SEA-EYE 5 rettet Menschen aus seeuntüchtigen Schlauchbooten im zentralen Mittelmeer – medizinische Evakuierung und schwierige Sicherheitslage während des Einsatzes

Am vergangenen Samstag und Sonntag war die SEA-EYE 5 an zwei Rettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer beteiligt. Insgesamt konnten 72 Menschen aus seeuntüchtigen Schlauchbooten in Sicherheit gebracht werden. Mehrere gerettete Personen mussten medizinisch versorgt werden, für eine schwangere Frau wurde eine Evakuierung per Helikopter angefordert.

Am Sonntag gegen 14:30 Uhr erhielt die Crew der SEA-EYE 5 einen Notruf des zivilen Alarm Phone-Netzwerks. Gemeldet wurde ein manövrierunfähiges Schlauchboot innerhalb der libyschen Such- und Rettungsregion. Die SEA-EYE 5 nahm umgehend Kurs auf das Einsatzgebiet.

45 Menschen aus manövrierunfähigem Schlauchboot gerettet

Gemeinsam mit dem Aufklärungsflugzeug Seabird 2 der Organisation Sea-Watch lokalisierte die Crew der SEA-EYE 5 am Abend das vollkommen überfüllte und manövrierunfähige Schlauchboot. An Bord befanden sich 45 Menschen, darunter eine schwangere Frau, ein Kind sowie ein Baby.

Während der Rettung näherte sich ein Schiff der sogenannten libyschen Küstenwache der Einsatzstelle. Die Menschen auf dem Schlauchboot reagierten sichtbar verängstigt, da es häufig zu illegalen und gewaltsamen Rückführungen durch die libyschen Milizen kommt. Die Rettung konnte dennoch fortgesetzt und abgeschlossen werden. Um kurz nach 23:00 Uhr befanden sich alle Schutzsuchenden sicher an Bord der SEA-EYE 5.

„Unsere Crew hat am Wochenende viele Menschen aus akuter Seenot retten können. Doch die Zustände im zentralen Mittelmeer sind unhaltbar:Selbst nach einer erfolgreichen Rettung müssen zivile Seenotrettungsorganisationen damit rechnen, dass es zu Bedrohungen durch libysche Milizen kommt. Das haben nicht zuletzt die Schüsse auf die Sea-Watch 5, ganz in der Nähe der SEA-EYE 5, eindrücklich gezeigt. Dass humanitäre Hilfe unter solchen Bedingungen stattfinden muss, darf politisch nicht länger hingenommen werden“, mahnt Anna di Bari, Vorständin von Sea-Eye.

Suche nach weiterem Seenotfall unter schwierigen Bedingungen

Nach Abschluss des Rettungseinsatzes begann die SEA-EYE 5 die Suche nach einem weiteren gemeldeten Seenotfall in der Nähe. 

Ein unbekanntes libysches Schiff näherte sich dabei mehrfach mit hoher Geschwindigkeit und geringem Abstand und reagierte nicht auf Funkkontaktversuche, wodurch der Suchkurs der SEA-EYE 5 aktiv behindert wurde. 

Da weder ein Boot noch Hinweise auf ein mögliches leeres Schlauchboot gefunden wurden und keine neuen Informationen vorlagen, beendete die SEA-EYE 5 die Suche. Die italienischen Behörden wiesen Catania als sicheren Hafen zu.

Medizinische Evakuierung während der Überfahrt

Bei der schwangeren Frau an Bord stellte sich der Gesundheitszustand als so kritisch dar, dass die Crew eine medizinische Evakuierung anforderte. Die betroffene Person wurde per Helikopter in ein Krankenhaus nach Malta gebracht, damit sie dort schnellstmöglich behandelt werden konnte.

Die geretteten Menschen an Bord sind durch die gefährliche Überfahrt und die Zeit in Libyen stark geschwächt. Einige zeigen Spuren von Gewalt und Folter, viele leiden unter schmerzhaften Treibstoffverbrennungen, Dehydrierung, Seekrankheit und Erschöpfung. Eine schwangere Frau musste medizinisch evakuiert werden, nachdem sie über längere Zeit weder essen noch trinken konnte und sich ihr Gesundheitszustand trotz Behandlung weiter verschlechterte“, erklärt Vanessa Guidi von German Doctors, die die medizinische Versorgung auf der SEA-EYE 5 leitet.

Am frühen Dienstagnachmittag konnten schließlich alle verbleibenden Schutzsuchenden sicher in Catania an Land gehen.

Bereits am Samstag war die SEA-EYE 5 an einem weiteren Rettungseinsatz beteiligt. Gemeinsam mit dem Rettungsschiff Solidaire konnte die Crew 27 Menschen aus einem seeuntüchtigen Schlauchboot in Sicherheit bringen.