Am Samstagmorgen rettete die Crew der ALAN KURDI 13 Menschen, davon 8 Minderjährige, aus einem überladenen Holzboot in der maltesischen SAR-Zone. Malta weigert sich die Koordinierung der Rettung zu übernehmen und verweist an Deutschland. Italien verbot die Einfahrt in italienische Gewässer. Aus eigener Kraft hätte das orientierungslose Holzboot keinen Ort sicher erreichen können.

Am Freitagvormittag setzte die ALAN KURDI Kurs auf Malta. In der Nacht zum Freitag hatte Italien dem 20 Meilen entfernten Schiff einen sicheren Hafen verwehrt und verwies auf die Zuständigkeit des 100 Seemeilen entfernten Nachbarlandes Malta. „Sollte es medizinische Notfälle geben, so könne Malta einen Arzt schicken“, hieß es aus der italienischen Rettungsleitstelle in Rom. Auch die gerettete Familie und eine schwangere Frau dürfen nicht aufs sichere Festland nach Lampedusa.

Zwei Gerettete haben Luftangriff auf Tadschura Camp überlebt

Am Mittwochmorgen entdeckte die Crew der ALAN KURDI in internationalem Gewässer, 29 Seemeilen vor Libyen ein überfülltes, blaues Schlauchboot mit 40 Personen. Die zuständigen Behörden wurden informiert und die Rettung der Menschen kurz darauf eingeleitet. Unter den Menschen befinden sich eine schwangere Frau, drei Kleinkinder, ein Mann mit Schusswunde und zwei Menschen, die den Bombenangriff auf das Tadschura Internierungscamp in Libyen überlebt haben. Die ALAN KURDI setzt nun Kurs auf den nächsten sicheren Hafen, Lampedusa.

  • 40 Personen in internationalem Gewässer vor Libyen gerettet
  • Seenotrettungsleitstellen in Rom, Tunis und Tripolis antworten nicht
  • Sea-Eye in Kontakt mit dem deutschen Auswärtigen Amt
  • ALAN KURDI setzt Kurs auf Lampedusa

Nach nur zwei Tagen im Einsatzgebiet vor der libyschen Küste entdeckte die Crew der ALAN KURDI, zu der wiederholt auch Einsatzkräfte der spanischen Organisation Proem Aid gehören, am frühen Mittwochmorgen (31.07.) ein überfülltes blaues Schlauchboot mit 40 Personen. Nachdem Schwimmwesten verteilt und die Seenotrettungsleitstellen in Tripolis, Tunis, Rom, Valletta und Bremen informiert waren, entschied die Hamburger Einsatzleiterin Barbara Held, die Menschen zügig von dem instabilen Schlauchboot zu evakuieren. Antwort auf Kontaktversuche erhielt Sea-Eye bisher nur von der Seenotrettungsleitstelle in Bremen, der Rettungsleitstelle auf Malta und dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Unter den geretteten Menschen befinden sich zwei Frauen, eine davon im sechsten Monat schwanger und drei Kleinkinder. Eines ist ein Jahr und die anderen beiden zwei und vier Jahre alt. Drei Personen weisen Verletzungen auf und befinden sich in medizinischer Behandlung. Einer von ihnen hat eine Schusswunde am Oberarm, die ihm nach seiner Aussage durch libysche Milizen zugefügt wurde. Die Wunden der anderen beiden Menschen scheinen bereits älter zu sein und von Folterungen in den libyschen „Detention Camps“ zu stammen. Die 40 Menschen stammen aus Nigeria, Mali, Kongo, Ghana, Liberia und der Elfenbeinküste.

Ich wäre lieber hier im Meer gestorben, anstatt in Libyen zu bleiben“, sagt Mohammed (30) aus der Elfenbeinküste.

Nachdem die Menschen an Bord mit Nahrung, Wasser und Decken versorgt sind, fangen einige von ihnen an, ihre Geschichten zu erzählen. Geschichten, die beschreiben, wie sie durch die Sahara gelaufen sind und für 40 Kilometer am Stück nur eine Flasche Wasser hatten, nur um dann in Libyen gefangen genommen und gefoltert zu werden. Die Crew erfährt außerdem, dass zwei der geretteten Menschen bei dem verheerenden Luftangriff auf das Internierungslager in Tadschura dabei waren, bei dem vor drei Wochen circa 50 Menschen ums Leben gekommen waren.

Geografisch ist Lampedusa der nächste sichere Hafen, welchen die ALAN KURDI nun dementsprechend anlaufen wird.

Seenotrettungsleitstellen haben unverzüglich zu reagieren, sobald es einen Seenotfall gibt. Politisches Kalkül darf dabei keine Rolle spielen. Wir fordern, dass die 40 Menschen an Bord der ALAN KURDI, gemäß den internationalen Gesetzen, umgehend an Land gebracht werden können, wo sie weiter versorgt werden können. Diese Menschen haben bereits mehr durchgemacht, als jeder von uns sich auch nur ansatzweise vorstellen kann. Sie brauchen umgehend weitreichendere Hilfe“, sagt Carlotta Weibl, Sprecherin für Sea-Eye.

„Es ist gut, dass sich die EU-Außenminister nun endlich, wie zuletzt in Paris, treffen, um über eine Lösung für aus Seenot Gerettete zu sprechen. Wir brauchen allerdings jetzt sofort eine Lösung für die 40 Menschen an Bord der ALAN KURDI. Wie auch in Vergangenheit sehen wir die gesamte EU in der Verantwortung und fordern eine schnelle humanitäre Lösung für die Geretteten auf unserem Schiff“, so Weibl weiter.

Deutsches Rettungsschiff bewahrte in vier Missionen 200 Menschenleben

Am Donnerstagnachmittag startete die fünfte Sea-Eye-Mission mit der ALAN KURDI. Die 20 Crewmitglieder aus sechs europäischen Nationen werden von der Hamburger Ärztin Barbara Held in den Einsatz geführt. Held nahm seit 2016 bereits an zahlreichen Rettungseinsätzen als leitende Bordärztin auf den Schiffen von Hilfsorganisationen teil. Insgesamt war sie dort an der Rettung von mehr als 8.000 Menschenleben beteiligt. Auf der ALAN KURDI fährt sie nun zum ersten Mal als Einsatzleiterin.

„Dass Rettungsschiffe nicht auslaufen dürfen, ist unerträglich für mich. Den Tod vieler Menschen in Kauf zu nehmen, ist unterlassene Hilfeleistung. Wir hoffen, wirksam helfen zu können“, sagt Einsatzleiterin Held, die beruflich als Schiffsärztin arbeitet.

Barbara Held wird landseitig von einem Team erfahrener Einsatzleiter und juristischen Experten im See- und Völkerrecht unterstützt. Andrey Kovaliov ist zum zweiten Mal Kapitän der ALAN KURDI. Er war außerdem mehrmals Schiffsführer auf dem Rettungsschiff „Aquarius“.

Die ALAN KURDI wird die Libysche Such- und Rettungszone voraussichtlich am Dienstag erreichen. Dort gibt es derzeit keine Rettungsschiffe. Derweil meldete das Suchflugzeug Moonbird heute morgen einen Seenotfall.

Zusätzliche Unterstützung erhofft sich Sea-Eye von dem neuen Rettungsschiff OCEAN VIKING, das von MSF und SOS Mediterranee entsandt worden ist. Es wird in wenigen Tagen das Mittelmeer erreichen.

Die Hamburger Band spendet nach Konzert in Regensburg für Sea-Eye-Mission

In weniger als einer Woche soll das unter deutscher Flagge fahrende Rettungsschiff ALAN KURDI der Regensburger Seenotretter „Sea-Eye“ aus dem Hafen von Palma de Mallorca für insgesamt drei Wochen in die Libysche Such- und Rettungszone (SAR-Zone) zurückkehren.

Dort hatte die Crew der ALAN KURDI zuletzt 109 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Die ALAN KURDI ist derzeit das einzige zivile Rettungsschiff, das in der Libyschen SAR Zone operiert, ohne von den Behörden festgehalten zu werden.

Die erste Woche dieser Mission wird nun von der Hamburger Band Revolverheld finanziert, die kürzlich bei den Schlossfestspielen in Regensburg öffentlich für die Seenotrettung eintrat.

„Wir freuen uns über dieses lautstarke Commitment. Wir werden die Mission mit der finanziellen Hilfe von Revolverheld jetzt sicher starten können und treffen nun letzte Vorbereitungen für die fünfte Mission der ALAN KURDI. Ein herzliches Danke aus Regensburg an Revolverheld“, sagt Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye e. V.

Revolverheld sind seit 2015 aktive Unterstützer der zivilen Seenotrettung.

„Der Betrieb eines Schiffes unter deutscher Flagge ist finanziell sehr aufwendig. Die ALAN KURDI wird von Sea-Eye ausschließlich durch Spenden finanziert. Wer Revolverheld mit einer Spende folgen möchte, der möge das jetzt bitte tun. Unsere weiteren Missionen in 2019 sind finanziell noch nicht abgesichert“, sagt Isler weiter.