Wir sind nun seit einigen Tagen mit der ALAN KURDI auf dem Weg ins Einsatzgebiet und gewöhnen uns an den Alltag an Bord.

Es ist wirklich ein gutes Gefühl, nun unterwegs zu sein, denn wir wissen alle, wie dringend wir gebraucht werden. Mehrere Schiffe sind in Italien festgesetzt und werden von Rettungsmissionen abgehalten. Währenddessen wagen weiterhin viele Menschen die gefährliche Überfahrt in überfüllten Schlauch- oder Holzbooten. In diesem Jahr sind bereits über 500 Menschen bei dem Versuch, das zentrale Mittelmeer zu überqueren, ertrunken. Die Dunkelziffer wird vermutlich deutlich höher liegen.

Training mit Einsatzboot

In der letzten Woche hat allein das Rettungsschiff OPEN ARMS 267 Menschen gerettet und wartet nun auf einen sicheren Hafen. Das bedeutet, dass wir vermutlich das einzige Rettungsschiff im Einsatzgebiet sein werden.

Während der Überfahrt gewöhnen wir uns an das Leben an Bord und bereiten uns gut auf unseren Einsatz vor. Wir haben in den letzten Tagen viel trainiert. Unter anderem haben wir heute wieder ein ausführliches Training mit unseren Einsatzbooten gemacht.

Wir sprechen bei jedem Training verschiedenste Szenarien durch und stellen uns auf das Schlimmste ein, um gut vorbereitet zu sein. Besonders anstrengend wird es, wenn viele Menschen unsere Hilfe brauchen und gerettet werden müssen. Unsere Erfahrung aus den letzten Monaten zeigt, dass wir damit rechnen müssen, lange zu warten, bis uns ein sicherer Hafen zugewiesen wird. Daher lag in den letzten Tagen ein besonderer Fokus darauf, die Betreuung und Versorgung unserer möglichen Gäste zu planen. Falls wir wie im April bei unserer letzten Mission wieder 150 Personen retten sollten, dann ist alleine das Kochen ein Riesenaufwand.

Training mit Einsatzboot

Neben den Trainings teilen wir uns die täglichen Aufgaben an Bord auf. Dazu gehören Kochen, Putzen, Waschen, Wache halten und das Kontrollieren der Maschine. Auf der Brücke haben der Kapitän Joachim und die beiden Offiziere Josh und Thorsten jeweils zwei 4-Stunden-Schichten am Tag und werden dabei von einer Person unterstützt. Im Maschinenraum teilen sich unsere drei Maschinisten Simon, Albert und Dietmar die Schichten ebenso auf.

Sobald wir das Einsatzgebiet erreicht haben, kommt auch Ausschau halten dazu, damit wir kein Boot in Seenot übersehen. Neben der Ausschau checken wir natürlich rund um die Uhr den Funk, um keinen Not-Funkruf zu verpassen.

Ich bin sehr gespannt, was in den nächsten Tagen auf uns zukommt. Ich halte Sie hier, wenn möglich, auf dem Laufenden.

Mit solidarischen Grüßen von der Crew
Kai