Italienisches Versorgungsschiff verweigert die Rettung von 82 Menschen

  • ALAN KURDI rettet 68 Menschen am Montagvormittag
  • Libysche Miliz gefährdet Rettung und gibt Schüsse ab
  • weitere Rettung von 82 Menschen am Montagnachmittag
  • italienischer Offshore-Versorger ASSO VENTINOVE verweigert die Rettung
  • Bundesinnenministerium bittet Seenotrettungsorganisationen darum, die Arbeit einzustellen

Am Montagmorgen rettete die Crew der ALAN KURDI 68 Menschen aus einem überfüllten Holzboot in den internationalen Gewässern vor Libyen. Der Notruf wurde von Alarm Phone gemeldet und von Sea-Eye-Kapitänin Bärbel Beuse sofort an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Während der Rettung gefährdete ein libysch beflaggtes Schnellboot die Arbeit der Sea-Eye-Rettungskräfte. Nach Schüssen in die Luft sprang rund die Hälfte der Flüchtenden ohne Rettungsweste panisch ins Meer, um zur ALAN KURDI zu schwimmen. Unsere Rettungskräfte brachten alle vorhandenen Rettungsmittel ins Wasser und setzten ein sogenanntes CentiFloat ein, um die Personen vor dem Ertrinken zu retten.

„Als ich die Schüsse der Libyer hörte, hatte ich große Sorge um meine Mannschaft und die Flüchtenden“, sagt Stefan Schütz, Einsatzleiter an Bord der ALAN KURDI.

Nachdem sich die Lage beruhigte und die Libyer sich zurücknahmen, konnten alle Personen mit Schwimmwesten versorgt und gerettet werden.

Schon während der ersten Rettung meldete das Alarm Phone einen weiteren Seenotfall nördlich der Position der ALAN KURDI. Der italienische Offshore-Versorger ASSO VENTINOVE erreichte diesen zweiten Notfall zwar mehrere Stunden vor der ALAN KURDI, leitete jedoch keine Rettungsversuche ein. Aufgrund der Größe wäre das italienische Versorgungsschiff deutlich besser geeignet gewesen, die 82 Personen, darunter auch Kinder, auf dem Holzboot zu retten. Mit der Begründung, dass man für die Bohrinseln bereit bleiben müsse, um dort zu helfen, wenn es zu einem Unglück käme, verweigerte ASSO VENTINOVE die Rettung und lehnte die Zuständigkeit für die Koordinierung ab. Die ALAN KURDI evakuierte deshalb auch das zweite Boot und sucht nun mit insgesamt 150 Geretteten an Bord nach einem sicheren Hafen.

Italienische und maltesische Ministerien hatten nach dem Ablegen der ALAN KURDI gegenüber dem Auswärtigen Amt mit einer Verbalnote klargestellt, dass man einer Ausschiffung von geretteten Personen auch dann nicht zustimmen würde, wenn die Verteilung der Geretteten geregelt worden sei. Als Begründung gaben die beiden Küstenstaaten den gesundheitlichen Notstand im eigenen Land an. Während die zweite Rettung anlief, meldete sich das Bundesinnenministerium bei Sea-Eye und anderen Rettungsorganisationen mit folgender Bitte:

„Angesichts der aktuellen schwierigen Lage appellieren wir deshalb an Sie, derzeit keine Fahrten aufzunehmen und bereits in See gegangene Schiffe zurückzurufen.“

Zu diesem Zeitpunkt war die ALAN KURDI bereits 7 Tage im Einsatz und evakuierte das zweite überfüllte Holzboot.

Jedes Menschenleben ist wertvoll. Wir vertrauen darauf, dass es dem Bundesaußenminister gelingt, für 150 Menschenleben zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Denn Deutschland ist schließlich unser Flaggenstaat. In den vergangenen Tagen hat die Bundesregierung mehr als 200.000 Menschen in einem unglaublichen Kraftakt aus dem Ausland heimgeholt. Es muss doch vorstellbar und menschenmöglich sein, eine Maschine für 150 Schutzsuchende nach Südeuropa zu senden, um die Menschen unverzüglich zu evakuieren. In Deutschland gibt es rund 150 Städte im Bündnis Sicherer Häfen, die ihre Bereitschaft zu Aufnahme von Geflüchteten erklärt haben, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.