg. Aber um die SEA-EYE 4 fertig auszurüsten und in den Einsatz zu schicken, benötigen wir noch weitere Unterstützung“, so Isler.

„Die Notwendigkeit, dass unser Bündnis noch ein Schiff schickt, ist eigentlich ein Skandal. Es ist ein Unding, nein, ein Armutszeugnis, dass die europäischen Staaten ihrer Verpflichtung zu retten nicht nachkommen. Wir werden diesem politischen Versagen nicht tatenlos zusehen“, sagte Bils.

Sea-Watch Rechtshilfefonds unterstützt Sea-Eye bei Gerichtsverfahren

Im Mai 2020 wurde die ALAN KURDI nach einem aufwendigen und erfolgreichen Rettungseinsatz im Hafen von Palermo festgesetzt. Die Blockade unseres Rettungsschiffs war reine Schikane und hat uns von weiteren lebensrettenden Einsätzen abgehalten. Dies zeigte bereits die groteske Argumentation der italienischen Behörden. Unser deutscher Flaggenstaat widersprach dem Standpunkt Italiens entschieden, konnte aber auch keine Freilassung der ALAN KURDI erreichen. Deshalb entschieden wir Klage vor dem Verwaltungsgericht in Palermo einzureichen.

Die Kosten für das Verfahren in Palermo gegen die italienischen Behörden sind sehr hoch, weshalb Sea-Eye Unterstützung beim Sea-Watch Rechtshilfefonds beantragte. Der Rechtshilfefonds fördert Personen und Organisationen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Seenotrettung im Mittelmeer in juristische Auseinandersetzungen verwickelt werden. Die Förderung durch den Rechtshilfefonds deckt einen Großteil der bisherigen Verfahrenskosten und ermöglicht es uns, unser Recht „Leben retten zu dürfen“ einzuklagen.

Wir sind dem Sea-Watch Rechtshilfefonds sehr dankbar, dass er uns bei der schwierigen Auseinandersetzung mit den italienischen Behörden unterstützt. Rettungsschiffe vom Einsatz abzuhalten ist fahrlässig und darf nicht akzeptiert werden“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Wenn Hafenstaatkontrollen als politisches Druckmittel eingesetzt werden, bricht das mit essentiellen Grundsätzen des Seerechts und untergräbt die Autorität des Flaggenstaates sowie der Klassifizierungsgesellschaft. Es ist wichtig, dass sich Nichtregierungsorganisationen dagegen juristisch wehren“, so Jesse Huppenbauer, Vereinsvorsitzender von Sea-Watch Rechtshilfefonds e. V.

Die ALAN KURDI konnte im Juni aufgrund einer Sondererlaubnis in eine spanische Werft überführt werden. Im Kampf um die Freilassung des Rettungsschiffs wurden wir von mehr als 55.000 Menschen mit einer Petition unterstützt. Nach einem weiteren Rettungseinsatz im September ist die ALAN KURDI nun erneut auf Sardinien mit der gleichen rechtsmissbräuchlichen Argumentation wiederholt festgesetzt. Wir werden auch gegen diese Festsetzung Klage einreichen.

Die Klage vor dem Verwaltungsgericht in Palermo ist von großer Bedeutung, da wir erwarten, dass das Urteil Auswirkungen auf die Festsetzungen anderer Rettungsschiffe haben kann.