Kindergerechter Beitrag der ARD zur Seenotrettung

Robert, Reporter von neuneinhalb, hat uns auf der ALAN KURDI besucht und mit Joshua, unserem 1. Offizier, über die Seenotrettung im Mittelmeer gesprochen. Joshua hat Robert unser Schiff gezeigt und wo wir Geflüchtete nach der Rettung an Bord unterbringen. Robert wollte es ganz genau wissen, also haben wir ihn mit aufs Meer genommen und ihm gezeigt, wie eine Rettung abläuft.

Schauen Sie sich den Beitrag von neuneinhalb an, er ist nicht nur für Kinder geeignet.

  • Sea-Eye fordert EU-Mitgliedsstaaten auf, Seenotrettung zu betreiben
  • neue Marine-Operation braucht humanitäres Mandat

Am 17. Februar hat Josep Borrell, Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Pläne für eine neue Militär-Mission „Operation EU Active Surveillance“ im Mittelmeer vorgestellt. Ziel der Mission ist es, das beschlossene Waffenembargo für Libyen militärisch zu überwachen. Darauf hatten sich die EU-Außenminister*innen geeinigt.

Sea-Eye kritisiert die Rahmenbedingungen der „Operation EU Active Surveillance“ scharf.

  • Die Schiffe sollen sich nur maximal auf 100 Kilometer der libyschen Küste nähern, um während der Einsätze nicht in die internationale seerechtliche Verpflichtung zu kommen, in Seenot geratene Flüchtende retten zu müssen.
  • Das Einsatzgebiet soll sich ausschließlich im östlichen Mittelmeer befinden. Dort sind so gut wie keine Menschen in Seenot. Nur wenige Stunden westlich müssen hingegen täglich Menschen um ihr Leben fürchten.
  • Falls die Schiffe der Marine zu viele Menschen aus Seenot retten, soll die Mission wieder eingestellt werden.

Die Intention ist eindeutig: Unter keinen Umständen sollen Menschen aus Seenot gerettet werden. Staatliche Seenotrettung ist unerwünscht.

Derweil fliehen weiterhin Menschen aus dem Bürgerkriegsland Libyen und riskieren auf der Suche nach Sicherheit ihr Leben auf dem Mittelmeer.

Forderungen an die Außenminister*innen der EU

Wir fordern deshalb die Außenminister*innen der EU-Mitgliedsstaaten, speziell Außenminister Heiko Maas und seinen österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg, dazu auf, die Schiffe mit einem ausdrücklichen Mandat zur Suche und Rettung auszustatten und aktiv Menschen aus Seenot zu retten. Die Schiffe müssen zwingend in der libyschen Such- und Rettungszone eingesetzt werden und internationalen Gesetzen Rechnung tragen. Wenn europäische Marineeinheiten im Mittelmeer operieren, müssen diese Schiffe unbedingt zur Seenotrettung eingesetzt werden.

Petition gestartet

Um dieser Forderung zur Einhaltung fundamentaler Menschenrechte auf See Nachdruck zu verleihen, hat Sea-Eye eine Petition gestartet. Damit fordern wir die europäische Gesellschaft dazu auf, sich unserem Appell an die Außenminister*innen der EU-Mitgliedsstaaten anzuschließen.

„Seit Jahren verlassen sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf, dass zivile Retter*innen Menschen in Seenot finden und versorgen. Diese zivilen Organisationen gibt es aber nur, weil die EU-Mitgliedsstaaten bis heute keine Schiffe geschickt haben, um dort Seenotrettung zu betreiben. Wir versuchen eine immer größer werdende Lücke zu füllen“, sagt Julian Pahlke, Sprecher der Organisation Sea-Eye e. V.

„Wenn nun zur Durchsetzung des Waffenembargos wieder staatliche EU-Schiffe in das Seegebiet vor Libyen zurückkehren, müssen diese auch einen klaren humanitären Auftrag bekommen. Und dies bedeutet, Menschen in Seenot aktiv zu suchen, zu retten und in Sicherheit zu bringen. Wegschauen ist eine Missachtung der Menschenrechte“ , sagt Lena Meurer, Mitglied des Vorstandes von Sea-Eye e. V.

Sea-Eye errichtet Seenotrettungsstützpunkt auf Sizilien

Am Samstag empfing Bürgermeister Leoluca Orlando die Sea-Eye-Vorstände Jan Ribbeck und Gorden Isler im Rathaus von Palermo. Orlando ist in Italien der wohl lauteste politische Unterstützer der zivilen Seenotretter*innen und der Menschenrechte, für die sie eintreten. In der Zeit von Salvinis „geschlossenen Häfen“ machte er immer wieder deutlich, dass Palermos Häfen für aus Seenot gerettete Menschen offen blieben. Orlando unterstützt auch das Bündnis United4Rescue, ernannte verschiedene Seenotretter*innen zu Ehrenbürger*innen von Palermo und nutzte seinen politischen Einfluss, um die Arbeit der Hilfsorganisationen zu erleichtern.

Sea-Eye Ehrenmitglied Leoluca Orlando

Deshalb hat Sea-Eye nun Leoluca Orlando die Ehrenmitgliedschaft im Verein von Sea-Eye angeboten, um sein unersetzbares Engagement höchstmöglich zu würdigen. Mit den Worten „es ist mir eine große Ehre“ willigte er sichtlich gerührt ein und nahm eine Urkunde der Regensburger Seenotretter*innen entgegen.

„Orlandos Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte ist sehr viel älter als Sea-Eye. Ihn auf diese Weise wertschätzen zu dürfen, ist auch eine besondere Ehre für uns“, betonte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ribbeck und Isler informierten Orlando über die weiteren Pläne der Organisation. So beabsichtige Sea-Eye, zukünftig mit der ALAN KURDI von Sizilien aus in Rettungseinsätze zu starten und einen Seenotrettungsstützpunkt in Palermo zu errichten.

„Durch die kürzeren Anfahrten schonen wir unsere Ressourcen und erhöhen unsere Anwesenheitszeiten in der libyschen Such- und Rettungszone. Wir erhoffen uns so vor allem, mehr Menschenleben retten zu können“, sagte Jan Ribbeck, stellvertretender Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ehrenmitgliedschaft für Leoluca Orlando

Aufgrund der rigiden Innenpolitik unter Matteo Salvini musste die ALAN KURDI in 2019 immer wieder von Spanien starten. Die Crews und Geretteten erlebten zahlreiche unwürdige Blockaden. Leoluca Orlando sicherte seine weitere Unterstützung für die Zukunft zu und bat Sea-Eye wiederum, immer offen über die Bedarfe der Rettungskräfte zu sprechen.

„Wir sind unendlich dankbar für einen Verbündeten wie Leoluca Orlando, denn im Vergleich zu den größeren Organisationen bleiben unsere Möglichkeiten sehr limitiert. Dass wir Hilfe brauchen, ist kein Geheimnis“, so Ribbeck weiter.

Die ALAN KURDI soll Mitte März die spanische Werft verlassen und in die libysche Such- und Rettungszone zurückkehren.

Mitglieder würdigen besondere Verdienste von Gründer Michael Buschheuer

  • Sea-Eye-Mitgliederversammlung wählt neuen Vereinsvorstand
  • Herausforderungen durch weiteren Professionalisierungsbedarf
  • Besondere Würdigung des Vereinsgründers Michael Buschheuer
  • ALAN KURDI absolviert Werftaufenthalt in Spanien

Am Samstag trafen sich mehr als 60 der insgesamt 500 Vereinsmitglieder von Sea-Eye zur jährlichen Mitgliederversammlung in Regensburg. In einer achtstündigen Sitzung stellte sich das höchste Vereinsgremium den aktuellen Fragestellungen.

So wählte die Mitgliederversammlung den Hamburger Gorden Isler erneut zum Vereinsvorsitzenden. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Jan Ribbeck aus Kempten im Amt bestätigt. Ebenfalls in der Verantwortung blieben der Regensburger Günther Schmidt und der Weidener Dominik Reisinger. Neu im Vorstand ist Lena Meurer. Der Vorstand von Sea-Eye arbeitet nach wie vor ehrenamtlich.

In einer offenen Aussprache ging es insbesondere um die Zukunft der Regensburger Seenotretter*innen. So war man sich darin einig, dass die internationale Staatengemeinschaft derzeit erfolgreicher darin ist, neue Fluchtursachen zu schaffen als sie zu beseitigen. Nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Staatliche Akteure haben die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer gänzlich eingestellt und überlassen die dortigen Seenotfälle der sogenannten libyschen Küstenwache. An zivile Seenotrettungsorganisationen werden zunehmend höhere Anforderungen gestellt. Viele mussten aufgeben. Sea-Eye ist mit der ALAN KURDI weiter einsatzfähig. Die Mitglieder wollen mit ihrem Schiff weiter Menschenleben retten, weil es einfach notwendig bleibt. Der Verein wird seine Professionalisierungsstrategie daher weiter fortsetzen und durch Gründung einer Sea-Eye-Akademie noch mehr Menschen dazu befähigen, ehrenamtliche Seenotretter*innen zu werden.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung des Regensburgers Michael Buschheuer. Der Verein wurde vor 4 Jahren auf seine Initiative hin gegründet. Michael Buschheuer selbst war zur „Young Security Conference“ im Kontext der parallel stattfindenden Münchener Sicherheitskonferenz als Referent eingeladen worden und konnte deshalb nicht an der Versammlung teilnehmen. Die Mitglieder beschlossen seine besondere Bedeutung und würdigten seine beispielhafte Courage und seinen unermüdlichen Einsatz für Sea-Eye e. V.

„Als Gründer ist Michael Buschheuer in besonderer und wiederholender Weise zu würdigen. Wir sehen in Michael einen sehr wichtigen und unglaublich engagierten Repräsentanten“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Das Sea-Eye-Schiff ALAN KURDI absolviert derweil einen Werftaufenthalt in der spanischen Stadt Burriana. Mehr als 60 ehrenamtliche Helfer*innen bereiten das Schiff auf das Einsatzjahr 2020 vor. Nach Absolvierung der Werft soll die ALAN KURDI für den Rest des Jahres wieder einsatzfähig sein.