Über die brutalen Angriffe von EU-Staaten auf flüchtende Menschen

Ein Kommentar von Axel Pasligh, Politikwissenschaftler und Head of Communications bei Sea-Eye e. V.

Die SEA-EYE 4 lief am 8. Mai vom spanischen Burriana zu ihrer ersten Rettungsmission aus. Am 22. Mai ging sie in Pozzallo auf Sizilien zu Ende. Es gelang der Sea-Eye Crew, über 400 Menschen, darunter 150 Kinder, in Sicherheit zu bringen.

Dass diese zivile Rettungsmission überhaupt notwendig war, liegt daran, dass die EU-Staaten seit Jahren keine staatlichen Rettungsmissionen mehr betreiben. Sie benutzen Ertrinkenlassen als Waffe, um Menschen auf der Flucht sterben zu lassen. Zusätzlich beschäftigen sie die sogenannte libysche Küstenwache, um Menschen, die aus einem Bürgerkrieg fliehen, abzufangen und in die Internierungslager zurückzubringen.

SEA-EYE 4: Gerettete

2017 bezeichnete das Auswärtige Amt die Verhältnisse in libyschen Lagern als KZ-ähnlich. Trotz vieler ähnlicher Berichte unterstützen die EU-Staaten seit langem die Zwangsrückführungen der sogenannten libyschen Küstenwache, indem sie Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden an Libyen übermitteln. Damit beteiligt sich auch Deutschland an den Zwangsrückführungen in KZ-ähnliche Lager, von denen uns Folter, Sklaverei, Vergewaltigung und willkürliche Hinrichtungen bekannt sind.

Gleichzeitig sehen wir, wie spanische Soldat*innen am Strand von Ceuta hemmungslos auf wehrlose Menschen einprügeln. Um die schutzsuchenden Menschen, unter ihnen unbegleitete Minderjährige, direkt danach abzuschieben, ohne ihnen eine Chance auf einen Asylantrag zu geben. Videoaufnahmen zeigen, wie Menschen unter den Schlägen der Einsatzkräfte von Felsen ins Meer stürzen.

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In dem meterhohen, mit Stacheldraht und modernster Überwachungstechnik ausgestatteten Grenzzaun, der die spanische Exklave von Marokko trennt, sehen wir die architektonische Umsetzung der EU-Politik gegen flüchtende Menschen. Wo die EU-Staaten sich nicht durch das Mittelmeer abgrenzen können, verbarrikadieren sie sich, als würden auf der anderen Seite marodierende Horden und nicht hilfesuchende Familien mit Kindern stehen.

Wenn die Nachbarländer der EU-Staaten, wie kürzlich Marokko oder letztes Jahr die Türkei, nicht mehr die Drecksarbeit für die EU erledigen und schutzsuchende Menschen an die Grenze kommen lassen, sehen wir immer wieder das gleiche Bild. Europäische Polizist*innen und Soldat*innen prügeln auf die wehrlosen Menschen ein.

Die EU-Staaten wollen keine flüchtenden Menschen auf europäischem Boden. Deshalb bauen sie Grenzzäune, prügeln auf Flüchtende ein, lassen sie ertrinken, in Internierungslager zurückführen oder bauen selbst Elendslager, in denen Kinder von Ratten angefressen werden. Die EU-Staaten erkennen Flucht und die Suche nach Sicherheit nicht mehr als Menschenrechte an. Ihr Ziel ist stattdessen: Die Vernichtung von Flucht nach Europa.


Neuste Beiträge

SEA-EYE 4: Gerettete

Alle geretteten Menschen der SEA-EYE 4 sind an Land gegangen

Am 22. Mai konnte sich die Crew von den letzten der über 400 geretteten Menschen im Hafen von Pozzallo verabschieden und die Rettungsmission erfolgreich zu Ende führen. Der Empfang war jedoch alles andere als herzlich.

SEA-EYE 4: Gerettete

SEA-EYE 4: Die erste Rettungsmission

Die erste Rettungsmission der SEA-EYE 4 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wir haben die Ereignisse dieser besonderen Mission in einem Video zusammengefasst und wir haben eine Bitte.

Kinderrettungswesten und Stofftiere für die Kleinsten

Die SEA-EYE 4 hat ihre erste Rettungsmission durchgeführt und mit an Bord war die Unterstützung von BILD hilft e. V. „Ein Herz für Kinder“. Bei der Ausrüstung der SEA-EYE 4 zum Rettungsschiff hat „Ein Herz für Kinder“ mit Rettungsausstattung für Kinder geholfen.

Mit 100 Kinderrettungswesten spendet „Ein Herz für Kinder“ wichtiges Rettungsequipment für die Einsätze der SEA-EYE 4. Die Rettungswesten sind im Einsatzfall das erste Mittel, um Kinder vor dem Ertrinken zu bewahren und eine sichere Evakuierung der seeuntauglichen Boote zu gewährleisten.

Zusätzlich unterstützt „Ein Herz für Kinder“ die SEA-EYE 4 mit Stofftieren, um Kindern in dieser traumatischen Zeit eine kleine Freude zu bereiten. Der Wunsch nach Stofftieren wurde von der Sea-Eye Seecrew geäußert, da schon ein Stofftier eine große Wirkung für Kinder haben kann.

SEA-EYE 4: Rettung eines Kindes

In der Vergangenheit hat Sea-Eye viele Familien und Kinder aus Seenot gerettet. Bei der letzten Rettungsmission der SEA-EYE 4 war das jüngste Kind an Bord gerade einmal acht Monate alt.

Wir danken BILD hilft e. V. ‚Ein Herz für Kinder‘ sehr herzlich für diese Unterstützung. Tausende Kinder flohen in den letzten Jahren über das Mittelmeer. Rettungsequipment für die Kleinsten ist daher ein essenzieller Bestandteil unserer Ausrüstung,“ sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

SEA-EYE 4: Teddy

Kritik an Italiens Vorgehen gegen Flüchtende

Gestern konnte sich die Crew von den letzten der über 400 geretteten Menschen, unter ihnen waren 150 Kinder, im Hafen von Pozzallo verabschieden und die erste Rettungsmission mit unserem neuen Schiff SEA-EYE 4 erfolgreich zu Ende führen.

Während der Suche nach einem sicheren Hafen und bei der Ausschiffung der Geretteten zeigten die italienischen Behörden ihren tiefen Unwillen gegen uns und die Schutzsuchenden. So antwortete Italien erst zwei Tage nachdem wir einen sicheren Hafen angefragt hatten und wies uns daraufhin einen weit entfernten Hafen zu, der den geschwächten und teils traumatisierten Menschen eine weitere zweitägige Seereise auferlegte.

SEA-EYE 4: Gerettete

Als die SEA-EYE 4 im Hafen von Pozzallo angekommen war, begann ein menschenunwürdiges Trauerspiel mit den italienischen Einsatzkräften in der Hauptrolle. Ein Mitarbeiter der Hafenbehörde weigerte sich zuerst, an Bord zu kommen, weil er Angst habe, dass die „Migrant*innen“ Krankheiten übertragen würden. Flüchtende Menschen mit Krankheiten zu assoziieren, ist ein weit verbreitetes, rassistisches Stereotyp, mit dem Zweck, Menschen abzuwerten. Dieser Vorfall ist nicht nur beschämend, sondern ein Sinnbild für die gesamte rassistische Abschottungs- und Abschreckungspolitik der EU-Mitgliedsstaaten.

SEA-EYE 4: Gerettete

Der Tiefpunkt war die gewaltsame medizinische Untersuchung von Kleinkindern.

Dr. Jan Ribbeck Einsatzleiter auf der SEA-EYE 4 berichtete: „Das medizinische Personal vor Ort führte an Kleinkindern auf brutalste Art und Weise Zwangs-PCR-Tests durch die Nase durch. Sie haben vor Schmerzen geschrien. Als Arzt kann ich nicht verstehen, wie man kleine Kinder auf diese Weise behandeln kann. Es macht auch medizinisch keinen Sinn, Kindern in einem so jungen Alter solche Tests aufzuzwingen.

SEA-EYE 4: Gerettete

Am Freitagabend erklärten die italienischen Behörden, dass die SEA-EYE 4 mit den verbliebenen 141 geretteten Menschen wieder auf See hinausfahren solle, um dort die Nacht zu verbringen. Der Kapitän der SEA-EYE 4 befürchtete, dass sich die verbliebenen Menschen aus Verzweiflung ins Wasser stürzen könnten. Dank seines couragierten Protests konnte diese realitätsferne und gefährliche Anweisung abgewendet werden.

Nach zwei Tagen ging der letzte Gerettete von Bord der SEA-EYE 4. Italien hat sich wieder einmal von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Wir fragen uns, was Italien mit diesem menschenunwürdigen und teils brutalen Vorgehen bezwecken möchte. Denkt es, damit die EU-Staaten zu einer schnelleren Verteilung der Geflüchteten zu bewegen? Oder meint es, dass wir unsere Arbeit einstellen würden? Warum diese Schikanen und diese Gewalt gegen Schutzsuchende? Warum kämpfen die EU-Mitgliedstaaten gegen Geflüchtete, statt endlich etwas gegen Fluchtursachen zu unternehmen? Wie viele Menschen müssen diese Politik noch mit dem Leben bezahlen, bis man in den europäischen Hauptstädten bemerkt, dass diese Politik der Abschreckung und Abschottung menschenverachtend ist?

SEA-EYE 4: Gerettete

Die erste Rettungsmission der SEA-EYE 4 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wir haben die Ereignisse dieser besonderen Mission in einem Video zusammengefasst und wir haben eine Bitte.

Kritik an Italiens Wahl des Ausschiffungshafens

Am Freitag, 21.05.2021, lief das Rettungsschiff SEA-EYE 4 in den Hafen von Pozzallo ein. Kurz darauf durften die ersten der 400 geretteten Menschen, darunter 150 Kinder, das Schiff verlassen. Die Ausschiffung wird begleitet von rassistischen Kommentaren der behördlichen Einsatzkräfte vor Ort.

Einsatzleiter Jan Ribbeck kommentiert die Zustände: „Hier werden keine verhältnismäßigen und menschenwürdigen Maßnahmen ergriffen. Einem 8 Monate alten Baby und Kleinkindern wurden unter Schreien Nasenabstriche abgenommen.

Die Crew hatte bereits am Montag um einen sicheren Hafen gebeten. Erst zwei Tage später am Mittwochabend reagierten die italienischen Behörden und wiesen der SEA-EYE 4 Pozzallo auf Sizilien zu. Zu der Zeit befand sich die SEA-EYE 4 etliche Seemeilen entfernt auf der anderen Seite der Mittelmeerinsel direkt vor dem Hafen von Palermo. Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando, hatte zuvor eine Einladung an die geretteten Menschen und die Crew ausgesprochen, in seinem Hafen an Land zu gehen.

SEA-EYE 4: Gerettete

Durch die Wahl des Ausschiffungshafens Pozzallo mussten sehr viele Menschen zwei weitere Nächte auf den Stahlböden der SEA-EYE 4 schlafen. Die EU-Staaten behandeln Schutzsuchende zunehmend brutaler und schikanieren jene, die ihnen helfen wollen. Es ist einfach entsetzlich, dass spanische Soldaten Geflüchtete zurück ins Wasser prügeln und italienische Abgeordnete das im Kontext unserer Situation feiern, um den gleichen Umgang mit unseren Geretteten vorzuschlagen! Statt Fluchtursachen zu bekämpfen, greifen staatliche Akteure selbst flüchtende Menschen an. Wenn die EU weiter in diese Richtung kippt, dann können wir die Genfer Flüchtlingskonvention endgültig abschreiben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Gerettete an Bord der SEA-EYE 4

Die Zuweisung des sicheren Hafens erfolgte wenige Stunden nachdem ein junger Mann aufgrund eines schweren Herzleidens durch die italienische Küstenwache von der SEA-EYE 4 evakuiert werden musste. Malta hatte bereits am Dienstag abgelehnt, den geretteten Menschen einen sicheren Hafen zu bieten und ihr Leiden auf See zeitnah zu beenden. Die Menschen brauchen nun ein sicheres Umfeld und Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die letzten sieben Tage unserer Rettungsmission haben wieder einmal ganz deutlich das Versagen der EU-Staaten gezeigt. Regelmäßig ertrinken Menschen auf ihrer Flucht und Tausende werden in die Bürgerkriegshölle Libyens zwangsweise zurückgeführt. An die Einhaltung der Menschenrechte scheint in den Regierungen Europas niemand mehr zu denken“, sagt Isler zum Abschluss der Rettungsmission.

SEA-EYE 4: Gerettete

Wir freuen uns, dass die erste Rettungsmission unseres neuen Bündnisschiffes so erfolgreich zu Ende gegangen ist. Während die EU-Staaten flüchtende Menschen im Stich lassen und ihren Tod billigend in Kauf nehmen, hat sich hinter uns die Zivilbevölkerung zusammengeschlossen und rettet so viele Menschen, wie es möglich ist“, sagt Michael Schwickart, stellv. Vorsitzender von United4Rescue.

Wir sind froh, dass die medizinische Versorgung an Bord der Sea-Eye 4 erfolgreich war und sogar ein Notfall beizeiten evakuiert werden konnte. Unser Dank gilt unserem Einsatzarzt Stefan Mees sowie der gesamten Besatzung der Sea-Eye 4 und unseren Partnern von United4Rescue für die erfolgreiche Rettung der über 400 Menschen. Nun, da die Flüchtlinge an Land gehen durften, appellieren wir an die italienischen Behörden, dass sie ihnen Zugang zur weiteren medizinischen und psychologischen Betreuung ermöglichen. Das ist unerlässlich, denn viele der Männer, Frauen und Kinder sind traumatisiert und gesundheitlich stark angegriffen“, sagt Dr. Christine Winkelmann, Vorständin German Doctors e. V.

SEA-EYE 4: Medizinische Evakuierung

Die SEA-EYE 4 hatte vom 14.05. bis 17.05.2021 in sechs Rettungseinsätzen über 400 Menschen aus hochseeuntauglichen Booten gerettet. Der UNHCR berichtete, dass die sogenannte libysche Küstenwache währenddessen insgesamt 650 Menschen davon abgehalten hat, das Bürgerkriegsland Libyen zu verlassen. Frühere Medienberichte zeigen, dass die EU-Staaten diese Zwangsrückführungen durch eigene Einsatzkräfte wie Frontex unterstützen. Die Crew der SEA-EYE 4 hat darauf selbst Hinweise gesammelt. Am 14.05. erreichte die Crew ein verlassenes Boot ohne Menschen, sichtete aber während des Einsatzes ein Frontex-Flugzeug. Und am 17.05. wurde die Crew nur auf ein Boot aufmerksam, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren.

Leeres Boot

Ich danke all unseren Partnern, besonders United4Rescue und German Doctors, die diese Rettungsmission möglich gemacht und uns unterstützt haben, über 400 Menschen vor dem Ertrinken zu retten“, so Isler.

Hilfsorganisationen müssen ohne staatliche Unterstützung operieren

Die Crew des neuen Bündnisschiffs SEA-EYE 4 rettete im Laufe des Sonntags und Montags, 16. und 17.05.2021, in sechs Rettungseinsätzen über 400 Menschen aus hochseeuntauglichen Booten. Alle Menschen wurden an Bord der SEA-EYE 4 gebracht und medizinisch untersucht. Unter den Geretteten sind viele Kinder, ein 8 Monate junges Baby und mehrere Schwangere.

Die EU-Staaten haben auf dem zentralen Mittelmeer die fortwährende humanitäre Krise immer weiter eskaliert. Die Flucht wird immer gefährlicher, weil sich die Menschen nicht einmal mehr trauen, um Hilfe zu rufen, denn die europäischen Rettungsleitstellen schicken ihnen nur noch die sogenannte libysche Küstenwache“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Einsatzcrew der SEA-EYE 4

Die SEA-EYE 4 hat zum ersten Mal Leben gerettet – was für großartige Nachrichten! Wir sind sehr glücklich und stolz, dass unser zweites Bündnisschiff über 400 Menschen in Sicherheit bringen konnte. Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht – auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, sagt Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue.

Zum ersten Mal unterstützt German Doctors einen Rettungseinsatz von Sea-Eye operativ. An Bord hat der Einsatzarzt, Stefan Mees, die Geretteten untersucht: „25 Menschen mussten wir im Bordhospital länger behandeln. Darunter befanden sich 3 Schwangere – eine davon ist im 8. Monat. 3 kleine Kinder waren ebenfalls in einem schlechten Zustand; wir konnten sie aber inzwischen stabilisieren. Bei einem Mann haben wir eine Lungenentzündung diagnostiziert. Zur Sicherheit haben wir bei ihm einen Corona-Test durchgeführt, der glücklicherweise negativ ausfiel. Die häufigsten Diagnosen waren: Unterkühlung, Austrocknung, Unterernährung sowie Seekrankheit und Ohnmacht.

SEA-EYE 4: Krankenstation

Sogenannte libysche Küstenwache verschleppt hunderte Menschen in das Bürgerkriegsland

In den letzten 48 Stunden hat die sogenannte libysche Küstenwache hunderte Menschen in das Bürgerkriegsland zurückverschleppt. Damit drohen ihnen Internierung und schwerste Menschenrechtsverletzungen. Wie frühere Medienberichte zeigen, arbeitet Frontex mit der sogenannten libyschen Küstenwache zusammen. Auch die Crew der SEA-EYE 4 hat dies bereits beobachtet. So wurde der Crew am Freitag ein Notruf von ca. 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot von Alarm Phone weitergeleitet. Als die Crew das Boot fand, fehlte von den Menschen jede Spur. Während des Einsatzes sichtete die SEA-EYE 4 ein Frontex-Flugzeug.

Leeres Boot

Da Frontex der sogenannten libyschen Küstenwache die Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden direkt oder indirekt mitteilt, müssen wir annehmen, dass diese Menschen auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, so Isler.

Bei der dritten Rettung am gestrigen Tag wurde die Crew auf ein Boot aufmerksam, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren. Auf dem Boot befanden sich weitere 50 Menschen.

Die EU-Staaten benutzen die libysche Küstenwache, um Menschen in einen über zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg zu verschleppen. Allen ist klar, was gerade passiert. Die EU-Staaten wollen diese Menschen lieber tot oder in Libyen sehen, als für sie Verantwortung zu übernehmen“, betont Isler.

Gestern ist unser neues Rettungsschiff SEA-EYE 4 ins Einsatzgebiet aufgebrochen. Aber gestern hat Italien auch erneut das Rettungsschiff SEA-WATCH 4 festgesetzt. Ertrunkene Menschen gehören seit Jahren zur Migrationspolitik der EU. Wir werden alles tun, um so viele Menschen wie möglich aus dem Fadenkreuz der EU zu retten.

United4Rescue finanziert Mission des neuen Rettungsschiffs

Das neue Rettungsschiff SEA-EYE 4 brach am 08.05.2021 vom spanischen Hafen in Burriana zum ersten Mal in den Einsatz auf. Das Schiff wird das Such- und Rettungsgebiet im zentralen Mittelmeer voraussichtlich in 5 Tagen erreichen. Unterstützt wird der humanitäre Einsatz der SEA-EYE 4 auf dem Mittelmeer von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, und der Hilfsorganisation German Doctors.

United4Rescue finanziert Missionskosten

United4Rescue unterstützt die Missionen der SEA-EYE 4 mit weiteren 423.000 Euro und ermöglicht so die Erweiterung der zivilen Rettungskapazitäten im Mittelmeer. Zuvor hatte United4Rescue bereits maßgeblich den Kauf und Umbau des Schiffes finanziert. Die SEA-EYE 4 ist bereits das zweite Bündnisschiff von United4Rescue.

Wir sind unserem Bündnispartner United4Rescue sehr dankbar, dass sie uns weiter unterstützen. Dank der Hilfe von United4Rescue konnte die SEA-EYE 4 heute ins Einsatzgebiet aufbrechen. Mehr als 600 Menschen sind in den vergangenen 4 Monaten an Europas Außengrenze ertrunken. Italienische Wissenschaftler*innen zeigten kürzlich, dass die EU-Mitgliedsstaaten zuließen, dass das Risiko, auf See zu sterben, wieder deutlich gestiegen ist. Wir brauchen endlich sichere Fluchtrouten“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Fahne: United4Rescue

Wir sind stolz und glücklich, dass die SEA-EYE 4 mit unserer Unterstützung heute in ihren ersten Einsatz starten konnte. Das schlimme Bootsunglück Ende April und die vielen Rettungen der Sea-Watch 4 und der Ocean Viking in den vergangenen Wochen haben wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass die zivile Seenotrettung im Mittelmeer unverzichtbar ist. Auch wir möchten uns bei allen bedanken, die uns unterstützt und gespendet haben. Ohne sie wären der Kauf, der Umbau und die erste Mission der SEA-EYE 4 nicht möglich gewesen und wir hoffen auch in Zukunft auf eine breite Unterstützung“, sagt Michael Schwickart, Vorstandsmitglied von United4Rescue.

Neue Kooperation zwischen German Doctors und Sea-Eye

Um flüchtende Menschen, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden, besser medizinisch zu versorgen, sind German Doctors e. V. und Sea-Eye e. V. eine Kooperation eingegangen. So ist bei der aktuellen Mission erstmals ein German Doctor an Bord.

Der Internist und Einsatzarzt Stefan Mees begründet sein ehrenamtliches Engagement wie folgt: „Jedes Menschenleben ist kostbar und keines sollte in den Wassern des Mittelmeeres verloren gehen. Zudem wird aktuell nur durch die zivile Seenotrettung das Bewusstsein wachgehalten, dass an den europäischen Außengrenzen etwas Furchtbares passiert, das nicht mit europäischen Werten übereinstimmt.

Stefan Mees, Einsatzarzt von German Doctors

German Doctors ist Mitglied im Bündnis United4Rescue und machte sich schon in der Vergangenheit für die zivile Seenotrettung stark. Durch die Kooperation mit Sea-Eye bringt German Doctors sich nun auch operativ auf der SEA-EYE 4 ein.

Auch in den Zeiten der Pandemie dürfen wir den Blick nicht dafür verlieren, dass weiterhin Menschen auf den gefährlichen Seerouten ihr Leben riskieren, um vor Not, Elend und Verfolgung in ihren Herkunftsländern zu flüchten. Es ist unsere Verantwortung, dass wir uns auch auf dem Mittelmeer den Menschen in ihrer verzweifelten Situation annehmen und ihnen medizinische Erstversorgung auf der SEA-EYE 4 anbieten“, sagt Dr. Christine Winkelmann, Vorständin German Doctors e. V.

Die SEA-EYE 4 ist in der Lage deutlich mehr Menschen eine Erstversorgung zu bieten, als unsere bisherigen Rettungsschiffe. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, auch die medizinische Versorgung an Bord weiter zu professionalisieren. Die medizinische Erfahrung von German Doctors hilft uns dabei und wir freuen uns, mit ihnen einen weiteren, starken Bündnispartner an unserer Seite zu haben, der uns künftig operativ unterstützt“, so Isler.

SEA-EYE 4: Krankenstation

Zusätzliches Rettungsschiff wird dringend benötigt

Allein in diesem Jahr sind bis heute mindestens 616 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Die EU-Staaten setzen Ertrinken lassen und die sogenannte libysche Küstenwache weiterhin als Werkzeug ein, um schutzsuchenden Menschen ihre Rechte zu verwehren. Mit der SEA-EYE 4 stellt sich Sea-Eye dem Sterben auf der tödlichsten Fluchtroute der Welt entgegen und wird so viele Menschen wie möglich vor dem Ertrinken oder der Rückführung in libysche Internierungslager retten.

SEA-EYE 4

Sea-Eye dankt allen Unterstützer*innen, insbesondere den vielen ehrenamtlichen Helfer*innen in der Werft und bei der Überführung ins Mittelmeer sowie den vielen Spender*innen, die den Einsatz des neuen Rettungsschiffs SEA-EYE 4 möglich gemacht haben. Die gesamte Crew an Bord wurde vor der Mission negativ auf Corona getestet und hat eine Quarantäne an Bord des Schiffes absolviert. Auch im Falle einer Rettung ist die Crew auf potenzielle Corona-Fälle mit einem strikten Hygienekonzept vorbereitet.