In dieser Woche wurde die Entscheidung getroffen, die Partnerschaft zwischen Sea-Eye und MOAS zu beenden. Beide Organisationen bleiben der Rettung von Menschenleben auf See und ihrem humanitären Auftrag verbunden.

Obwohl die Partnerschaft nicht zu einem gemeinsamen Einsatz im Jahr 2021 führt, sind wir der Meinung, dass die strategische Planung und die bisherige prozessuale Zusammenarbeit für beide Parteien von Vorteil waren.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen und Methoden, die in die Partnerschaft eingebracht wurden, haben auf beiden Seiten Möglichkeiten zum Lernen und Wachsen geschaffen.

Es wurde jedoch beschlossen, dass es für beide Seiten von Vorteil wäre, wenn beide Parteien zum jetzigen Zeitpunkt unabhängig voneinander operative Maßnahmen entwickeln würden.

Bei Such- und Rettungsmissionen geht es um die Zusammenarbeit aller Akteure zu Wasser, zu Lande und in der Luft, um möglichst viele Menschenleben zu retten, wenn es darauf ankommt. Wir hoffen, dass diese kurze, aber effektive Zusammenarbeit mit Sea-Eye zusätzliche Ratschläge und Fachwissen geliefert hat, damit sie bei ihrem bevorstehenden Einsatz im zentralen Mittelmeer möglichst viele Menschenleben retten können“, sagte Regina Catrambone, Direktorin von MOAS.

Es war eine sehr wichtige Erfahrung, mit dem Team von MOAS zusammenzuarbeiten, und wir danken ihnen für die Zusammenarbeit, von der unsere zukünftigen Rettungsmissionen profitieren werden. Auch unser Team hat von der Expertise von MOAS gelernt. Wir fühlen uns bestens vorbereitet, um unsere Rettungseinsätze mit der SEA-EYE 4 durchzuführen“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Das Schiff SEA-EYE 4 wird derzeit zum Rettungsschiff umgebaut und soll im Frühjahr in den ersten Einsatz starten.

Italienische Küstenwache verweigert weitere Inspektionen

Seit drei Monaten hält die italienische Küstenwache das Sea-Eye-Rettungsschiff ALAN KURDI in Olbia auf Sardinien fest. Gegen die Festsetzung reichte Sea-Eye am 05. Januar 2021 Klage beim Verwaltungsgericht in Cagliari ein. Das Gericht soll nun in einem Eilverfahren über die Rechtmäßigkeit der Festsetzung entscheiden. Es war die zweite Festsetzung des Schiffes in Folge eines Rettungseinsatzes im vergangenen Jahr. Im September hatte die Crew der ALAN KURDI 133 Menschen gerettet, darunter 62 Minderjährige.

Die italienische Küstenwache argumentiert unter anderem, dass das Schiff zu wenig Toiletten an Bord hätte, die Fäkalientanks seien zu klein und es seien zu viele Rettungswesten an Bord. Es sind die gleichen politisch motivierten Argumente, die von der Küstenwache auch gegen andere deutsche Rettungsschiffe vorgetragen werden.

Zuletzt verweigerte die italienische Küstenwache weitere Inspektionen zur Beendigung der Festsetzung. Als Argument wurde angeführt, dass die Erklärungen der deutschen Flaggenstaatsverwaltung und der Klassifikationsgesellschaft „keine eindeutigen Beweise und Belege“ dafür wären, dass die Beanstandungen des Schiffes behoben seien.

Die Küstenwache nimmt aus rein politischen Motiven bewusst eine grundsätzlich gegensätzliche Haltung zu den deutschen Kolleg*innen ein und schafft so eine unauflösbare Situation. Deshalb können wir praktisch nichts Anderes tun als erneut zu klagen“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Mit Blick auf das Gerichtsverfahren der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch, deren Klage gegen die Festsetzung zweier Rettungsschiffe am 23. Dezember 2020 vom Verwaltungsgericht in Palermo an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen wurde, sagt Isler weiter:

Wir befürchten, dass unser Fall ebenfalls an den EuGH verwiesen wird. Ein mehrjähriges Verfahren würde große Probleme verursachen und grundsätzliche Fragen aufwerfen. Auch ein blockiertes Schiff kostet viel Geld. Das sind Spenden, die wir lieber in die Ausrüstung unseres neuen Rettungsschiffes SEA-EYE 4 investieren wollten, um Menschenleben zu retten, statt vor Gericht über politisch motivierte Scheinargumente zu streiten.

Im August wehrte sich Sea-Eye zum ersten Mal gegen die Festsetzung der ALAN KURDI vom 5. Mai. Bis heute gibt es in dieser Sache jedoch noch keinen Verhandlungstermin.