Niemand fühlt sich für die Rettung von Menschen verantwortlich

  • Lage auf der ALAN KURDI bleibt unverändert schlecht
  • Unsere Bordärztin dokumentiert Folterspuren
  • Ein Lösungsvorschlag für die ALAN KURDI steht im Raum

Auf dem zentralen Mittelmeer spielten sich am Ostersonntag dramatische Szenen ab. Während die ALAN KURDI vor Sizilien blockiert wird, wurden am Ostersonntag weitere Seenotfälle bekannt, für die sich niemand verantwortlich fühlt. Selbst für Seenotfälle, die eindeutig in der maltesischen Such- und Rettungszone gemeldet wurden, leitete Malta keine Rettungen ein. Die sogenannte libysche Küstenwache hat ebenfalls die Arbeit eingestellt, weil nicht genügend Schutzmasken vorrätig seien, berichtete Spiegel Online. Es ist zu befürchten, dass an diesem Osterwochenende dutzende Menschen ertrunken sind.

Derweil mussten 149 gerettete Menschen ihre achte Nacht auf der ALAN KURDI verbringen. Die Menschen müssen auf engstem Raum an Deck schlafen und sich zwei Toiletten und eine Dusche teilen. In Gesprächen mit unserem Menschenrechtsbeobachter berichteten einige Gerettete, in Libyen gefoltert worden zu sein. Unsere Bordärztin dokumentierte Narben und Verbrennungen. Einer Person wurden die Finger gebrochen.

Die italienische Verkehrsministerin und der Leiter des Zivilschutzes machten inzwischen den Vorschlag, die geflüchteten Menschen auf ein größeres, italienisches Schiff zu transferieren, um dort eine Quarantäne durchzuführen. Das Auswärtige Amt bestätigt, dass es sich um einen sehr ernsthaften Lösungsweg handelt.

Lebensmittel für die ALAN KURDI

Die italienische Küstenwache unterstützte die ALAN KURDI bereits zweimal mit einem Hilfsgütertransport. Leoluca Orlando, der Bürgermeister von Palermo, steht im engen Kontakt zu unserem Einsatzleiter Jan Ribbeck. Orlando kämpft für die Geretteten und die Crew der ALAN KURDI.

„Das Recht auf Gesundheit hat ein jeder Mensch“, sagte Orlando der italienischen Presse.

Am Osterwochenende sollte eigentlich die dritte Rettungsmission des Jahres starten. Aber die Mission musste leider abgesagt werden. Die Blockade setzt Sea-Eye neben dem Corona bedingten Spendeneinbruch ernsthaft zu. Jeder zusätzliche Tag kostet rund 2.500 €. Die Zeiten, in denen die Rettung von Menschenleben zu öffentlicher Aufmerksamkeit und zu Spenden führten, sind längst vorbei. Deshalb bitten wir Sie um Ihre Unterstützung.

In einem dramatischen Rettungseinsatz konnte die Crew der ALAN KURDI letzten Montag 68 Menschen das Leben retten. Ein zweiter Rettungseinsatz mit 82 Menschen folgte wenige Stunden später.

Unsere einzige Bitte an die 27 EU-Mitgliedsstaaten mit 447 Millionen Einwohnern war, diesen 150 Menschen Sicherheit und Frieden zu geben.

Hilfe schickte bisher nur Italien. Wir erhielten Lebensmittel und eine Person wurde von der italienischen Küstenwache evakuiert. Einige Menschen sind durch Folterspuren aus dem Bürgerkriegsland Libyen gezeichnet.

Anna, erste Offizierin der ALAN KURDI, und Josefin, Teil unseres medizinischen Teams, berichten von Bord.

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Italienische Küstenwache evakuiert eine Person in der Nacht zum Karfreitag

  • ALAN KURDI erhält keine Lebensmittel, Medikamente oder Treibstoff von Italien
  • Italienische Küstenwache evakuiert eine Person vor Lampedusa
  • Italien, Malta und Libyen bezeichnen eigene Häfen als unsicher
  • deutsche Rettungsleitstelle mit Koordinierung überfordert
  • ALAN KURDI sucht Wetterschutz im Nordwesten von Sizilien

Rund einen Tag brauchte die italienische Rettungsleitstelle MRCC Rom, um die Bitte der ALAN KURDI-Kapitänin Bärbel Beuse nach Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff abzulehnen. Die dazu nötigen Bootsdienste seien auf den Inseln Lampedusa und Linosa nicht verfügbar. Italien verwies auf Malta. Die maltesische Rettungsleitstelle reagierte sofort: „Versuchen Sie nicht, das auf Malta abzuladen.“ Damit macht die Rettungsleitstelle in Valletta klar, dass auch Malta nicht zur Hilfe bereit ist.

Die Lage an Bord der ALAN KURDI spitzt sich immer weiter zu, denn das Rettungsschiff ist zur dauerhaften Beherbergung von 150 Menschen nicht geeignet. Die Kapitänin Bärbel Beuse insistiert in der Nacht zum Karfreitag und wiederholt ihre Bitte nach den dringendsten Bedarfen:

Wir müssen betonen, dass unser Schiff innerhalb der nächsten 48 Stunden Lebensmittel benötigt.

Inzwischen erklärte neben Italien und Malta nun auch Libyen die eigenen Häfen als unsicher für die Ausschiffung und Versorgung von aus Seenot geretteten Menschen. Aktuell verbietet Libyen einem Schiff der sogenannten libyschen Küstenwache mit rund 280 Personen das Einlaufen in einen libyschen Hafen. Die libysche Küstenwache erklärte derweil, dass sie keine weiteren Rettungen durchführen könne, weil keine Atemschutzmasken vorhanden seien. Vincent Cochetel, Sonderbotschafter der Vereinten Nationen, sagt gegenüber Spiegel Online, dass die Schlepper diese Situation ausnutzen könnten und die Flüchtenden notfalls anlügen würden. Tatsächlich erreichten in den vergangenen Tagen Flüchtende mit mehreren Booten unter großer Gefahr die italienische Insel Lampedusa. Wie viele Boote auf dem Mittelmeer verschwanden und wie viele Menschen ertranken, ist unbekannt.

Es kann nicht sein, dass wir milliardenschwere Rettungspakete für die europäische Industrie sehen und gleichzeitig behauptet wird, dass es für den Schutz von Migrant*innen keine Ressourcen gibt“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V. „So hat Europa eine Situation zugelassen, in der humanitäre Katastrophen mittlerweile miteinander konkurrieren und gegeneinander ausgespielt werden“, sagt Isler weiter.

Die deutsche Rettungsleitstelle gibt in der Nacht zum Karfreitag an, dass man mit der Koordinierung der Situation des deutschen Schiffes überfordert sei.

So schrieb Bremen an die Kolleg*innen in Rom: „I am fully aware of the brisance of the actual situation but MRCC Bremen is not able to respond as you expect or hope for.“

Freitagmittag setzte die ALAN KURDI Kurs auf eine Position nordwestlich von Sizilien, um Wetterschutz vor bevorstehenden, schweren Unwettern zu suchen. Die Sea-Eye-Einsatzleitung informierte die deutschen Behörden bereits am Vormittag über diese Entscheidung.

Italienisches Versorgungsschiff verweigert die Rettung von 82 Menschen

  • ALAN KURDI rettet 68 Menschen am Montagvormittag
  • Libysche Miliz gefährdet Rettung und gibt Schüsse ab
  • weitere Rettung von 82 Menschen am Montagnachmittag
  • italienischer Offshore-Versorger ASSO VENTINOVE verweigert die Rettung
  • Bundesinnenministerium bittet Seenotrettungsorganisationen darum, die Arbeit einzustellen

Am Montagmorgen rettete die Crew der ALAN KURDI 68 Menschen aus einem überfüllten Holzboot in den internationalen Gewässern vor Libyen. Der Notruf wurde von Alarm Phone gemeldet und von Sea-Eye-Kapitänin Bärbel Beuse sofort an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Während der Rettung gefährdete ein libysch beflaggtes Schnellboot die Arbeit der Sea-Eye-Rettungskräfte. Nach Schüssen in die Luft sprang rund die Hälfte der Flüchtenden ohne Rettungsweste panisch ins Meer, um zur ALAN KURDI zu schwimmen. Unsere Rettungskräfte brachten alle vorhandenen Rettungsmittel ins Wasser und setzten ein sogenanntes CentiFloat ein, um die Personen vor dem Ertrinken zu retten.

„Als ich die Schüsse der Libyer hörte, hatte ich große Sorge um meine Mannschaft und die Flüchtenden“, sagt Stefan Schütz, Einsatzleiter an Bord der ALAN KURDI.

Nachdem sich die Lage beruhigte und die Libyer sich zurücknahmen, konnten alle Personen mit Schwimmwesten versorgt und gerettet werden.

Schon während der ersten Rettung meldete das Alarm Phone einen weiteren Seenotfall nördlich der Position der ALAN KURDI. Der italienische Offshore-Versorger ASSO VENTINOVE erreichte diesen zweiten Notfall zwar mehrere Stunden vor der ALAN KURDI, leitete jedoch keine Rettungsversuche ein. Aufgrund der Größe wäre das italienische Versorgungsschiff deutlich besser geeignet gewesen, die 82 Personen, darunter auch Kinder, auf dem Holzboot zu retten. Mit der Begründung, dass man für die Bohrinseln bereit bleiben müsse, um dort zu helfen, wenn es zu einem Unglück käme, verweigerte ASSO VENTINOVE die Rettung und lehnte die Zuständigkeit für die Koordinierung ab. Die ALAN KURDI evakuierte deshalb auch das zweite Boot und sucht nun mit insgesamt 150 Geretteten an Bord nach einem sicheren Hafen.

Italienische und maltesische Ministerien hatten nach dem Ablegen der ALAN KURDI gegenüber dem Auswärtigen Amt mit einer Verbalnote klargestellt, dass man einer Ausschiffung von geretteten Personen auch dann nicht zustimmen würde, wenn die Verteilung der Geretteten geregelt worden sei. Als Begründung gaben die beiden Küstenstaaten den gesundheitlichen Notstand im eigenen Land an. Während die zweite Rettung anlief, meldete sich das Bundesinnenministerium bei Sea-Eye und anderen Rettungsorganisationen mit folgender Bitte:

„Angesichts der aktuellen schwierigen Lage appellieren wir deshalb an Sie, derzeit keine Fahrten aufzunehmen und bereits in See gegangene Schiffe zurückzurufen.“

Zu diesem Zeitpunkt war die ALAN KURDI bereits 7 Tage im Einsatz und evakuierte das zweite überfüllte Holzboot.

Jedes Menschenleben ist wertvoll. Wir vertrauen darauf, dass es dem Bundesaußenminister gelingt, für 150 Menschenleben zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Denn Deutschland ist schließlich unser Flaggenstaat. In den vergangenen Tagen hat die Bundesregierung mehr als 200.000 Menschen in einem unglaublichen Kraftakt aus dem Ausland heimgeholt. Es muss doch vorstellbar und menschenmöglich sein, eine Maschine für 150 Schutzsuchende nach Südeuropa zu senden, um die Menschen unverzüglich zu evakuieren. In Deutschland gibt es rund 150 Städte im Bündnis Sicherer Häfen, die ihre Bereitschaft zu Aufnahme von Geflüchteten erklärt haben, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Sea-Eye-Rettungsschiff rettet 68 Menschen in internationalen Gewässern vor Libyen

  • ALAN KURDI rettete 68 Menschen
  • Libysche Miliz behinderte Rettung und gibt Schüsse ab
  • Menschen sprangen verzweifelt ins Wasser
  • ALAN KURDI auf dem Weg zu einem zweiten Seenotfall

Am Montagmorgen erhielt die Crew der ALAN KURDI einen Notruf über Alarmphone. Die Kapitänin Bärbel Beuse informierte die zuständigen Behörden und setzte Kurs auf die von Alarmphone übermittelten Koordinaten. Nur eine Stunde später erreichte die ALAN KURDI die Position. Dort fand die Crew ein Holzboot mit insgesamt 68 Menschen vor. Keiner der Personen verfügte über eine Rettungsweste.

Während die Crew der ALAN KURDI das erste Rettungsboot zu Wasser ließ, näherte sich ein libysch beflaggtes Schnellboot mit hoher Geschwindigkeit. Die Schüsse und riskanten Manöver der Libyer führten schnell zu einer lebensgefährdenden Eskalation der Situation. Von dem überfüllten Holzboot sprang rund die Hälfte der Menschen ins Wasser und versuchte die ALAN KURDI aus eigener Kraft zu erreichen.

„Als ich die Schüsse der Libyer hörte, hatte ich große Sorge um meine Mannschaft und die Flüchtenden“, sagt Stefan Schütz, Einsatzleiter an Bord der ALAN KURDI.

Die Besatzungen der Rettungsboote brachten zügig Rettungsmittel zu Wasser, um zu verhindern, dass die Menschen im Wasser ertrinken.

Die Kapitänin informierte die deutschen Behörden über die Bedrohung durch die Libyer. Nach kurzer Zeit entspannte sich die Situation und die Libyer ließen die Rettung der Menschen im Wasser, die Versorgung der Menschen mit Rettungswesten auf dem Holzboot und die anschließende Evakuierung der im Holzboot verbliebenen Flüchtenden schließlich zu. Alle 68 Menschen konnten gerettet werden. Die Libyer entwendeten umgehend das Holzboot und verschwanden. Einige der Geretteten stehen unter Schock, sind unterkühlt und werden deshalb medizinisch versorgt. Der überwiegende Teil der Geretteten teilte mit, aus Bangladesch zu stammen. Wenige stammen aus Syrien, dem Tschad oder dem Sudan. 20 Personen geben an, minderjährig zu sein.

„Die Libyer haben mit ihrem Verhalten das Ertrinken vieler Menschen riskiert. Während die EU-Mitgliedsstaaten Geld an sogenannte libysche Küstenwächter zahlen, wird unsere Crew erneut beim Retten von Menschenleben behindert und bedroht“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Der ALAN KURDI wurde ein weiterer Seenotfall gemeldet. Sie ist in diesem Moment auf dem Weg dorthin.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen im Falle eines Corona-Ausbruchs an Bord

  • Sea-Eye-Rettungsschiff nach mehrwöchiger Werftpause einsatzbereit
  • ALAN KURDI wird einziges Rettungsschiff im Einsatzgebiet sein
  • Crew der „Sea-Watch 4“ führt abschließende Reparaturen durch
  • neue Sicherheitsvorkehrungen für den Fall eines Corona-Ausbruchs

Nach achtwöchiger Pause kehrt das deutsche Rettungsschiff ALAN KURDI nun zurück in den Einsatz. Mehr als 60 ehrenamtliche Helfer*innen bereiteten die ALAN KURDI auf das Einsatzjahr 2020 vor. Am Montagnachmittag erteilten die spanischen Behörden grünes Licht zum Ablegen. Inzwischen hat die Crew um die deutsche Kapitänin Bärbel Beuse die internationalen Gewässer erreicht.

„Meine Crew ist trotz aller Schwierigkeiten angetreten, trainiert und einsatzbereit. Wie könnten wir jetzt im Hafen bleiben, während kein einziges Rettungsschiff im Einsatz ist? Als Menschen ist es unsere Pflicht, alles Vernünftige dafür zu tun, um anderen Menschen das Leben zu retten“, sagt Bärbel Beuse, Kapitänin der ALAN KURDI.

Beuse führt die ALAN KURDI zum zweiten Mal in den lebensrettenden Einsatz.

„Sea-Eye wurde gegründet, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Jedes Leben besitzt einen unschätzbaren Wert. Kein Menschenleben ist entbehrlich oder weniger wertvoll. Deshalb ist die ALAN KURDI auf dem Weg in den Einsatz“, begründet Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V., den Einsatz während der Corona-Krise.

Die Seenotretter*innen rechnen mit großen Schwierigkeiten, einen sicheren Hafen zugeteilt zu bekommen, falls es tatsächlich zu einer Rettung kommt.

„Wir verlassen uns auch in dieser Krise auf die Verantwortung und ein beherztes politisches Handeln unseres Flaggenstaates. Wir stehen in engem Austausch mit den deutschen Behörden“, sagt Isler weiter.

Aufgrund der Corona-Krise hat die Einsatzleitung des Vereins weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen und einen „Outbreak Management Plan“ etabliert.

„Deutsche Hochseeschiffe haben ohnehin höchste Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus haben wir ausreichende, persönliche Schutzausrüstung für unsere Crew an Bord“, sagt Jan Ribbeck, Einsatzleiter der Mission.

Die ALAN KURDI wird die libysche Such- und Rettungszone voraussichtlich am Wochenende erreichen.

Seit Wochen gelang es aufgrund der Corona-Krise keiner Hilfsorganisation mehr, ein Rettungsschiff in den Einsatz zu entsenden, denn Crewmitglieder können nicht ohne Weiteres reisen, um die Schiffe zu erreichen oder heimzukehren. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen berichtete zuletzt von hunderten Geflüchteten, die durch die sogenannte libysche Küstenwache von der Flucht aus dem Bürgerkriegsland abgehalten worden sind. Wie viele Menschen in den vergangenen Wochen unbemerkt auf dem Meer verschwanden ist unbekannt.

„Es grenzt an ein Wunder, dass wir eine Crew zusammenstellen, trainieren und auf die besonderen Umstände vorbereiten konnten“, sagt Isler.

Aufgrund der Corona-Krise konnten Reparaturen an der ALAN KURDI nicht nach Plan abgeschlossen werden. Viele Werftarbeiter*innen mussten vorzeitig zu ihren Familien zurückkehren. Zuletzt halfen deshalb die Crewmitglieder des neuen Rettungsschiffes „Sea-Watch 4“ dabei, die Reparaturen abzuschließen. Die „Sea-Watch 4“ wird ebenfalls in Burriana auf ihren ersten Rettungseinsatz vorbereitet. Die ALAN KURDI ist damit das einzige Rettungsschiff, das sich auf dem Weg in die libysche Such-und Rettungszone befindet.

Der Hamburger Sänger Stefan Stoppok setzt sich auch während der Corona-Krise dafür ein, dass weitergeholfen und gerettet wird. 

  • Stoppok gibt online-Solikonzert für Sea-Eye
  • Corona-Pandemie bedroht Flüchtende weltweit

Die Corona-Pandemie stellt gerade für Flüchtende und Migrant*innen eine ungeahnte existenzielle Gefahr dar. Auch Sea-Eye spürt die Folgen der Corona-Krise täglich. Deshalb gibt der Liedermacher Stefan Stoppok am 26. März 2020 um 14 Uhr live aus seinem Wohnzimmer ein Soli-Konzert für Sea-Eye. Die fünfzehnminütige Show wird über die Facebook-Kanäle von Stoppok und Sea-Eye und auf der Sea-Eye-Website zu sehen sein.

Bei der Corona-Pandemie handelt es sich um eine weltweite Krise, die Menschen überall bedroht. Hierunter sind auch viele Menschen, die weitaus schutzloser und verletzlicher sind als andere. Besonders Flüchtende sind von der Corona-Krise bedroht. Denn sie verfügen über keine Wohnung und häufig nicht einmal über ein Zelt. In überfüllten Lagern können sich Flüchtende nicht von anderen Menschen separieren. Gleichzeitig mangelt es ihnen an hygienischen Mitteln wie sauberem Wasser, Seife oder Toiletten. Zudem haben die meisten Flüchtende keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und sind im Krankheitsfall völlig schutzlos.

„Lasst uns deshalb in dieser schwierigen Zeit für uns alle nicht die Verwundbarsten vergessen und allen weiterhelfen“, sagt Stoppok.

Die Lage der Flüchtenden verschlimmert sich dadurch, dass Hilfsorganisationen in ihrer Arbeit eingeschränkt sind. Auch Sea-Eye muss sich in seiner Arbeit an die neuen Bedingungen anpassen, ist aber grundsätzlich einsatzbereit. Seit Anfang März muss der Verein mit einem Spendeneinbruch kämpfen, der im schlimmsten Fall auch die Existenz des Vereins bedrohen könnte. Deshalb ist Sea-Eye auch gerade in der Corona-Krise auf Spenden angewiesen, um denjenigen zu helfen, die sich derzeit absolut schutzlos auf der Suche nach Sicherheit befinden.

Das Soli-Konzert wird unter #weiterhelfen auf der facebook-Seite des Künstlers und der Website von Sea-Eye verbreitet:
https://www.facebook.com/Stoppok.de/
www.sea-eye.org/stoppok/
www.stoppok.com

Kindergerechter Beitrag der ARD zur Seenotrettung

Robert, Reporter von neuneinhalb, hat uns auf der ALAN KURDI besucht und mit Joshua, unserem 1. Offizier, über die Seenotrettung im Mittelmeer gesprochen. Joshua hat Robert unser Schiff gezeigt und wo wir Geflüchtete nach der Rettung an Bord unterbringen. Robert wollte es ganz genau wissen, also haben wir ihn mit aufs Meer genommen und ihm gezeigt, wie eine Rettung abläuft.

Schauen Sie sich den Beitrag von neuneinhalb an, er ist nicht nur für Kinder geeignet.

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  • Sea-Eye fordert EU-Mitgliedsstaaten auf, Seenotrettung zu betreiben
  • neue Marine-Operation braucht humanitäres Mandat

Am 17. Februar hat Josep Borrell, Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Pläne für eine neue Militär-Mission „Operation EU Active Surveillance“ im Mittelmeer vorgestellt. Ziel der Mission ist es, das beschlossene Waffenembargo für Libyen militärisch zu überwachen. Darauf hatten sich die EU-Außenminister*innen geeinigt.

Sea-Eye kritisiert die Rahmenbedingungen der „Operation EU Active Surveillance“ scharf.

  • Die Schiffe sollen sich nur maximal auf 100 Kilometer der libyschen Küste nähern, um während der Einsätze nicht in die internationale seerechtliche Verpflichtung zu kommen, in Seenot geratene Flüchtende retten zu müssen.
  • Das Einsatzgebiet soll sich ausschließlich im östlichen Mittelmeer befinden. Dort sind so gut wie keine Menschen in Seenot. Nur wenige Stunden westlich müssen hingegen täglich Menschen um ihr Leben fürchten.
  • Falls die Schiffe der Marine zu viele Menschen aus Seenot retten, soll die Mission wieder eingestellt werden.

Die Intention ist eindeutig: Unter keinen Umständen sollen Menschen aus Seenot gerettet werden. Staatliche Seenotrettung ist unerwünscht.

Derweil fliehen weiterhin Menschen aus dem Bürgerkriegsland Libyen und riskieren auf der Suche nach Sicherheit ihr Leben auf dem Mittelmeer.

Forderungen an die Außenminister*innen der EU

Wir fordern deshalb die Außenminister*innen der EU-Mitgliedsstaaten, speziell Außenminister Heiko Maas und seinen österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg, dazu auf, die Schiffe mit einem ausdrücklichen Mandat zur Suche und Rettung auszustatten und aktiv Menschen aus Seenot zu retten. Die Schiffe müssen zwingend in der libyschen Such- und Rettungszone eingesetzt werden und internationalen Gesetzen Rechnung tragen. Wenn europäische Marineeinheiten im Mittelmeer operieren, müssen diese Schiffe unbedingt zur Seenotrettung eingesetzt werden.

Petition gestartet

Um dieser Forderung zur Einhaltung fundamentaler Menschenrechte auf See Nachdruck zu verleihen, hat Sea-Eye eine Petition gestartet. Damit fordern wir die europäische Gesellschaft dazu auf, sich unserem Appell an die Außenminister*innen der EU-Mitgliedsstaaten anzuschließen.

„Seit Jahren verlassen sich die EU-Mitgliedsstaaten darauf, dass zivile Retter*innen Menschen in Seenot finden und versorgen. Diese zivilen Organisationen gibt es aber nur, weil die EU-Mitgliedsstaaten bis heute keine Schiffe geschickt haben, um dort Seenotrettung zu betreiben. Wir versuchen eine immer größer werdende Lücke zu füllen“, sagt Julian Pahlke, Sprecher der Organisation Sea-Eye e. V.

„Wenn nun zur Durchsetzung des Waffenembargos wieder staatliche EU-Schiffe in das Seegebiet vor Libyen zurückkehren, müssen diese auch einen klaren humanitären Auftrag bekommen. Und dies bedeutet, Menschen in Seenot aktiv zu suchen, zu retten und in Sicherheit zu bringen. Wegschauen ist eine Missachtung der Menschenrechte“ , sagt Lena Meurer, Mitglied des Vorstandes von Sea-Eye e. V.

Sea-Eye errichtet Seenotrettungsstützpunkt auf Sizilien

Am Samstag empfing Bürgermeister Leoluca Orlando die Sea-Eye-Vorstände Jan Ribbeck und Gorden Isler im Rathaus von Palermo. Orlando ist in Italien der wohl lauteste politische Unterstützer der zivilen Seenotretter*innen und der Menschenrechte, für die sie eintreten. In der Zeit von Salvinis „geschlossenen Häfen“ machte er immer wieder deutlich, dass Palermos Häfen für aus Seenot gerettete Menschen offen blieben. Orlando unterstützt auch das Bündnis United4Rescue, ernannte verschiedene Seenotretter*innen zu Ehrenbürger*innen von Palermo und nutzte seinen politischen Einfluss, um die Arbeit der Hilfsorganisationen zu erleichtern.

Sea-Eye Ehrenmitglied Leoluca Orlando

Deshalb hat Sea-Eye nun Leoluca Orlando die Ehrenmitgliedschaft im Verein von Sea-Eye angeboten, um sein unersetzbares Engagement höchstmöglich zu würdigen. Mit den Worten „es ist mir eine große Ehre“ willigte er sichtlich gerührt ein und nahm eine Urkunde der Regensburger Seenotretter*innen entgegen.

„Orlandos Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte ist sehr viel älter als Sea-Eye. Ihn auf diese Weise wertschätzen zu dürfen, ist auch eine besondere Ehre für uns“, betonte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ribbeck und Isler informierten Orlando über die weiteren Pläne der Organisation. So beabsichtige Sea-Eye, zukünftig mit der ALAN KURDI von Sizilien aus in Rettungseinsätze zu starten und einen Seenotrettungsstützpunkt in Palermo zu errichten.

„Durch die kürzeren Anfahrten schonen wir unsere Ressourcen und erhöhen unsere Anwesenheitszeiten in der libyschen Such- und Rettungszone. Wir erhoffen uns so vor allem, mehr Menschenleben retten zu können“, sagte Jan Ribbeck, stellvertretender Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Ehrenmitgliedschaft für Leoluca Orlando

Aufgrund der rigiden Innenpolitik unter Matteo Salvini musste die ALAN KURDI in 2019 immer wieder von Spanien starten. Die Crews und Geretteten erlebten zahlreiche unwürdige Blockaden. Leoluca Orlando sicherte seine weitere Unterstützung für die Zukunft zu und bat Sea-Eye wiederum, immer offen über die Bedarfe der Rettungskräfte zu sprechen.

„Wir sind unendlich dankbar für einen Verbündeten wie Leoluca Orlando, denn im Vergleich zu den größeren Organisationen bleiben unsere Möglichkeiten sehr limitiert. Dass wir Hilfe brauchen, ist kein Geheimnis“, so Ribbeck weiter.

Die ALAN KURDI soll Mitte März die spanische Werft verlassen und in die libysche Such- und Rettungszone zurückkehren.