Laut einem Artikel, der am 31. Januar in der Times of Malta veröffentlicht wurde, sind geflüchtete Menschen in Malta unter Aufsicht der maltesischen Behörden schwerer körperlicher und psychischer Gewalt, Misshandlungen und sogar Folter ausgesetzt.

Geflüchtete Personen, die in der Lyster-Kaserne und in der Safi-Haftanstalt inhaftiert sind, haben das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) mit verstörenden Berichten über Missbrauch alarmiert.

Die maltesischen Behörden bestreiten jedoch über diese schweren Missbrauchsfälle informiert worden zu sein und verneinten auch, dass solche Misshandlungen in ihren Haftanstalten stattfinden, obwohl EASO-Beamt*innen angaben, die maltesischen Behörden sofort informiert zu haben.

Menschen, die aus Ländern wie Libyen geflohen waren und in maltesischen Lagern festgehalten wurden, berichteten von Schlägen und Prügel, die Verweigerung medizinischer Versorgung, gebrochene Zähne infolge körperlicher Gewalt und sogar Folter durch Stromschläge.

Der mit der Verhinderung von Folter beauftragte Ausschuss des Europarates (CPT) legte den maltesischen Behörden die Ergebnisse von einem sechstägigen Besuch im September 2020 vor: (.. .) Die vorläufigen Ergebnisse der Delegation wurden den maltesischen Behörden zusammen mit einigen Bemerkungen zum sofortigen Handeln vorgelegt. Ein vollständiger Bericht über den Besuch wird den maltesischen Behörden zu gegebener Zeit übermittelt.

Wie die Augenzeug*innenberichte jedoch deutlich zeigen, hat Malta keinerlei Schritte unternommen, um diese schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen zu stoppen, seit sie erstmals von EASO- und CPT-Beauftragten alarmiert wurden.

Sea-Eye ist über die Situation in maltesischen Haftanstalten entsetzt. Wir mussten in der Vergangenheit bereits gerettete Menschen nach Malta bringen, da Malta als sicherer Ort galt, und äußern daher größte Besorgnis und Empörung über diese grausamen Zustände. Die Berichte über den schweren Missbrauch von schutzsuchenden Menschen sind entsetzlich und wir fordern, dass diese Zustände sofort beendet werden!

Einer der schutzsuchenden Menschen, die durch ein Sea-Eye-Rettungsschiff nach Malta gebracht worden sind, ist Joseph*, der immer noch dort lebt.

Über seine persönlichen Erfahrungen in Malta sagt er: „Ich wurde ohne Grund aus den Lagern geworfen. Zu dieser Zeit war es Winter, stellen Sie sich vor, ich kannte damals niemanden hier in Malta. Ich musste mit meiner Tasche in der Kälte schlafen. Hier in Malta passiert viel. Die Einwanderer*innen hier sind nicht in guter Verfassung, aber sie haben keine Stimme und auch wenn sie eine hätten, wen kümmert es? Malta stellt Bedingungen an den Schutz von Menschen, der aber ein Menschenrecht ist.

Geretteter an Bord der ALAN KURDI

Europa könnte so vieles besser machen – warum tun wir das nicht? Warum kümmern wir uns nicht um die Menschen, wie Joseph es sagt?“, fragt Sophie Weidenhiller, Sprecherin von Sea-Eye.

Sea-Eye weigert sich zu akzeptieren, dass Menschen, die vor Kriegen, Folter und Gewalt geflohen sind, daraufhin durch europäische Behörden der gleichen Art von Misshandlung und Missbrauch ausgesetzt werden. Wir verurteilen alle Menschenrechtsverletzungen aufs Schärfste – egal ob sie außerhalb oder innerhalb Europas verbrochen werden. Wir werden uns weiterhin für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, wann und wo immer dies notwendig ist.

Joseph* floh ursprünglich vor Gewalt und Verfolgung in Zentralafrika, wurde im Bürgerkrieg in Libyen misshandelt und schließlich von Sea-Eye aus Seenot im Mittelmeer gerettet und in Malta an Land gebracht.

*Sein Name und die sensiblen Details seiner Geschichte wurden zu seiner Sicherheit redigiert.
Bei den Fotos in diesem Artikel handelt es sich um Symbolbilder.