Spendenziel erreicht: Kauf und ein Großteil des Umbaus der SEA-EYE 4 gesichert

Die Finanzierung des Kaufs und ein großer Teil der Umbaukosten des neuen Rettungsschiffes SEA-EYE 4 sind gesichert – jetzt gilt es das Schiff schnellstmöglich in den Einsatz zu bringen. Im November 2020 riefen United4Rescue, das Bündnis für die zivile Seenotrettung, und die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye e. V. gemeinsam zu Spenden für ein weiteres Rettungsschiff auf. Das Ziel der Spendenkampagne „Drowned Requiem“ lag bei 434.000 € – das ist nun erreicht. United4Rescue ermöglicht damit nicht nur den Kauf des Schiffes, sondern beteiligt sich auch maßgeblich am Umbau der SEA-EYE 4.

„Wir freuen uns sehr, dass die Spendensumme so schnell zusammengekommen ist. Dadurch sind wir auf der Zielgeraden und können schon bald wieder ein Rettungsschiff in den Einsatz schicken, um Menschenleben im Mittelmeer zu retten“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

„Wir sind sehr dankbar dafür, so großartige Unterstützer:innen an unserer Seite zu haben. Innerhalb von wenigen Wochen konnten wir so das Spendenziel für die SEA-EYE 4 erreichen. Das zeigt auch, wie viele Menschen es in unserem Land gibt, die dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zuschauen wollen“, sagt Michael Schwickart aus dem Vorstand von United4Rescue.

Mehrkosten für internationalen SOLAS-Standard

Die Arbeiten an der SEA-EYE 4 sind in den letzten Monaten trotz der Pandemie sehr gut vorangekommen, sodass Sea-Eye entschieden hat, die SEA-EYE 4 nach dem sogenannten „SOLAS-Standard“ zertifizieren zu lassen. Dieser Standard wird es ermöglichen, höhere Sicherheitsanforderungen für die Crew und die Geretteten zu erfüllen. Die letzten Umbaumaßnahmen dafür sollen im Februar enden. Dazu benötigt Sea-Eye noch 350.000 € Spenden.

Werftarbeiten auf der SEA-EYE 4

SEA-EYE 4 voraussichtlich ab Frühjahr 2021 im Einsatz

Aktuell befindet sich die SEA-EYE 4 für umfassende Umbauarbeiten in einer Werft. Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972) ist mit 55 m Länge und 11 m Breite deutlich größer und besser ausgestattet als die ALAN KURDI, das derzeitige Rettungsschiff von Sea-Eye.

„Die SEA-EYE 4 ist aufgrund ihrer Bauweise ideal für Rettungseinsätze geeignet und bietet alles, was wir benötigen – wir danken mehr als 200 ehrenamtlichen Werfthelfer:innen für die unschätzbar wertvolle Arbeit der vergangenen Monate“, sagt Dominik Reisinger, technischer Vorstand von Sea-Eye e. V.

Werftarbeiten auf der SEA-EYE 4

Das neue Rettungsschiff soll am 28.02.2021 offiziell getauft und daraufhin ins Mittelmeer überführt werden. Von dort aus wird die SEA-EYE 4 voraussichtlich im Frühjahr 2021 in den ersten Einsatz starten. United4Rescue möchte Sea-Eye auch bei dieser Aufgabe unterstützen und wird in den kommenden Wochen Spenden für die erste Rettungsmission sammeln.

„Die letzten Wochen haben wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, zivile Rettungsschiffe in den Einsatz zu schicken. 2021 sind bereits 124 Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken, zahlreiche wurden von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht. Deshalb unterstützen wir Sea-Eye natürlich auch weiterhin dabei, die SEA-EYE 4 so schnell wie möglich in den Einsatz zu bringen und Menschenleben zu retten“, so Schwickart.

Weiteres ziviles Rettungsschiff dringend notwendig

Die Lage auf dem Mittelmeer ist nach wie vor dramatisch. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ignorieren weiterhin ihre staatliche Pflicht zur Seenotrettung – und das obwohl mangels sicherer, legaler Fluchtwege immer noch tausende Menschen die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer wagen. Die zivile Seenotrettung versucht nach Kräften dieses politische Versagen aufzufangen. Dabei ist es für die Rettungsorganisationen unmöglich das große Suchgebiet abzudecken, zumal die Rettungsschiffe immer wieder aus politischen Gründen behindert und festgesetzt werden. So befand sich im letzten Jahr teils über viele Wochen kein einziges Schiff im Einsatz. United4Rescue setzt sich daher nicht nur für den Kauf neuer Schiffe ein, sondern unterstützt Rettungsorganisationen auch dabei, festgesetzte Schiffe wieder freizubekommen. So konnte, auch dank der Unterstützung von United4Rescue, erst vor kurzem das Rettungsschiff OCEAN VIKING von der Organisation SOS Méditerranée wieder in den Einsatz gehen und 798 Menschen in Sicherheit bringen.

„Leider ertrinken auch weiterhin fast täglich Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer und Europa schaut weiter tatenlos zu. Wir unterstützen diverse Seenotrettungsorganisationen sowohl finanziell als auch politisch – dafür sind wir auch 2021 weiter auf Spenden angewiesen“, so Schwickart.