Deutsches Rettungsschiff darf in Messina anlegen

  • 61 Gerettete gehen in Messina von Bord
  • Situation hatte sich am Dienstagabend durch aufziehenden Sturm verschärft

Nach einer sechstägigen Seeblockade hat das deutsche Rettungsschiff von Sea-Eye am frühen Mittwochmorgen in Messina anlegen dürfen. Die Situation an Bord hatte sich am Dienstagabend noch weiter zugespitzt.

Die ALAN KURDI durchquerte am Dienstagabend die Straße von Messina, um an der nördlichen Küste Siziliens Schutz vor schwerem Wetter zu finden. Zu diesem Zeitpunkt wartete die Einsatzleitung seit beinahe 6 Tagen auf einen sicheren Hafen. Am Mittwochmorgen gegen 9:00 Uhr konnten die verbliebenen 61 Geretteten schließlich in Messina von Bord gehen. Ohne einen solchen, sicheren Hafen hätten die Sicherheit und Gesundheit der Geretteten nicht weiter gewährleistet werden können.

Die ALAN KURDI hatte am 28. November in zwei Rettungen 84 Menschen aus Seenot gerettet. In den folgenden Tagen mussten 23 Menschen in drei Evakuierungen durch die italienische Küstenwache von Bord gebracht werden. Zwölf Menschen brachen während der tagelangen Wartesituation zusammen und benötigten schnellstmöglich medizinische Hilfe an Land. Zudem war ein Neugeborenes in einem kritischen Gesundheitszustand.

Julian Pahlke, Sprecher der Organisation Sea-Eye, übt schwere Kritik an dem Verfahren der europäischen Minister und der EU-Kommission:

„Monatelang feierten sich die Ministerinnen und Minister selbst für den sogenannten „Malta-Deal”, der eine schnelle Verteilung und Anlandung sicherstellen sollte. Seehofer sagte selbst am Montag noch, er sei mit dem Fortschritt bisher sehr zufrieden. Dafür haben wir kein Verständnis. Menschen sind keine Verhandlungsmasse. Es dürfte keine politischen Deals geben, wo das Gesetz längst alles regelt.”

Der Vorsitzende der Organisation Sea-Eye, Gorden Isler, äußerte sich entsetzt über die erneute Erfahrung einer Seeblockade:

„Die grundlegendsten Rechte von Menschen auf der Flucht, werden diesen Menschen so weiter abgesprochen. Die Geretteten haben unseren Crewmitgliedern von Fluchterfahrungen berichtet, die auch uns an Land schlaflose Nächte besorgten. Wir kümmern uns nach dem Anlegen um unsere Besatzung und vertrauen Europa 84 hoffnungsvolle und verletzte Seelen an.”

Während das Schiff ALAN KURDI vor den Häfen wartete, wurde ein Holzboot mit vermutlich 70 Personen vermisst. Es wurde bis heute nicht gefunden. Die Suche wurde Samstagnacht von der maltesischen Army abgebrochen. Der Verbleib dieser 70 Menschen ist ungeklärt.