Kritik an Italiens Vorgehen gegen Flüchtende

Gestern konnte sich die Crew von den letzten der über 400 geretteten Menschen, unter ihnen waren 150 Kinder, im Hafen von Pozzallo verabschieden und die erste Rettungsmission mit unserem neuen Schiff SEA-EYE 4 erfolgreich zu Ende führen.

Während der Suche nach einem sicheren Hafen und bei der Ausschiffung der Geretteten zeigten die italienischen Behörden ihren tiefen Unwillen gegen uns und die Schutzsuchenden. So antwortete Italien erst zwei Tage nachdem wir einen sicheren Hafen angefragt hatten und wies uns daraufhin einen weit entfernten Hafen zu, der den geschwächten und teils traumatisierten Menschen eine weitere zweitägige Seereise auferlegte.

SEA-EYE 4: Gerettete

Als die SEA-EYE 4 im Hafen von Pozzallo angekommen war, begann ein menschenunwürdiges Trauerspiel mit den italienischen Einsatzkräften in der Hauptrolle. Ein Mitarbeiter der Hafenbehörde weigerte sich zuerst, an Bord zu kommen, weil er Angst habe, dass die „Migrant*innen“ Krankheiten übertragen würden. Flüchtende Menschen mit Krankheiten zu assoziieren, ist ein weit verbreitetes, rassistisches Stereotyp, mit dem Zweck, Menschen abzuwerten. Dieser Vorfall ist nicht nur beschämend, sondern ein Sinnbild für die gesamte rassistische Abschottungs- und Abschreckungspolitik der EU-Mitgliedsstaaten.

SEA-EYE 4: Gerettete

Der Tiefpunkt war die gewaltsame medizinische Untersuchung von Kleinkindern.

Dr. Jan Ribbeck Einsatzleiter auf der SEA-EYE 4 berichtete: „Das medizinische Personal vor Ort führte an Kleinkindern auf brutalste Art und Weise Zwangs-PCR-Tests durch die Nase durch. Sie haben vor Schmerzen geschrien. Als Arzt kann ich nicht verstehen, wie man kleine Kinder auf diese Weise behandeln kann. Es macht auch medizinisch keinen Sinn, Kindern in einem so jungen Alter solche Tests aufzuzwingen.

SEA-EYE 4: Gerettete

Am Freitagabend erklärten die italienischen Behörden, dass die SEA-EYE 4 mit den verbliebenen 141 geretteten Menschen wieder auf See hinausfahren solle, um dort die Nacht zu verbringen. Der Kapitän der SEA-EYE 4 befürchtete, dass sich die verbliebenen Menschen aus Verzweiflung ins Wasser stürzen könnten. Dank seines couragierten Protests konnte diese realitätsferne und gefährliche Anweisung abgewendet werden.

Nach zwei Tagen ging der letzte Gerettete von Bord der SEA-EYE 4. Italien hat sich wieder einmal von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Wir fragen uns, was Italien mit diesem menschenunwürdigen und teils brutalen Vorgehen bezwecken möchte. Denkt es, damit die EU-Staaten zu einer schnelleren Verteilung der Geflüchteten zu bewegen? Oder meint es, dass wir unsere Arbeit einstellen würden? Warum diese Schikanen und diese Gewalt gegen Schutzsuchende? Warum kämpfen die EU-Mitgliedstaaten gegen Geflüchtete, statt endlich etwas gegen Fluchtursachen zu unternehmen? Wie viele Menschen müssen diese Politik noch mit dem Leben bezahlen, bis man in den europäischen Hauptstädten bemerkt, dass diese Politik der Abschreckung und Abschottung menschenverachtend ist?

SEA-EYE 4: Gerettete

Die erste Rettungsmission der SEA-EYE 4 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wir haben die Ereignisse dieser besonderen Mission in einem Video zusammengefasst und wir haben eine Bitte.

Kritik an Italiens Wahl des Ausschiffungshafens

Am Freitag, 21.05.2021, lief das Rettungsschiff SEA-EYE 4 in den Hafen von Pozzallo ein. Kurz darauf durften die ersten der 400 geretteten Menschen, darunter 150 Kinder, das Schiff verlassen. Die Ausschiffung wird begleitet von rassistischen Kommentaren der behördlichen Einsatzkräfte vor Ort.

Einsatzleiter Jan Ribbeck kommentiert die Zustände: „Hier werden keine verhältnismäßigen und menschenwürdigen Maßnahmen ergriffen. Einem 8 Monate alten Baby und Kleinkindern wurden unter Schreien Nasenabstriche abgenommen.

Die Crew hatte bereits am Montag um einen sicheren Hafen gebeten. Erst zwei Tage später am Mittwochabend reagierten die italienischen Behörden und wiesen der SEA-EYE 4 Pozzallo auf Sizilien zu. Zu der Zeit befand sich die SEA-EYE 4 etliche Seemeilen entfernt auf der anderen Seite der Mittelmeerinsel direkt vor dem Hafen von Palermo. Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando, hatte zuvor eine Einladung an die geretteten Menschen und die Crew ausgesprochen, in seinem Hafen an Land zu gehen.

SEA-EYE 4: Gerettete

Durch die Wahl des Ausschiffungshafens Pozzallo mussten sehr viele Menschen zwei weitere Nächte auf den Stahlböden der SEA-EYE 4 schlafen. Die EU-Staaten behandeln Schutzsuchende zunehmend brutaler und schikanieren jene, die ihnen helfen wollen. Es ist einfach entsetzlich, dass spanische Soldaten Geflüchtete zurück ins Wasser prügeln und italienische Abgeordnete das im Kontext unserer Situation feiern, um den gleichen Umgang mit unseren Geretteten vorzuschlagen! Statt Fluchtursachen zu bekämpfen, greifen staatliche Akteure selbst flüchtende Menschen an. Wenn die EU weiter in diese Richtung kippt, dann können wir die Genfer Flüchtlingskonvention endgültig abschreiben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Gerettete an Bord der SEA-EYE 4

Die Zuweisung des sicheren Hafens erfolgte wenige Stunden nachdem ein junger Mann aufgrund eines schweren Herzleidens durch die italienische Küstenwache von der SEA-EYE 4 evakuiert werden musste. Malta hatte bereits am Dienstag abgelehnt, den geretteten Menschen einen sicheren Hafen zu bieten und ihr Leiden auf See zeitnah zu beenden. Die Menschen brauchen nun ein sicheres Umfeld und Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die letzten sieben Tage unserer Rettungsmission haben wieder einmal ganz deutlich das Versagen der EU-Staaten gezeigt. Regelmäßig ertrinken Menschen auf ihrer Flucht und Tausende werden in die Bürgerkriegshölle Libyens zwangsweise zurückgeführt. An die Einhaltung der Menschenrechte scheint in den Regierungen Europas niemand mehr zu denken“, sagt Isler zum Abschluss der Rettungsmission.

SEA-EYE 4: Gerettete

Wir freuen uns, dass die erste Rettungsmission unseres neuen Bündnisschiffes so erfolgreich zu Ende gegangen ist. Während die EU-Staaten flüchtende Menschen im Stich lassen und ihren Tod billigend in Kauf nehmen, hat sich hinter uns die Zivilbevölkerung zusammengeschlossen und rettet so viele Menschen, wie es möglich ist“, sagt Michael Schwickart, stellv. Vorsitzender von United4Rescue.

Wir sind froh, dass die medizinische Versorgung an Bord der Sea-Eye 4 erfolgreich war und sogar ein Notfall beizeiten evakuiert werden konnte. Unser Dank gilt unserem Einsatzarzt Stefan Mees sowie der gesamten Besatzung der Sea-Eye 4 und unseren Partnern von United4Rescue für die erfolgreiche Rettung der über 400 Menschen. Nun, da die Flüchtlinge an Land gehen durften, appellieren wir an die italienischen Behörden, dass sie ihnen Zugang zur weiteren medizinischen und psychologischen Betreuung ermöglichen. Das ist unerlässlich, denn viele der Männer, Frauen und Kinder sind traumatisiert und gesundheitlich stark angegriffen“, sagt Dr. Christine Winkelmann, Vorständin German Doctors e. V.

SEA-EYE 4: Medizinische Evakuierung

Die SEA-EYE 4 hatte vom 14.05. bis 17.05.2021 in sechs Rettungseinsätzen über 400 Menschen aus hochseeuntauglichen Booten gerettet. Der UNHCR berichtete, dass die sogenannte libysche Küstenwache währenddessen insgesamt 650 Menschen davon abgehalten hat, das Bürgerkriegsland Libyen zu verlassen. Frühere Medienberichte zeigen, dass die EU-Staaten diese Zwangsrückführungen durch eigene Einsatzkräfte wie Frontex unterstützen. Die Crew der SEA-EYE 4 hat darauf selbst Hinweise gesammelt. Am 14.05. erreichte die Crew ein verlassenes Boot ohne Menschen, sichtete aber während des Einsatzes ein Frontex-Flugzeug. Und am 17.05. wurde die Crew nur auf ein Boot aufmerksam, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren.

Leeres Boot

Ich danke all unseren Partnern, besonders United4Rescue und German Doctors, die diese Rettungsmission möglich gemacht und uns unterstützt haben, über 400 Menschen vor dem Ertrinken zu retten“, so Isler.

Hilfsorganisationen müssen ohne staatliche Unterstützung operieren

Die Crew des neuen Bündnisschiffs SEA-EYE 4 rettete im Laufe des Sonntags und Montags, 16. und 17.05.2021, in sechs Rettungseinsätzen über 400 Menschen aus hochseeuntauglichen Booten. Alle Menschen wurden an Bord der SEA-EYE 4 gebracht und medizinisch untersucht. Unter den Geretteten sind viele Kinder, ein 8 Monate junges Baby und mehrere Schwangere.

Die EU-Staaten haben auf dem zentralen Mittelmeer die fortwährende humanitäre Krise immer weiter eskaliert. Die Flucht wird immer gefährlicher, weil sich die Menschen nicht einmal mehr trauen, um Hilfe zu rufen, denn die europäischen Rettungsleitstellen schicken ihnen nur noch die sogenannte libysche Küstenwache“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Einsatzcrew der SEA-EYE 4

Die SEA-EYE 4 hat zum ersten Mal Leben gerettet – was für großartige Nachrichten! Wir sind sehr glücklich und stolz, dass unser zweites Bündnisschiff über 400 Menschen in Sicherheit bringen konnte. Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht – auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, sagt Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue.

Zum ersten Mal unterstützt German Doctors einen Rettungseinsatz von Sea-Eye operativ. An Bord hat der Einsatzarzt, Stefan Mees, die Geretteten untersucht: „25 Menschen mussten wir im Bordhospital länger behandeln. Darunter befanden sich 3 Schwangere – eine davon ist im 8. Monat. 3 kleine Kinder waren ebenfalls in einem schlechten Zustand; wir konnten sie aber inzwischen stabilisieren. Bei einem Mann haben wir eine Lungenentzündung diagnostiziert. Zur Sicherheit haben wir bei ihm einen Corona-Test durchgeführt, der glücklicherweise negativ ausfiel. Die häufigsten Diagnosen waren: Unterkühlung, Austrocknung, Unterernährung sowie Seekrankheit und Ohnmacht.

SEA-EYE 4: Krankenstation

Sogenannte libysche Küstenwache verschleppt hunderte Menschen in das Bürgerkriegsland

In den letzten 48 Stunden hat die sogenannte libysche Küstenwache hunderte Menschen in das Bürgerkriegsland zurückverschleppt. Damit drohen ihnen Internierung und schwerste Menschenrechtsverletzungen. Wie frühere Medienberichte zeigen, arbeitet Frontex mit der sogenannten libyschen Küstenwache zusammen. Auch die Crew der SEA-EYE 4 hat dies bereits beobachtet. So wurde der Crew am Freitag ein Notruf von ca. 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot von Alarm Phone weitergeleitet. Als die Crew das Boot fand, fehlte von den Menschen jede Spur. Während des Einsatzes sichtete die SEA-EYE 4 ein Frontex-Flugzeug.

Leeres Boot

Da Frontex der sogenannten libyschen Küstenwache die Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden direkt oder indirekt mitteilt, müssen wir annehmen, dass diese Menschen auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, so Isler.

Bei der dritten Rettung am gestrigen Tag wurde die Crew auf ein Boot aufmerksam, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren. Auf dem Boot befanden sich weitere 50 Menschen.

Die EU-Staaten benutzen die libysche Küstenwache, um Menschen in einen über zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg zu verschleppen. Allen ist klar, was gerade passiert. Die EU-Staaten wollen diese Menschen lieber tot oder in Libyen sehen, als für sie Verantwortung zu übernehmen“, betont Isler.

Gestern ist unser neues Rettungsschiff SEA-EYE 4 ins Einsatzgebiet aufgebrochen. Aber gestern hat Italien auch erneut das Rettungsschiff SEA-WATCH 4 festgesetzt. Ertrunkene Menschen gehören seit Jahren zur Migrationspolitik der EU. Wir werden alles tun, um so viele Menschen wie möglich aus dem Fadenkreuz der EU zu retten.

United4Rescue finanziert Mission des neuen Rettungsschiffs

Das neue Rettungsschiff SEA-EYE 4 brach am 08.05.2021 vom spanischen Hafen in Burriana zum ersten Mal in den Einsatz auf. Das Schiff wird das Such- und Rettungsgebiet im zentralen Mittelmeer voraussichtlich in 5 Tagen erreichen. Unterstützt wird der humanitäre Einsatz der SEA-EYE 4 auf dem Mittelmeer von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, und der Hilfsorganisation German Doctors.

United4Rescue finanziert Missionskosten

United4Rescue unterstützt die Missionen der SEA-EYE 4 mit weiteren 423.000 Euro und ermöglicht so die Erweiterung der zivilen Rettungskapazitäten im Mittelmeer. Zuvor hatte United4Rescue bereits maßgeblich den Kauf und Umbau des Schiffes finanziert. Die SEA-EYE 4 ist bereits das zweite Bündnisschiff von United4Rescue.

Wir sind unserem Bündnispartner United4Rescue sehr dankbar, dass sie uns weiter unterstützen. Dank der Hilfe von United4Rescue konnte die SEA-EYE 4 heute ins Einsatzgebiet aufbrechen. Mehr als 600 Menschen sind in den vergangenen 4 Monaten an Europas Außengrenze ertrunken. Italienische Wissenschaftler*innen zeigten kürzlich, dass die EU-Mitgliedsstaaten zuließen, dass das Risiko, auf See zu sterben, wieder deutlich gestiegen ist. Wir brauchen endlich sichere Fluchtrouten“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Fahne: United4Rescue

Wir sind stolz und glücklich, dass die SEA-EYE 4 mit unserer Unterstützung heute in ihren ersten Einsatz starten konnte. Das schlimme Bootsunglück Ende April und die vielen Rettungen der Sea-Watch 4 und der Ocean Viking in den vergangenen Wochen haben wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass die zivile Seenotrettung im Mittelmeer unverzichtbar ist. Auch wir möchten uns bei allen bedanken, die uns unterstützt und gespendet haben. Ohne sie wären der Kauf, der Umbau und die erste Mission der SEA-EYE 4 nicht möglich gewesen und wir hoffen auch in Zukunft auf eine breite Unterstützung“, sagt Michael Schwickart, Vorstandsmitglied von United4Rescue.

Neue Kooperation zwischen German Doctors und Sea-Eye

Um flüchtende Menschen, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden, besser medizinisch zu versorgen, sind German Doctors e. V. und Sea-Eye e. V. eine Kooperation eingegangen. So ist bei der aktuellen Mission erstmals ein German Doctor an Bord.

Der Internist und Einsatzarzt Stefan Mees begründet sein ehrenamtliches Engagement wie folgt: „Jedes Menschenleben ist kostbar und keines sollte in den Wassern des Mittelmeeres verloren gehen. Zudem wird aktuell nur durch die zivile Seenotrettung das Bewusstsein wachgehalten, dass an den europäischen Außengrenzen etwas Furchtbares passiert, das nicht mit europäischen Werten übereinstimmt.

Stefan Mees, Einsatzarzt von German Doctors

German Doctors ist Mitglied im Bündnis United4Rescue und machte sich schon in der Vergangenheit für die zivile Seenotrettung stark. Durch die Kooperation mit Sea-Eye bringt German Doctors sich nun auch operativ auf der SEA-EYE 4 ein.

Auch in den Zeiten der Pandemie dürfen wir den Blick nicht dafür verlieren, dass weiterhin Menschen auf den gefährlichen Seerouten ihr Leben riskieren, um vor Not, Elend und Verfolgung in ihren Herkunftsländern zu flüchten. Es ist unsere Verantwortung, dass wir uns auch auf dem Mittelmeer den Menschen in ihrer verzweifelten Situation annehmen und ihnen medizinische Erstversorgung auf der SEA-EYE 4 anbieten“, sagt Dr. Christine Winkelmann, Vorständin German Doctors e. V.

Die SEA-EYE 4 ist in der Lage deutlich mehr Menschen eine Erstversorgung zu bieten, als unsere bisherigen Rettungsschiffe. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, auch die medizinische Versorgung an Bord weiter zu professionalisieren. Die medizinische Erfahrung von German Doctors hilft uns dabei und wir freuen uns, mit ihnen einen weiteren, starken Bündnispartner an unserer Seite zu haben, der uns künftig operativ unterstützt“, so Isler.

SEA-EYE 4: Krankenstation

Zusätzliches Rettungsschiff wird dringend benötigt

Allein in diesem Jahr sind bis heute mindestens 616 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Die EU-Staaten setzen Ertrinken lassen und die sogenannte libysche Küstenwache weiterhin als Werkzeug ein, um schutzsuchenden Menschen ihre Rechte zu verwehren. Mit der SEA-EYE 4 stellt sich Sea-Eye dem Sterben auf der tödlichsten Fluchtroute der Welt entgegen und wird so viele Menschen wie möglich vor dem Ertrinken oder der Rückführung in libysche Internierungslager retten.

SEA-EYE 4

Sea-Eye dankt allen Unterstützer*innen, insbesondere den vielen ehrenamtlichen Helfer*innen in der Werft und bei der Überführung ins Mittelmeer sowie den vielen Spender*innen, die den Einsatz des neuen Rettungsschiffs SEA-EYE 4 möglich gemacht haben. Die gesamte Crew an Bord wurde vor der Mission negativ auf Corona getestet und hat eine Quarantäne an Bord des Schiffes absolviert. Auch im Falle einer Rettung ist die Crew auf potenzielle Corona-Fälle mit einem strikten Hygienekonzept vorbereitet.

Große Solidarität unter Bündnispartnern Sea-Watch und Sea-Eye

Sea-Eye konnte den Umbau des neuen Rettungsschiffs SEA-EYE 4 kürzlich in Rostock abschließen und das Schiff ins Mittelmeer entsenden. Die durch die Corona-Pandemie verursachten Verzögerungen bei den Werftarbeiten führten im Zusammenspiel mit höheren Sicherheitsanforderungen zu steigenden Kosten für Sea-Eye. Nun zeigt die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch große Solidarität und erklärte sich bereit, Sea-Eye bei den Fertigstellungskosten der SEA-EYE 4 und darüber hinaus bei der langfristigen und nachhaltigen Stärkung der Strukturen mit 550.000 Euro zu unterstützen.

Gerade in Krisenzeiten müssen wir zusammenhalten und zeigen, was praktische Solidarität wirklich bedeutet. Weil Europa Menschen weiterhin im Mittelmeer ertrinken lässt und zivile Rettungskräfte am Retten hindert, müssen wir dafür sorgen, alle Rettungskräfte im Mittelmeer zu mobilisieren. Mit der Sea-Eye 4 startet ein weiteres Schiff der Solidarität in den Einsatz. Wir freuen uns, dass wir mit unseren Unterstüzer*innen einen Teil beitragen können, den Kampf um Menschenrechte im Mittelmeer gemeinsam fortzusetzen,“ Marlene Lippmann, Leitung Fundraising Sea-Watch.

Durch die große Solidarität unseres Bündnispartners Sea-Watch ist Sea-Eye wieder auf Kurs. Nun arbeiten wir mit enormer Konzentration weiter daran, genügend Spenden für den ganzjährigen Rettungsbetrieb einzuwerben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

SOS Mediterranee: Tweet

22. April 2021, 21:35 Uhr

Bevor ich anfing, diesen Text zu schreiben, war ich mit dem normalen Tagesgeschäft einer humanitären Organisation beschäftigt. Vor allem mit dem Schreiben von E-Mails und der Arbeit an Dokumenten. Dann schaute ich auf mein Telefon und was ich sah, war erschreckend. Ich musste mit dem, was ich tat, aufhören und schrieb stattdessen die folgenden Zeilen – es sind meine Gedanken und Gefühle, und es ist ein Plädoyer – ein Plädoyer für die Menschlichkeit.

Heute Abend piepte mein Handy und es erschien ein Tweet unserer Kolleg*innen von der Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée. Gestern hatten wir bereits von einer Frau und einem Kind gehört, die bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, gestorben sind. Es ist also nicht gerade eine Vorahnung, wenn man ein komisches Gefühl im Bauch bekommt, wenn man einen Tweet aus der Such- und Rettungszone im Mittelmeer erhält. Schon als ich die ersten Worte las, spürte ich, wie ich mich verschluckte. Ich krampfte meinen Kiefer zusammen. Ein nur allzu vertrautes Gefühl, seit ich vor drei Jahren begonnen habe, bei der zivilen Seenotrettung mitzuarbeiten.

Sophie Weidenhiller

In diesem Tweet berichtet die Organisation, dass „nach stundenlanger Suche [ihre] schlimmste Befürchtung wahr geworden ist“. Sie sprechen über einen der Such- und Rettungsfälle, zu denen sie alarmiert wurden: 130 Menschen an Bord eines seeuntüchtigen Bootes mitten auf dem zentralen Mittelmeer bei rauer See. Sie versuchten ihr Bestes, um diese Menschen zu retten, mussten aber erleben, was die schlimmste Befürchtung für jede*n in der Seenotrettung ist: Sie kamen zu spät.

Ca. 130 Menschenleben gingen auf See verloren, wieder einmal. Es gab keine staatliche Unterstützung für die Suche und die Rettung dieser Personen. Alle Behörden weigerten sich, die Verantwortung zu übernehmen, um diesen Verlust von Menschenleben zu verhindern, wie sie es sich so bequem angewöhnt haben.

Lediglich die leblosen Körper einiger der Menschen wurden von der Crew der OCEAN VIKING geborgen. Die Crew an Bord dieses Rettungsschiffes musste sich heute Nacht dem stellen, vor dem sich europäische Politiker*innen verweigern: von Menschen verursachtes menschliches Leid jenseits aller Vorstellungskraft.

Das Folgende passiert mir immer wieder: Wenn ich über die zivile Seenotrettung schreibe, recherchiere ich die Zahl der Opfer, die bis zum heutigen Tag gestorben sind. Und fast jedes Mal ist die Zahl in der kurzen Zeitspanne, bis der Text oder das Interview veröffentlicht wird, gestiegen. Erst vor wenigen Stunden habe ich ein Radiointerview gegeben und über die bisher 448 dokumentierten Todesfälle in diesem Jahr berichtet. Kurz darauf habe ich noch einmal nachgeschaut und auf der Webseite der vermissten Migrant*innen der IOM wurden bereits 450 Tote angezeigt. Und da sind die Opfer, über die uns SOS Méditerranée und Alarmphone gerade informiert haben, noch gar nicht mit eingerechnet. Diese gelben Zahlen auf der Karte zwischen Afrika und Europa sind für mich zu einem quälenden Ticker geworden: eine ständige Erinnerung daran, wie wir weiterhin darin versagen, diejenigen zu schützen, die am dringendsten Rettung, Schutz und Unterstützung brauchen.

Menschenrechte enden nicht einfach an unseren Grenzen, aber genau dort werden sie derzeit ertränkt.

Im Jahr 2021 sind bereits hunderte Menschen bei dem Versuch, ihr Leben zu retten und sich in Sicherheit zu bringen, gestorben. Sie haben ihr Leben aufgrund der rücksichtslosen, grausamen, unmenschlichen und tödlichen sogenannten EU-Migrations- und Asylpolitik verloren. Und die Zahl der Todesopfer wäre noch höher, wenn es nicht zivile Seenotrettungsorganisationen gäbe – wie unsere mutigen und engagierten Kolleg*innen – die nicht aufgeben oder zurückweichen und weiterhin Seenotrettungsmissionen durchführen, egal mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden.

Mehr als zweimal so viele Menschen sind in diesem Jahr bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, gestorben, verglichen mit dem letzten Jahr. Insgesamt sind mehr als zweimal so viele Menschen gestorben wie im gleichen Zeitraum des Jahres 2020. Diese Route wird von Tag zu Tag tödlicher, während die EU sich weigert, sich an internationale Gesetze zu halten oder auch nur einfachen menschlichen Anstand zu zeigen. Dies geschieht, während die verantwortlichen Behörden untätig herumsitzen und damit eine Beihilfe zu dieser vorsätzlichen Fahrlässigkeit leisten.

Ich schicke meine Grüße der Besatzung der OCEAN VIKING. Ich hoffe, es reicht ihnen irgendwie, zu wissen, dass sie wenigstens ihr Bestes versucht haben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie sich fühlen müssen, nur noch Leichen bergen zu können, denen die Angst vor dem Tod noch im Gesicht steht. Anstatt lebenden, atmenden Menschen helfen zu können.

Ich fühle mich wütend. Ich fühle mich tief betrübt. Ich fühle mich frustriert. Ich fühle viele Dinge. Ich werde weiterhin alles fühlen, jedes einzelne Mal, bei jeder einzelnen Todesnachricht. Denn ich weigere mich, mich daran zu gewöhnen. Das kann ich nicht und werde ich nicht. Niemals. Und ich weiß, dass es so viele Menschen gibt, denen es genauso geht. Und das ist entscheidend: Denn es geht nicht um mich, nicht im Geringsten. Es geht um die Menschen, die alles verloren haben, was sie hatten, einschließlich ihres Lebens.

Sophie Weidenhiller

Wir müssen weiterhin traurig sein und wir müssen wütend bleiben, wachsam bleiben, wir dürfen nicht aufhören, uns zu sorgen. Aber diese Gefühle müssen uns zum Handeln leiten. Wir müssen handeln. Wir müssen uns für die Menschen einsetzen, die an unseren Grenzen durch den Willen unserer Politiker*innen sterben, und wir müssen laut und deutlich sagen: Wir wollen und akzeptieren nicht, dass es zu diesen Todesfällen kommt. Wir, als Europäer*innen, müssen es besser machen. Jetzt!

Und schließlich, und das ist das Wichtigste, gehen meine Gedanken, meine Gebete und mein Herz an diejenigen, die heute auf so tragische und vermeidbare Weise ihr Leben verloren haben, diejenigen, die um Hilfe schrien und niemand kam, niemand schaffte es rechtzeitig. Das Gleiche gilt für jeden einzelnen Menschen, der ein solches Schicksal erlitten hat oder einen geliebten Menschen durch diesen Wahnsinn, den wir Grenzpolitik nennen, verloren hat. Ich weiß, dass es nichts gibt, was irgendjemand sagen oder tun kann, um ihren Schmerz zu lindern oder jemanden zurück ins Leben zu holen.

Das Einzige, was wir tun können, ist zu versprechen, es besser zu machen, besser zu helfen, bessere Verbündete zu sein, weiter für die Menschenrechte zu kämpfen und den Verlust von Menschenleben auf See so gut es geht zu verhindern.

Europa, wir können es besser machen. Wir müssen es besser machen.

Sophie Weidenhiller,
Pressesprecherin von Sea-Eye, SEA-EYE 4 Crewmitglied, aber vor allem: Mitmensch

Quelle:
https://sosmediterranee.com/statement-ocean-viking-witnesses-aftermath-of-deadly-shipwreck-off-libya/
https://missingmigrants.iom.int/region/mediterranean?migrant_route%5B%5D=1376&migrant_route%5B%5D=1377&migrant_route%5B%5D=1378

Fotos von einem Rettungseinsatz unter Beteiligung von Sophie Weidenhiller von 2018.

Pressemitteilung der Rostocker Fraktionen SPD, DIE LINKE.PARTEI und Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Die Rostocker Bürgerschaft hat sich auf ihrer Sitzung am 21.04.2021 mehrheitlich dafür ausgesprochen, eine Patenschaft für das Seenotrettungsschiff Sea-Eye 4 zu übernehmen. Ab 2022 stellt die Hanse- und Universitätsstadt Rostock dafür jährlich 7.000 € zur Verfügung. Nach zwei Jahren erfolgt eine Evaluierung der Patenschaft.

Die Vorsitzenden der antragstellenden Fraktionen, Dr. Steffen Wandschneider Kastell (SPD), Eva-Maria Kröger (DIE LINKE.PARTEI) und Uwe Flachsmeyer (Bündnis90/Die Grünen) erklären: „Menschen vor dem Ertrinken zu retten, ist ein Gebot der Menschlichkeit! Jeder Mensch, der mal zu See gefahren ist, weiß, wie gefährlich es auf dem offenen Meer werden kann. Durch den Einsatz von Rettungsorganisationen wie Sea-Eye können Menschleben gerettet werden. Die Arbeit der Seenotretter*innen verdient unsere Wertschätzung. Diese wollen wir durch eine finanzielle Zuwendung der Stadt verdeutlichen.

Der Vertreter der Hilfsorganisation Sea-Eye e. V., Kim-Jesko Tamm, zeigt sich erfreut über den gefassten Beschluss und erklärt: „Es freut uns, dass Rostock unsere Arbeit durch eine Patenschaft unterstützen wird. Neben ihr gehören auch Städte wie Greifswald und Konstanz oder auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland zu unseren Partner*innen. Neben der finanziellen Hilfe hoffen wir auch darauf, dass unsere Organisation und Arbeit noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und Unterstützung erfahren. Wenn andere Gemeinden dem Beispiel Rostocks folgen, können wir unsere Arbeit längerfristig und sicher planen.

Der Oberbürgermeister Rostocks, Claus Ruhe Madsen, sieht in der Annahme des Antrags eine Bekräftigung der bisherigen Aktivitäten der Stadt Rostock im Bereich der zivilen Seenotrettung: „Seit zwei Jahren ist Rostock Mitglied im Bündnis ‚Städte Sicherer Häfen‘. Die Patenschaft für die Sea-Eye 4 zeigt, dass dies nicht nur Worte sind, sondern dass wir die zivile Seenotrettung auch mit Taten unterstützen. Und natürlich freut es uns sehr, dass die Sea-Eye 4 in Rostock getauft wurde und auf einer Rostocker Werft für ihren Einsatz vorbereitet wurde.

Interview mit Michael Wüstenberg von Bord der SEA-EYE 4

Nach sechs Monaten Umbau wird die SEA-EYE 4 von Rostock nach Spanien überführt. Dort werden die letzten Vorbereitungen getroffen, bevor das Schiff in den ersten Einsatz starten kann. Ermöglicht wurde der Umbau durch den Einsatz hunderter ehrenamtlicher Helfer*innen und durch United4Rescue, die mit einer großen Spendenkampagne nicht nur den Kauf, sondern auch den Umbau maßgeblich finanziert haben. Mit an Bord bei der Überführung wird auch Michael Wüstenberg sein. Er ist römisch-katholischer Theologe und lebte und arbeitete fast 30 Jahre in Südafrika – zuletzt als Bischof von Aliwal.

Weshalb ist es dir wichtig, die Überführung der SEA-EYE 4 ins Mittelmeer zu begleiten?

Mein erster Schritt hätte eigentlich die Teilnahme an einer Rettungsmission über Ostern 2020 sein sollen. Das ging leider nicht, wegen der Politik und wegen Corona. Als zu Afrika gehörender Bischof hat mich schon lange der europäische Umgang mit der Emigration aus Afrika über das Mittelmeer traurig gemacht und bedrückt. Ich möchte nun einfach ein Zeichen setzen, dass diese Einsätze wichtig sind. Ich möchte meine Hochachtung für die Crews ausdrücken, die ohne Ansehen der Person Menschen in Lebensgefahr retten. Und ich habe gern mit Hand angelegt bei den letzten Maßnahmen der Instandsetzung. Viele Ehrenamtliche haben da Tolles geleistet, und ich freue mich, dass ich Teil davon sein konnte.

Michael Wüstenberg

Wie engagiert sich die katholische Kirche bisher gegen das Sterben im Mittelmeer? Was wünscht du dir hinsichtlich des Engagements deiner Kirche?

Ein Lichtblick war der Besuch von Papst Franziskus auf Lampedusa am 8.7.2013. Dort feierte er den Gottesdienst an einem Altar, gebaut aus dem Wrack eines Bootes. Einige Diözesen, Gemeinden, die Caritas und auch Einzelpersonen beteiligen sich bei United4Rescue. Sie unterstützen die neue Mission der SEA-EYE 4. Etliche Bischöfe haben mir ihre positive Haltung ausgedrückt, auch gegenüber den zivilen Rettungsorganisationen. Da Kirche ja alle ihre Mitglieder sind, wünsche ich mir, dass sie sich beteiligen, ein positives Klima entgegen aller anderslautenden Parolen in der Gesellschaft zu schaffen. Als Kirche sind wir Klimaarbeiter, Mentalitätsarbeiter: und hier geht es um das Klima der Menschlichkeit.

Die EU-Staaten setzen seit jeher auf Abschottung gegen flüchtende Menschen. Ihre Maßnahmen aber werden immer drastischer und verstoßen direkt gegen Menschenrechte. Wie muss sich die Migrationspolitik der EU-Staaten ändern?

In dem komplexen Problem müssen Ursachen anerkannt und bekämpft werden. Trotz wohlmeinender Politiker ist die koloniale wie postkoloniale Wirtschaft sehr auf den Vorteil des „Westens“ ausgerichtet. Da muss sich etwas ändern. Auch die Fluchtursachen im Nahen Osten sind ein westliches Produkt, in einer Kettenreaktion ausgelöst durch einen mit Täuschung begründeten Krieg im Irak. Da gilt es Verantwortung zu übernehmen, der sich mächtige westliche Staaten gern entziehen. Teil der Verantwortung muss sein, zum Beispiel das Immigrationsrecht entsprechend zu verändern. Es gilt dabei, das Wort Partner ernst zu nehmen und Menschen nicht bloß als Objekt auch herablassender Behandlung, als „Flüchtling“ zu verstehen.

Michael Wüstenberg

Muss sich unsere gesellschaftliche Sicht auf schutzsuchende Menschen ändern, um zu einer menschenrechtskonformen Politik zu finden? Was kann die Kirche hierfür leisten?

„Batho pele“, Menschen zuerst, hieß es in Südafrika nach der rassistischen Apartheidszeit. Die Kirchen zusammen hatten gelernt, miteinander und mit anderen Gruppen der Menschlichkeit wegen zu netzwerken. Apartheid verschwand, nicht aber die Tendenzen, Menschen an den Rand zu drängen. Da gilt es wachsam zu sein: Für Schutzsuchende, auch für die Armen in der eigenen Gesellschaft. Die Güter der Welt sind für alle bestimmt, sagt die katholische Soziallehre. Und sie spricht von Solidarität, davon, dass Gemeinwohl wichtig ist. Sie sagt das für alle Menschen. Überall. Ich erwarte, dass Kirchen in den verschiedenen europäischen Ländern auch gegenüber ihren Regierungen entschieden dafür eintreten.

Zur Person:

Michael Wüstenberg lebt als emeritierter Bischof in Hildesheim. Von 2008 bis 2017 war er Bischof der Diözese Aliwal in Südafrika. Sein Arbeitsschwerpunkt war das Netzwerken kleiner christlicher Gemeinschaften und die Ausbildung von verantwortlichen „Ehrenamtlichen“ in Gemeinden unter dem Leitbild einer Kirche, die der Menschlichkeit dient. Armut und HIV/AIDS waren da die wesentlichen Herausforderungen. Er beschäftigt sich weiter mit den Themen Rassismus und Immigration. Ihn interessiert kirchliches Leben, in dem das Herzblut der Menschlichkeit klar erkennbar ist.