Kinder und Schwangere an Bord: SEA-EYE 5 fordert dringend näheren sicheren Hafen

Wasserknappheit an Bord und zunehmender Wellengang verschärfen die Lage – Crew fordert erneut sofortige Zuweisung eines nähergelegenen sicheren Hafens.

In der Nacht von Montag auf Dienstag erreichte die SEA-EYE 5 gegen 00:00 Uhr ein Notruf von Alarm Phone: Ein seeuntüchtiges Schlauchboot befand sich in der tunesisch-maltesischen Search-and-Rescue-Zone in Seenot. Die Crew machte sich umgehend auf den Weg zum Einsatzort.

Als die SEA-EYE 5 das Schlauchboot erreichte, befanden sich 26 Menschen an Bord, darunter mehrere Kinder sowie fünf Frauen, darunter zwei Schwangere. Alle Geretteten waren verängstigt, erschöpft und unterkühlt. Die Crew konnte alle Personen sicher an Bord nehmen.

Unmittelbar nach der Rettung verschlechterten sich die Wetterbedingungen zunehmend. Die SEA-EYE 5 ist derzeit starkem Wind und Wellen von bis zu 1,5 Metern ausgesetzt. Trotz der angespannten Lage und der besonders vulnerablen Personen an Bord wiesen die italienischen Behörden Tarent als sicheren Hafen zu – eine Fahrt von rund 48 Stunden.

Die Menschen an Bord sind vollkommen erschöpft. Viele leiden unter schwerer Seekrankheit, sind unterkühlt und haben seit Tagen keinen sicheren Ort zum Ausruhen. Mit dem zunehmenden Wind und dem hohen Wellengang verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch.

Besonders alarmierend ist die Situation der vulnerablen Personen an Bord: Kinder sowie fünf Frauen, darunter zwei Schwangere, leiden massiv unter den zunehmend harschen und andauernden Bedingungen auf See.

Aus medizinischer Sicht ist die Lage hochkritisch. Jede weitere Stunde auf See setzt die geretteten Menschen zusätzlicher Gefahr aus und verschärft ihr Leiden unnötig“, erklärt Vanessa Guidi von German Doctors, die die medizinische Versorgung auf der SEA-EYE 5 leitet.

Zusätzlich ist die Wasseraufbereitungsanlage an Bord ausgefallen. Die Crew sieht daher mit großer Sorge auf die verbleibende Überfahrt nach Tarent. Sie hat die italienischen Behörden bereits viermal um die Zuweisung eines nähergelegenen sicheren Hafens gebeten – bislang ohne Erfolg.

Anna di Bari, Vorständin von Sea-Eye erklärt: „Die SEA-EYE 5 ist ein für die Seenotrettung hervorragend geeignetes Schiff – jedoch nicht für politische Spiele der italienischen Behörden, bei denen ohne sachlichen Grund ein weit entfernter Hafen zugewiesen wird. Es geht um die Sicherheit der Crew und der geretteten Menschen an Bord. Wir wiederholen daher unsere dringende Anfrage an die zuständigen Behörden, einen nähergelegenen sicheren Hafen zuzuweisen.

Update: Am Donnerstagmorgen (21.05.) konnten alle 26 Überlebenden sicher in Tarent an Land gehen.