Sea-Eye verurteilt deutsches Verständnis einer „europäischen Lösung“

  • ALAN KURDI kehrt nach vier Monaten in den Einsatz zurück
  • Spanische Behörden stützen Sicht der deutschen Behörden
  • Sea-Eye kritisiert deutsches Engagement nach dem Brand in Moria
  • Sea-Eye appelliert an Heimathafenstadt Hamburg

ALAN KURDI kehrt nach vier Monaten in den Einsatz zurück

Nach einer viermonatigen Zwangspause kehrt das Sea-Eye-Rettungsschiff ALAN KURDI in den Einsatz zurück. Es verließ den spanischen Hafen von Burriana am Freitagabend. Die italienischen Behörden hatten die ALAN KURDI nach der Rettung von 150 Menschen während der Corona-Krise Anfang Mai in Palermo festgesetzt. Im August reichte Sea-Eye gegen diesen Verwaltungsakt Klage vor dem Verwaltungsgericht in Palermo ein. Ein Urteil steht noch aus. Die Festsetzung durch die italienischen Behörden verhinderte inzwischen drei Einsätze. Laut IOM ertranken in diesem Zeitraum 252 Menschen im Einsatzgebiet der ALAN KURDI.

Spanische Behörden stützen Sicht der deutschen Behörden

Schon unmittelbar nach der Festsetzung bestätigte die zuständige Flaggenstaatsbehörde Deutschlands, dass die ALAN KURDI entsprechend ihrer Schiffsklasse korrekt ausgestattet und zertifiziert ist. Sea-Eye nutzte die Zwangspause für umfangreiche technische Verbesserungen am Schiff. Der spanische Hafenstaat bestätigte nun die Position der deutschen Flaggenstaatsbehörde. Nach Prüfung der technischen Ausstattung und Zertifizierung durch eine umfangreiche Hafenstaatskontrolle erteilte Spanien der ALAN KURDI die Genehmigung abzulegen und informierte die deutschen und italienischen Behörden.

„Einen Widerspruch gab es am Freitag aus Italien zwar nicht. Wir müssen aber mit Diskussionen über Abwassersysteme und einer erneuten Hafenstaatskontrolle durch die italienischen Behörden rechnen“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V.

Sea-Eye kritisiert deutsches Engagement nach Brand in Moria

Die ‚europäische Lösung‘ ist ein Märchen, welches impliziert, dass da noch etwas Gutes kommt. Die tatsächliche, europäische Lösung sehen wir seit 5 Jahren. 20.000 Tote im Mittelmeer, 12.000 Schutzsuchende in Moria und 69 Abschiebungen zum 69. Geburtstag unseres Innenministers“, sagt Isler zum Engagement der Bundesregierung zur Brandkatastrophe im Flüchtlingslager Moria.

Der Bundesinnenminister erklärte am Freitag in einer Sitzung des Bundestages, dass Deutschland bereit sei, bis zu 150 Kinder von Lesbos zu evakuieren. Er nannte diese Maßnahme u.a. „einen Akt der christlichen Nächstenliebe“. Für mehr als 12.000 obdachlose Schutzsuchende auf Lesbos gibt es weiter keine Lösung.

Sea-Eye appelliert an Heimathafenstadt Hamburg

Verschiedene Bundesländer erklärten unmittelbar nach dem Brand in Moria ihre Bereitschaft, Menschen von Lesbos zu evakuieren. Nordrhein-Westfalen wäre bereit, insgesamt 1000 Menschen zu evakuieren. Inzwischen arbeiten verschiedene Bundesländer an einer Bundesratsinitiative, die ermöglichen soll, dass die Bundesländer selbst direkt helfen und Menschen evakuieren können. Berlin und Thüringen starteten die Bundesratsinitiative. Hamburg dürfte nun das Zünglein an der Waage sein. Die Erwartungen an Hamburg sind hoch, denn das rot-grüne Hamburg hat sich schließlich zum sicheren Hafen erklärt.

Aus einer solchen Erklärung wächst die Verantwortung, die Chance zu nutzen und sich dieser historischen Bundesratsinitiative anzuschließen“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye.

Twitter: Andy Grote zum Brand in Moria
Andy Grote auf Twitter zum Brand in Moria

In einer Woche wird in einer Plenarsitzung im Bundesrat unter TOP11 über die Bundesratsinitiative abgestimmt werden. Der Hamburger Innensenator Andy Grote erklärte unmittelbar nach der Katastrophe, dass Hamburg bereit sei, Menschen aufzunehmen. Folgen ihm auch die anderen Senator*innen der Hamburger SPD, dürfte die Zustimmung der Grünen Regierungspartnerin nur noch reine Formsache sein.

Hamburg ist Heimathafen mehrerer NGO-Rettungsschiffe. Jetzt appellieren wir an die Hansestadt selbst, diesen humanitären Kipppunkt nicht zu ignorieren und den Schalter im Bundesrat für eine menschenrechtsbasierte Politik umzulegen“, sagt Isler weiter.