Italienische Küstenwache evakuiert eine Person in der Nacht zum Karfreitag

  • ALAN KURDI erhält keine Lebensmittel, Medikamente oder Treibstoff von Italien
  • Italienische Küstenwache evakuiert eine Person vor Lampedusa
  • Italien, Malta und Libyen bezeichnen eigene Häfen als unsicher
  • deutsche Rettungsleitstelle mit Koordinierung überfordert
  • ALAN KURDI sucht Wetterschutz im Nordwesten von Sizilien

Rund einen Tag brauchte die italienische Rettungsleitstelle MRCC Rom, um die Bitte der ALAN KURDI-Kapitänin Bärbel Beuse nach Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff abzulehnen. Die dazu nötigen Bootsdienste seien auf den Inseln Lampedusa und Linosa nicht verfügbar. Italien verwies auf Malta. Die maltesische Rettungsleitstelle reagierte sofort: „Versuchen Sie nicht, das auf Malta abzuladen.“ Damit macht die Rettungsleitstelle in Valletta klar, dass auch Malta nicht zur Hilfe bereit ist.

Die Lage an Bord der ALAN KURDI spitzt sich immer weiter zu, denn das Rettungsschiff ist zur dauerhaften Beherbergung von 150 Menschen nicht geeignet. Die Kapitänin Bärbel Beuse insistiert in der Nacht zum Karfreitag und wiederholt ihre Bitte nach den dringendsten Bedarfen:

Wir müssen betonen, dass unser Schiff innerhalb der nächsten 48 Stunden Lebensmittel benötigt.

Inzwischen erklärte neben Italien und Malta nun auch Libyen die eigenen Häfen als unsicher für die Ausschiffung und Versorgung von aus Seenot geretteten Menschen. Aktuell verbietet Libyen einem Schiff der sogenannten libyschen Küstenwache mit rund 280 Personen das Einlaufen in einen libyschen Hafen. Die libysche Küstenwache erklärte derweil, dass sie keine weiteren Rettungen durchführen könne, weil keine Atemschutzmasken vorhanden seien. Vincent Cochetel, Sonderbotschafter der Vereinten Nationen, sagt gegenüber Spiegel Online, dass die Schlepper diese Situation ausnutzen könnten und die Flüchtenden notfalls anlügen würden. Tatsächlich erreichten in den vergangenen Tagen Flüchtende mit mehreren Booten unter großer Gefahr die italienische Insel Lampedusa. Wie viele Boote auf dem Mittelmeer verschwanden und wie viele Menschen ertranken, ist unbekannt.

Es kann nicht sein, dass wir milliardenschwere Rettungspakete für die europäische Industrie sehen und gleichzeitig behauptet wird, dass es für den Schutz von Migrant*innen keine Ressourcen gibt“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V. „So hat Europa eine Situation zugelassen, in der humanitäre Katastrophen mittlerweile miteinander konkurrieren und gegeneinander ausgespielt werden“, sagt Isler weiter.

Die deutsche Rettungsleitstelle gibt in der Nacht zum Karfreitag an, dass man mit der Koordinierung der Situation des deutschen Schiffes überfordert sei.

So schrieb Bremen an die Kolleg*innen in Rom: „I am fully aware of the brisance of the actual situation but MRCC Bremen is not able to respond as you expect or hope for.“

Freitagmittag setzte die ALAN KURDI Kurs auf eine Position nordwestlich von Sizilien, um Wetterschutz vor bevorstehenden, schweren Unwettern zu suchen. Die Sea-Eye-Einsatzleitung informierte die deutschen Behörden bereits am Vormittag über diese Entscheidung.